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TRANSPORT Arabische

TRANSPORT Arabische Halbinsel mutiert zur Drehscheibe Die Aussichten für den Logistikbereich auf der arabischen Halbinsel sind vielversprechend. Fast in allen Ländern werden neue Häfen und Flughäfen gebaut und entwickelt. Durch das saudische Landbrückenprojekt entsteht das erste weitreichende Schienennetzwerk. Neue Glanzmetropolen verkörpern den Reichtum und das Selbstbewußtsein der Scheichtümer und Emirate. REDaktion: DIRK RUPPIK In einer Schätzung der Khaleej Times mit Sitz in Dubai, VAE vom November 2009 soll die Logistikindustrie des Nahen Ostens um 10 Prozent jährlich auf 27 Milliarden US-Dollar (rund 20,5 Milliarden Euro) bis 2012 wachsen. „Es gibt eine zunehmende und einflussreiche Konsumentenbasis, die das Wachstum antreibt“, sagte Brian McHale, Geschäftsführer der Wared Logistics, auf der ersten International Week of Transport and Logistics (SITL) in Dubai in 2009. „Der Transportbereich wird wahrscheinlich um sieben Prozent wachsen und damit leicht über dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts liegen. Doch die Logistikdienste werden Zuwachsraten von zehn Prozent und mehr zeigen“, schätzt Fadj Majdalani, Partner der Agentur Booz & Company in Beirut. „Der Frachtspeditionsbereich, der komplexere Dienstleistungen erfordert, erreicht normalerweise acht bis zwölf Prozent im Nahen Osten und Nordafrika“, fügte er an. Bei solch guten Aussichten ist es verständlich, dass die Länder auf der arabischen Halbinsel auf den Ausbau des Transportnetzwerkes und der Logistikdienste setzen. Logistik dient als Schlüsselbereich zum Aufbau der Wirtschaften und zur Diversifizierung weg von den knapper werdenden Öl- und Gasreserven im Nahen Osten. Nicht zuletzt geht es natürlich auch um das Prestige der einzelnen Scheichtümer. Der bisherige führende Logistikstandort Dubai gerät bei der Vielzahl der geplanten Projekte unter Druck. Allen voran will das Nachbaremirat Abu Dhabi dem Dubai World Center (DWC) mit seinem Hafen Jebel Ali und dem neuen zweiten gigantischen Flughafen Al-Maktoum International Konkurrenz machen. Mit 11,8 Millionen TEU liegt Jebel Ali auf Platz sechs der Weltrangliste 2009 von Cargo Systems und soll bis 2030 55 Millionen TEU handeln. In der 1985 gegründeten Freihandelszone sind heute über 6.000 führende globale Unternehmen ansässig. Al-Maktoum wird künftig sechs 4.500 m lange Start- und Landebahnen besitzen und soll 120 Millionen Passagiere und 12 Millionen Tonnen Luftfracht in 2030 handeln. Es wird erwartet, dass der neue Hafen Khalifa in Abu Dhabi bis 2028 22 Millionen TEU und 35 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr umschlägt. Er soll in fünf Phasen entwickelt werden. Mit den ersten Grabungen wurde im Februar 2010 begonnen. In 2012 wird die erste Phase gebaut sein. Er wird dann den vorhandenen Hafen Mina Zayed ersetzen. Die angrenzende Industriezone in Taweelah soll eine weite Spannbreite von Industrieunternehmen von Schwermaschinenbau über IT bis zur Logistik anziehen. Das erste Gebiet A soll im zweiten Halbjahr 2012 fertiggestellt werden. Es gibt kritische Stimmen aus der Industrie, die den Erfolg des Projektes aufgrund der großen Nähe zur DWC anzweifeln. Im Oman hat sich der Bau des Hafens Salalah (Beginn 1998) schon als Erfolgsmodell erwiesen. Die gute strategische Lage am Golf von Hormus hat sich ausgezahlt und insbesondere den Containerhafen florieren lassen. Große Containerschiffe können für den Golf oder Ostafrika bestimmte Container auf der Überfahrt durch den Suez-Kanal nach Singapur in Salalah löschen. Der Oman will nun ebenso durch die Einrichtung von Freihandelszonen an den Häfen Salalah und Sohar von den Handelsströmen profitieren. Langfristig sollen hier Logistikhubs entstehen. „Der Oman ist geographisch ideal als Transporthub für die arabische Halbinsel positioniert“, sagt der Geschäftsführer des Hafens Sohar, Jan Meijer. „In den kommenden Jahren werden viele neue Erweiterungen entstehen. Dazu gehören u.a. das geplante Agro-Terminal und das Terminal für flüssige Güter.