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LE-3-2013

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

Logistikstandort Stadt

Logistikstandort Stadt Wien fehlt Gesamtkonzept für Logistikstandorte Warum die Logistikwirtschaft im Wiener Umland keine adäquaten Standorte findet und was die Stadt dagegen tun kann. GastkommentAr: Peter de Leeuw Eine Stadt wie Wien, mit dem Prädikat „Smart City“, die Hauptstadt einer erfolgreichen und vermögenden Volkswirtschaft, sollte es sich leisten, langfristig zu planen. Das heißt, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Über Dinge, die uns nicht jetzt und sofort treffen, sondern erst für unsere Kinder oder Enkel Bedeutung haben. Zum Thema Logistik stellt sich die Stadt Wien in der gebotenen Zusammenarbeit mit dem Umland als zumindest wenig visionär dar. Nun mag es Meinungsunterschiede zwischen Wien und Niederösterreich geben, die Entscheidungen verzögern. Auch wenn es klare Ziele gäbe, wäre dies keine ausreichende Ausrede. Es gibt jedoch keine stadt- oder raumplanerischen Ziele bezüglich der Güterverteilung der Stadt Wien. Güterbewegungen werden nicht geplant, Personenbewegungen schon Die Prognosen sagen, dass die Stadt Wien in den nächsten 30 Jahren um weitere 300.000 Einwohner wachsen wird, also um die Größe der zweitgrößten Stadt Österreichs oder um gute 17 %. Daher wird entsprechend auf diese Prognose reagiert – im Bereich Wohnbau und Öffentlicher Verkehr. 300.000 Menschen brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf, einen Arbeitsplatz, Schulen und Mobilität; sie werden auch essen und trinken, sie werden Güter kaufen und wieder entsorgen, sie werden Müll produzieren, Dinge im Internet bestellen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die einen Materialeinsatz benötigen. Auch die von der Stadt Wien deklarierten Ziele einer „Stadt der kurzen Wege“ rufen nach einem effizienten Güterverteilungskonzept in einer expandierenden Stadt, das nicht ausschließlich durch die freien Marktkräfte geregelt werden kann. Unsere Stadt sollte die Standorte für den Güterumschlag zielorientiert planen. Infrastruktur für Güterbewegungen Die Ansiedlung von Logistikhubs hängt ausschließlich mit der Verfügbarkeit von passenden Grundstücken zusammen. Aufgrund fehlender raumplanerischer Instrumente und des Willens, solche zu schaffen, ist jede Standortentscheidung für eine neue Logistikansiedlung ein Produkt lokaler Peter de Leeuw Einzelinteressen. Eine Agglomeration von mehreren Logistikdienstleistern an einem Standort, mit gemeinsamem Zugang zu Autobahn und Schiene, nahe genug an der Stadtgrenze, um Liefertouren mit kleineren Lastern zwischen mehreren Unternehmen koordiniert durchführen zu können, wird der Wiener Wirtschaft vermutlich niemals zur Verfügung stehen. Der Güterterminal in Inzersdorf, dessen Spatenstich jüngst in den Medien gefeiert wurde, wird von der Politik als „Logistikcenter von europäischen Dimensionen“ gefeiert. Die Chance, einen effizienten Umschlagplatz zwischen Schiene und Straße für die gesamte Logistikwirtschaft zu sein, wurde jedoch bereits vor vielen Jahren zunichte gemacht. Statt sich zielstrebig für einen Wiener Logistikumschlagplatz einzusetzen, startete die Stadt Wien mehrere Aktionen, die den Grundstückspreis im Umfeld über ein für die Logistikwirtschaft finanzierbares Maß hochschnellen ließen. Beispiele sind der angekündigte U-Bahn-Ausbau nach Rothneusiedl samt Umwidmung für den verdichteten Wohnbau oder der angekündigte Bau eines Shoppingcenters. Somit ist das Projekt Inzersdorf zu einem Unternehmensgelände der ÖBB und der RCA verkommen. Es wird niemals zu der erforderlichen Dichte von angesiedelten Unternehmen im unmittelbaren Umfeld kommen, die ein Güterverteilzentrum im internationalen Sinne braucht. Verpasst die Stadt die nächste Chance? Zwischen dem Hafen Wien/Albern und der Autobahnauffahrt Mannswörth besteht die Möglichkeit, ein großräumiges, 3-Modales Güterverteilzentrum zu schaffen (Straße, Schiene, Wasser), das zusätzlich die absolute Nähe zum Flughafen Schwechat aufweist (Luft!). Auf kleinstem Raum stünden alle wesentlichen Verkehrsträger zur Verfügung, wodurch viele Fahrten vermieden oder auf das Wenigste reduziert werden könnten. Die Nähe zum Distributionsgebiet Wien erlaubte die Zufahrt mit effizienten Fahrzeugen im Sinne einer „Smart City“; bereits die Agglomeration an sich ermöglichte die Bündelung von Fahrten in Kooperation der angesiedelten Unternehmen. Dazu kommen alle Themen, die mit dem Zusammenwachsen der beiden Metropolen Wien und Bratislava – ein bevorzugtes Projekt der Stadtregierung seit Jahren - zusammenhängen. Eine funktionierende Logistik ist das Schmieröl einer Wirtschaft. Sollte Wien die bessere und effizientere Logistiklandschaft aufweisen, und das noch auf der Achse Wien- Bratislava, so wird sich das für Wien positiv auswirken. In vielen Gesprächen mit wesentlichen Entscheidungsträgern habe ich natürlich bereits hören dürfen, warum eine Logistikagglomeration am Wiener Hafen nach internationalem Zuschnitt nicht möglich ist. Meines Erachtens ist jedoch der einzige Grund, warum es nicht möglich ist, dass es trotz der Dringlichkeit noch nicht den Weg zur Agenda der Stadt Wien gefunden hat. Alle anderen Argumente sind Ausreden. (PL) Kritik an: info@logistik-express.com 18 LOGISTIK express Ausgabe 3/2013 www.logistik-express.com

