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LOGISTIK express Fachzeitschrift

INFRASTRUKTUR Recht viel

INFRASTRUKTUR Recht viel Action im ganzen Land Allen anderslautenden Meinungen und Meldungen zum Trotze wird kräftig gebaut und investiert im Staate Österreich. Der Logistik express hat sich exklusiv in der Steiermark, in Linz und in der Bundeshauptstadt nach spannenden Beispielen umgesehen. Redaktion: PAUL CHRISTIAN JEZEK Lange diskutiert, seit Juli ist es so weit: Am längsten Bahntunnel unseres Landes wird seit einigen Wochen nun auch wirklich gebuddelt. Und es wäre nicht Österreich, wäre der Tunnelanschlag für den Koralmtunnel - denn um keinen anderen handelt sich‘s natürlich - nicht entsprechend begangen worden: Mit einem Festakt für rund 300 Personen wurden am 4. Juli gegen Mittag die Arbeiten feierlich eröffnet. Mit dabei in Leibenfeld bei Deutschlandsberg waren neben Landeshauptmann Franz Voves auch der Strabag-Vorstandsvorsitzende Hans Peter Haselsteiner, Georg-Michael Vavrovsky, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG, sowie Tunnel“patin“ Margit Fischer, die den Tunnelanschlag vornahm und damit symbolisch die Rolle der Heiligen Barbara als Schutzpatronin für unfallfreie Bauarbeiten übernahm. Der Landeshauptmann fand entsprechend große Worte: „Mein besonderer Dank gilt den Mineuren, die mit ihrem großartigen Einsatz vor Ort nicht nur ein Stück steirische, sondern auch europäische Infrastrukturgeschichte schreiben.“ Die Koralmbahn soll den Süden Österreichs optimal an europäische Verkehrsknoten anbinden und damit das Standort-Ranking innerhalb der Regionen entscheidend verbessern. Die Fahrzeit auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Graz nach Klagenfurt soll sich von derzeit knapp drei auf eine Stunde verkürzen, von Graz nach Venedig hofft man auf eine Zeitersparnis von bis zu vier Stunden. Brüssel zeigt großes Interesse an steirischen Strategien Infrastrukturelle News aus der Steiermark finden derzeit in ganz Europa großen Anklang. So interessieren sich vor allem belgische Cluster- Manager besonders für die Strategie, wie die Steiermark als seinerzeit „Alte Industrieregion“ nun einen Europa-Spitzenplatz mit einer F&E- Quote von 4,3 Prozent erreichen kann. Laut EU-Regionalkommissar Johannes Hahn ist die Steiermark „eine Region, die schon heute an der Zukunft arbeitet und mit klaren regionalen Zielsetzungen zur Umsetzung der Strategie Europa 2020 beiträgt“. Ein spezieller Bereich ist für den Logistik express dabei besonders interessant: der RFID-Hotspot Steiermark. Radio Frequency Identification ermöglicht die berüh- rungslose Funkerkennung von Datein Dabei können die Informationen aus RFID-Chips ohne eigene Stromversorgung mithilfe eines Lesegerät über größere Entfernungen gesammelt und ausgewertet werden. Zahlreiche Anwendungsgebiete gibt es bereits in Logistikprozessen, Reisepässen oder auch in Bustickets. Die Entwicklung dieser Technologie hat eine lange Tradition in der Steiermark: circa 50 Prozent der weltweit im Einsatz befindlichen RFID- Chips wurden hier entwickelt, das sind mehr als fünf Milliarden Stück. Die rund um Graz ansässigen RFID-Firmen beschäftigen bei steigender Tendenz fast 1.900 Mitarbeiter und können Exportquoten von über 90 Prozent aufweisen. Internationale Best Practices gibt es zum Beispiel von den Ford Werken in Deutschland und von Boehringer Ingelheim, die mit steirischen Anbietern ihre Logistik optimiert haben. Dass RFID auch für KMU interessant ist, zeigt die Steirerfrucht GmbH, die ihre Erntekisten mit RFID-Chips ausgestattet hat. Die weiteren Marktentwicklungen und Zukunftsaussichten des RFID-Hotspots als Infrasruktur-Basis sehen Technologieanbieter wie austriamicrosystems, Infineon und NXP mit Roland Koo, der in den 80er Jahren mit seinem Unternehmen Mikron den steirischen RFID-Boom startete, durchaus optimistisch: im Jahr 2019 werden sich über 700 Milliarden Chips weltweit im Einsatz befinden. „Die