“ Ebenso steht der weitere Ausbau des Containerterminals auf dem Programm. Das Verkehrsministerium des Landes w i l l den internationalen Flughafen in Muscat von fünf auf 48 Millionen Passagiere jährliche Kapazität bis 2050 ausbauen. Die Erweiterung soll rund 9,1 Milliarden Euro kosten. Derweilen wird in Saudi-Arabien an einer neuen Dimension gefeilt. Eine komplette Retortenstadt – die King Abdullah Economic City (KAEC) – soll bis 2025 am Roten Meer enstehen und ein neues diversifiziertes Zeitalter für den Wüstenstaat einläuten. Die KAEC ist nur eine von fünf Wirtschaftsmetropolen, die im langfristigen Wirtschaftsplan durch die Regierung vorgesehen sind. Geplant sind sechs Schlüsselkomponenten: Ein Seehafen, eine Industriezone, der zentrale Geschäftsbezirk, Resorts, eine Ausbildungszone und Wohnstadtbereiche. Der Seehafen soll künftig unter den fünf größten Industriehäfen der Welt zu finden sein und mehr als 10 Millionen TEU handeln. Dessen Funktion wird durch die strategische Lage, einen guten Straßen- und Schienenanschluss und durch die Ansiedlung von Leicht- und Logistikindustrie unterstützt werden. Voraussichtlich wird die KAEC rund 114 Milliarden Euro zum BIP beitragen und rund 5 Millionen Einwohnern ein Zuhause bieten. Laut James Reeve, Wirtschaftsanalyst bei der Samba Group in Riyadh „macht die KAEC Sinn, da sie Saudi-Arabiens Hauptressourcen mit einbindet: Billige Energie und riesige Kapitalreserven. Zudem liegt sie an bedeutenden Hauptschifffahrtsstraßen.“ Die Retortenstadt soll ebenso die westliche Provinz fördern, die bisher von den Investitionsströmen vernach- FOTO: dirk ruppik 30 LOGISTIK express 3|2010 www.logistik-express.com

TRANSPORT lässigt wurde. Ob das Projekt allerdings so umgesetzt werden kann, muss erst noch bewiesen werden, da seit der Finanzkrise Gelder aus der privaten Hand nicht mehr so üppig fließen. Im Rahmen des Landbrückenprojektes soll die arabische Halbinsel mit einem strategisch wichtigen Eisenbahnnetzwerk von den saudi-arabischen Industriestandorten am Golf zur Hafenstadt Djiddah am Roten Meer überzogen werden. Die denkbare Schließung der Straße von Hormus im Konfliktfall mit dem Iran und die von Somalia ausgehende Piraterie sind hier entscheidende Faktoren für die Forcierung. Weiterhin ist sie für den Bergbau und den Pilgertransport von Bedeutung. In Katar wird der Ausbau des Hafen Doha vorangetrieben, da der Emir von Katar dem Land einen strategischen Entwicklungsplan verordnet hat. Dadurch stößt der alte Hafen Doha an seine Grenzen und muss in den neuen Hafen Doha nördlich von Mesaieed verlagert werden. Die erste Phase mit 2 Millionen TEU Kapazität soll bis 2014 in Betrieb gehen. Durch zwei weitere Phasen wird der neue Hafen die geplante Kapazität von 12 Millionen TEU erreichen. Die erste und zweite Phase des neuen Flughafens Doha International mit einer Kapazität von 24 Millionen PAX und 1,4 Millionen Tonnen Fracht werden voraussichtlich in 2011eröffnet. In 2015 wird er dann 50 Millionen PAX handeln können. Bahrain hat im Dezember 2009 den neuen Hafen Khalifa bin Salman mit 1,1 Millionen TEU eröffnet. Eine Logistikzone für Re-Export und wertschöpfende Dienstleistungen wurde schon in 2008 eröffnet. Sie grenzt an den neuen Hafen an und liegt nahe an der Schnellstraße zu Saudi-Arabien sowie in der Nähe zum internationalen Flughafen. Der Generaldirektor der General Organisation of Sea ports, Hassan AliAl Majed, bringt das Selbstbewußtseins Bahrains zum Ausdruck, indem er die Regeln diktiert: „Die Bahrain Logistikzone ist schon vielfach ausgebucht. Wir sind sehr bemüht, die richtigen Mieter für uns zu finden. Diese müssen einen hohen Nutzen im Bereich Auslandsinvestitionen, Wissenstransfer und Stellenaufbau mitbringen.