Logistikstandort Logistikimmobilie „Am Hafen 6“ Die Adresse der ehemaligen Schiffswerft Korneuburg ist aus der Sicht von Logistikern und Wirtschaftstreibenden ein Asset für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Niederösterreich und darüber hinaus für den Großraum Wien. Redaktion: Peter Baumgartner Die Adresse der ehemaligen Schiffswerft Korneuburg ist aus der Sicht von Logistikern und Wirtschaftstreibenden ein Asset für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Niederösterreich und darüber hinaus für den Großraum Wien. Der Bürgermeister der Stadt hat 2012 erklärt, er würde die seit zwanzig Jahren schlummernde Prinzessin gerne sofort wach küssen. Allein, er hat nicht viel zu plaudern, denn nach dem Ende der 151-jährigen Geschichte der (Staats)Werft wurde das 150.000 m2 große Areal in Bausch und Bogen an einen privaten Investor verkauft (manche sagen verschenkt). Der entscheidet also jetzt, was mit dieser Logistikimmobilie passiert. Schiffswerft Korneuburg ist aus der Sicht von Logistikern und Wirtschaftstreibenden ein Asset für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Niederösterreich. Das hat den Steuerzahler aber nicht daran gehindert, seither weiter viel Geld in die Werft zu investieren. Bis 2005 wurden 166.000 Tonnen kontaminiertes Bodenmaterial entsorgt (Kosten: 20 Mio. Euro). Niederösterreich hat 400.000 Euro investiert, damit ein Kulturzentrum in der Werft entsteht, deren „problematische Clubbings“ (Bgm. Gepp) jedoch bald wieder eingestellt werden mussten. Trotzdem halten die Stadt und das Land vorläufig weiter an einer vornehmlich touristischen und Freizeit orientierten Nutzung der Werft fest (Stadterneuerungskonzept). Gleichzeitig wirbt die Stadt aber mit dem Industriepark Korneuburg West/Donau einschließlich Werftareal (insgesamt 30 Hektar) und hat bereits eine eigens für dieses Areal gedachte Autobahnabfahrt initiiert. Wenn der ganze öffentliche Aufwand und die Infrastrukturinvestitionen nicht allein für ein paar Kulturveranstaltungen gedacht sind, dann ist es wohl naheliegend, dass die Logistikimmobilie „Am Hafen 6“ für den Eigner langsam zur Goldgrube wird und der endlich die schlummernde Prinzessin wach küssen sollte. Peter Baumgartner Jedenfalls wird es langsam höchste Zeit, dass die vom Steuerzahler getätigten Investitionen wirtschaftsstimulierend wirken. Ein trimodaler Logistikstandort auf dem Werftareal sollte eigentlich außer Frage stehen. Zumal im österreichischen Infrastrukturbericht (FBA) die Schifffahrt in Österreich regelmäßig am schlechtesten abschneidet. Auf der Grundlage der befragten Wirtschaftsstrategen verlangt Future Business Austria immer wieder eine Gesamtstrategie für Österreich, und für den Bereich der Schifffahrt eben dessen bessere Nutzung und eine Verbesserung der Infrastruktur („Logistikhäfen“). Vorbehaltlich, dass die vom Report eingemahnten Mängel tatsächlich so richtig sind, immerhin beruhen sie auf der Befragung von 240 Logistikanwendern und Nutzern im Land. Was die Nutzung der ehemaligen Schiffswerft angeht, sind auch Wirtschaftsvertreter der Ansicht, dass ein Logistikstandort wohl priorisiert werden sollte (Dr. Christian Moser/ WKNÖ), um einen wirtschaftlichen Mehrwert zu erreichen. Zumal der nur 20 Kilometer entfernte Hafen Wien bereits werftvolle Wasserflächen verlanden muss, um Platz zu gewinnen, und entlang der Zufahrtsstraße Wohnbauten hinter hohen Betonmauern vor dem Lärm des Hafenverkehrs geschützt werden müssen. Warum es also im Sinne eines von der Wirtschaft geforderten Gesamtverkehrskonzeptes nicht längst Kooperationen zwischen Korneuburg und Wien gibt, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Robert Groiss von WinCont Freudenau hat als Erklärung in der Frage angeboten, dass hier Bundesländergrenzen überschritten werden müssten. Was wohl kaum tatsächlich ein Problem sein sollte. Immerhin gibt es die Organisation Viennaregion (Wien, Niederösterreich, Burgenland), die genau solche Projekte auf den Weg bringen könnte. Die Chancen für einen intermodalen Donauraum sind dann gegeben, wenn zuerst Infrastruktur und Hinterlandanbindungen geschaffen werden, meint Theo Arendt von der Studiengesellschaft für den Kombiverkehr in Berlin. „Am Hafen 6“ kann als Logistikstandort an die glorreiche Vergangenheit anschließen und wesentlich zum Donauraum beitragen, wenn die Akteure endlich aus dem Dornröschenschlaf erwachen. (PB) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 3/2013 19

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