Seestadt Wiens“ als internationales Vorzeigeprojekt In Aspern entsteht das größte Stadtentwicklungsprojekt der Bundeshauptstadt und eines der Top-Bauprojekte Europas: „aspern - Die Seestadt Wiens“. Karriere und Familie, Stadt und Land, Lifestyle und Gesundheit soll das Vorzeigeprojekt für innovative Ansätze in der Stadtplanung und Stadtentwicklung in den Bereichen Wohnbau, Straßenbau und Infrastruktur vereinen. Vizebürgermeisterin Mag. Maria Vassilakou sieht den Schwerpunkt bis Ende des Jahrzehnts vor allem - im Sinne der Stadt der kurzen Wege - in der Verdichtung innerstädtischer Bereiche. „Die Seestadt aspern bietet die große Chance, innovative Gebäude- sowie Mobiliätskonzepte zu entwickeln und somit nachhaltig an der Zukunft weiterzuarbeiten.“ Laut DI Claudia Nutz (Vorstand der Wien 3420 apsern development AG) wurden die ersten Ausschreibungen z. B. für die Landschaftsplanung bereits durchgeführt, die Ausschreibung für den Schulcampus erfolgt noch in diesem Jahr. Besonders hebt sie hervor, dass die UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) ohne Einsprüche abgelaufen ist. Dies sei möglich gewesen, da man sich besonders um die Anliegen der Anrainer bemüht und persönlich Präsenz gezeigt habe. Bei der Planung habe man auch die Erfahrungen anderer neuer Viertel wie zum 10 LOGISTIK express 3|2011 www.logistik-express.com

INFRASTRUKTUR Beispiel die Verbauung auf der Donauplatte mit einfließen lassen, wo vor allem die Windproblematik und die mangelnde Infrastruktur zu Problemen führen. Ziviltechniker DI Dr. Wilhelm Reismann hofft, dass man mit aspern tatsächlich neue Maßstäbe setzen wird, um so international ein interessantes Vorzeigeprojekt zu erzielen. Damit hätte Österreich weltweit eine große Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Dass bei den ersten Ausschreibungen mit mehr als 80 Einreichungen, kein einziges österreichisches Büro zum Zug kam, sei allerdings sehr bedauerlich ... Leider auch „schwarze Schafe“ Auch bei Infrastrukturprojekten ist nicht alles Gold, was glänzt: Die „Bahnhof City“ in der Hauptstadt wird deutlich später fertig als geplant. Der Bürokomplex am Wiedner Gürtel wird statt 2013 frühestens 2016 fertig sein. Der Hintergrund: Das betroffene Baufeld kann erst 2014 freigegeben werden, da es zuvor zur Baustelleneinrichtung für den Bahnhof gebraucht werde. Behinderungen für Bahnkunden sollen durch die Verzögerung und folglich länger dauernden Bauarbeiten neben dem eigentlichen Bahnhof aber nicht entstehen. Der Hauptbahnhof geht schließlich bereits Ende 2012 in Teilbetrieb und wird 2015 den Vollbetrieb aufnehmen.Derzeit läuft für das Areal der Bahnhof City noch ein Verkaufsverfahren. Es handelt sich dabei um 90.000 m² Bruttogeschoßfläche, die für Büros, Dienstleistungs- und Wohnnutzungen sowie Flächen für Handel und Gewerbe genutzt werden können. Ursprünglich hätte auf dem Baufeld die neue ÖBB-Zentrale gebaut werden sollen. Dafür schrieb das Unternehmen einen geladenen Wettbewerb aus, der 2008 jedoch vom Bundesvergabeamt gekippt wurde, da eine EU-weite Ausschreibung nötig gewesen wäre. Zu dieser kam es danach jedoch nicht mehr, die ÖBB wählten für ihr Headquarter ein anderes Baufeld hinter dem Hauptbahnhof und entschieden sich somit zum Verkauf des ursprünglich vorgesehenen Areals an private Investoren. In Linz beginnt‘s Für die wirtschaftliche Expansion der oberösterreichischen Metropole sorgt die Stadt mit dem Betriebsansiedlungsgebiet Südpark im Stadtteil Pichling. Das voll aufgeschlossene, schadstofffreie Gebiet bietet eine erstklassige Infrastruktur und ist verkehrstechnisch bestens erschlossen. Von den insgesamt 333.000 m² Netto-Nutzfläche, die als „Betriebsbaugebiet“ und „Gemischtes Baugebiet“ ausgewiesen sind, sind bereits 283.000 verwertet. Bisher haben sich im Südpark 30 Firmen mit mehr als 850 Mitarbeitern niedergelassen. Sie sind vor allem in den Branchen Lebensmittel, Elektrotechnik, Maschinenbau, Holzverarbeitung, Klimatechnik, Softwareentwicklung, Handel