“ Kuwait bastelt am neuen Hafen auf den Bubiyan Islands. Das Projekt ist allerdings mehrere Jahre im Verzug und sollte nun in 2010 eröffnet werden. Im Rahmen eines Regierungsplans sollen nun bis 2013 rund 8,2 Milliarden Euro für den Hafen und weitere Infrastrukturprojekte ausgegeben werden. Das Prestigeobjekt „Silk City“ mit dem 1001 m hohen Wolkenkratzer Mubarak Al-Kabir und dem neuen Flughafen wird geschätzte 72 Milliarden Euro verschlingen. (DR) Starke Hellas-Achse Mit erfolgreichen Griechenland-Operationen und den im Aufschwung befindlichen Türkei-Diensten besetzt die Niederlassung Graz-Kalsdorf von DHL Freight im Verkehrsgebiet von Österreich nach Südosteuropa eine Schlüsselrolle. REDaktion: Joachim Horvath Sammelgut-, Teil- und Komplettladungsverkehre nach Griechenland zählen zum Kerngeschäft der Niederlassung Graz-Kalsdorf von DHL Freight. Neben Sendungen für Empfänger in Deutschland, Frankreich und Spanien usw. fertigen die rund 50 Mitarbeiter der Spedition an diesem Standort regelmäßig Palettensendungen mit Zielbestimmungen in dem die Südwest-Spitze der Balkanregion markierenden Land ab. Stark im Kommen sind außerdem die Türkei-Verkehre. Die Niederlassung in Istanbul fungiert als Drehscheibe für die Interview mit Heike Sommer Branch Manager DHL Freight Kalsdorf Abwicklung von Stückgutdiensten von Europa (mit der Sammelstelle in Kalsdorf) nach Syrien, Libanon, Georgien, Armenien, Aserbeidschan, Iran, Irak, Kuwait, Bahrein, Qatar, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi Arabien und Oman. Auch die in den und aus dem türkischen Markt bewegten Mengen zeigen stark steigende Tendenz. Mit dem Griechenland-Aufkommen können sie aber noch nicht Schritt halten. „Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Wir sind aber guter Dinge, was den Ausbau der derzeit mit einem Sammelverkehr in der Woche abgedeckten Istanbul-Verbindung betrifft“, räumt Heike Sommer, Leiterin der Niederlassung Graz-Kalsdorf und der Aktivitäten von DHL Freight Slowenien (seit 1. August) im Gespräch mit der Österreichischen Verkehrszeitung ein. Auf der Griechenland-Achse stehen im Wochenschnitt fünf bis sieben Abfahrten mit Sammelgut und Teilpartien sowie 10 bis 15 Komplettladungen auf dem Programm. Letztere beinhalten auch die für Auftraggeber aus der Pharmaindustrie und für Hersteller von Frucht- und Gemüseprodukten zur Weiterverarbeitung eingerichteten Frigoverkehre. Neben diesen Erzeugnissen spediert DHL Freight beträchtliche Mengen Landmaschinen, Konsumgüter, hochwertige Industrietextilien, Laminate, Furniere, Möbel, Beschläge und Metallwaren nach Hellas. Bei der physischen Abwicklung der Griechenland-Transporte befolgt DHL Freight mehrere klar formulierte Richtlinien. Alle sensiblen Komplettladungen und sämtliche Stückgutverkehre nutzen den Seeweg von Venedig nach Patras. Sommer begründet das mit dem schlechten Zustand der Straßeninfrastrukturen in einigen Transitländern sowie in Teilen von Hellas selbst. Selbst beim Einsatz der modernsten Systeme zur Ladungssicherung könne man auf einigen Strecken keine Garantie für das unversehrte Eintreffen der Güter an den Zieladressen abgeben, spricht sie aus Erfahrung. Wo trotzdem Bedarf für einen derartigen Service besteht, drosselt das Team von DHL Freight den Anteil der auf den griechischen Teilstücken absolvierten Kilometer auf ein Minimum. Teil- und Komplettladungen mit einem geringen Schadensrisiko legen die Reise von Österreich nach Griechenland auf dem Landweg über Ungarn, Rumänien und Bulgarien zurück. Zu den weiteren Gesetzmäßigkeit zählt die Beschäftigung von hauptsächlich griechischen Frachtführern. Diese Vorgehensweise bringt Vorteile, auf die das Team von Heike Sommer auf keinen Fall verzichten will. Dazu zählen die Kenntnisse der griechischen Schriftzeichen und der Sprache. Die Lenker können das Eintreffen der Teil- und Komplettladungen in ihrer Muttersprache telefonisch avisieren. Stückgüter erfahren eine Feinverteilung mit den Rollfuhrdiensten der DHL Freight-Stationen in Athen und Thessaloniki. DHL Freight ist im Verbund der österreichischen DHL-Landesorganisation das Kompetenzcenter für den Landverkehr in den Bereichen Stückgut, Teil- und Komplettladungen und für die damit verbundenen lagerlogistischen Dienstleistungen. Internationale Verkehre stehen im Vordergrund. Ihre Steuerung und Abwicklung liegt in den Händen von 220 Mitarbeitern unter der Leitung von Country Manager Josef Augustin. Zum Netzwerk gehören Stationen in Wien-Freudenau, Wien-Messegelände, Graz-Kalsdorf, Wels, Salzburg, Innsbruck und Rankweil mit knapp 20.000 m² Lager- und Umschlagfläche. www.logistik-express.com LOGISTIK express 3|2010 31

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