und Spedition tätig. „Das wirtschaftliche Potenzial des Betriebsbaugebietes spiegelt sich auch im Kommunalsteueraufkommen von rund einer Million Euro im Jahr wider“, hebt Wirtschaftsreferentin Stadträtin Susanne Wegscheider die Bedeutung des Betriebsansiedlungsgebietes hervor. Nach wie vor ist die Nachfrage nach Grundstücken sehr groß. Ein Teil der noch nicht verbauten Flächen ist für Erweiterungen von bereits ansässigen Firmen eingeplant. „Für eine weitere Betriebsansiedlungspolitik brauchen wir in den nächsten Jahren neu gewidmete Flächen“, mahnt Wegscheider. „Ansonsten droht die Abwanderung von Unternehmen. Wir müssen expandierenden Betrieben, die Erweiterungsflächen brauchen oder einen neuen Standort suchen, ein Angebot machen, in Linz zu bleiben.“ Mit der ebm-pabst Motoren und Ventilatoren GmbH ist seit 2010 ein weltweit führender Hersteller von innovativen und hocheffizienten Motoren und Ventilatoren im Südpark präsent. Das Unternehmen bietet individuelle Komplettlösungen für die unterschiedlichsten Industrie- und Einsatzbereiche, wie z. B. in der Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik, bei Haushaltsgeräten, der Heiztechnik oder im Maschinenbau. Im selben Jahr eröffnete die CompAir GmbH eine Service- und Verkaufsniederlassung im Süden von Linz. Das 1919 in Deutschland gegründete Unternehmen nimmt eine führende Rolle in der Entwicklung zeitgemäßer Druckluftsysteme ein. Im Mai dieses Jahres eröffnete die Hochtechnologiefirma Celum mit 60 MitarbeiterInnen ein 1.800 m² großes Forschungs- und Entwicklungszentrum. Die Errichtung wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Für den weiteren Ausbau hat sich Celum Nachbargrundstücke gesichert, der „Forschungscampus“ soll im Endausbau auf 13.000 m² wachsen. Das Softwareunternehmen befindet sich auf Expansionskurs. Binnen zwölf Jahren wurde aus einem Kleinbetrieb eine Firma, die 450 Kunden aus 25 Ländern mit Spezialsoftware für das Digital Asset Management ausstattet. Auch Weltkonzerne wie Volkswagen und Credit Suisse setzen auf die Software aus Linz. (PJ) GASTKOMMENTAR Ein Weckruf Melbourne ist die lebensw e r t e s t e Stadt der Welt - dann kommt bereits Wien. Dieses Urteil hat die britische Economist Intelligence Unit nach einem Vergleich von 140 Dr. Peter Muzik Metropolen gefällt. Das kann uns nur freuen - auch wenn Zweifel angebracht sind. Die Idealnote 100 bei Infrastruktur etwa ist schwer nachvollziehbar. Österreichs Logistiker, die an der Bundeshauptstadt nicht vorbei kommen, kennen den riesigen Nachholbedarf wohl am besten. Dass es verkehrsmäßig nicht gar so prächtig aussieht, belegt eine kürzlich veröffentlichte Städte-Studie von Roland Berger Strategy Consultants: Was die Straßen anlangt, ist Wien lediglich Vierter. Bei der Schiene bloß Fünfter. Und in Sachen Luftfahrt gar nur Sechster - unter zehn EU-Metropolen. Amsterdam, Madrid, London, ja selbst Budapest schneiden diesbezüglich besser ab. Dass es so ist, wie es ist, hat sehr mit der Politik zu tun. Der rot-dominierten Stadtregierung fehlt zum einen ein Masterplan, zum anderen das nötige Geld für Investitionen und zum Dritten der erforderliche Punch. Folgen? Die Vervollständigung des Autobahnrings um die Stadt oder die dritte Piste am Flughafen sind nicht gesichert. Eine optimale Bahnverbindung nach Bratislava, der Güterterminal Inzersdorf, ein weiterer Güterumschlag-Terminal im Norden Wiens - lauter Projekte in der Warteschleife. Wiens Politiker sollten endlich aufwachen. Autor: Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist („Wiener Zeitung“, früher „WirtschaftsBlatt“ und „trend“) sowie Inhaber der auf Evaluation von PR-Aktivitäten spezialisierten Consultingfirma Public & Media. NEU: Public & Media checkt die Medienarbeit Ihres Unternehmens. Näheres auf www.logistik-express.at www.logistik-express.com LOGISTIK express 3|2011 11

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