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LE-3-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 8 PERSÖNLICHKEITEN Seit 2002 erwirtschaftet Österreich positive Handelsbilanzen. Welche Faktoren haben aus Ihrer Sicht dazu beigetragen? Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs? Seit dem Jahr 2000 liegen wir beim Wirtschaftswachstum und bei der Beschäftigungsquote immer über dem EU-Durchschnitt. Das ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre erfolgreich war. Sowohl unsere Steuer- als auch die Sozialpolitik haben dazu beigetragen, dass Österreich in der Europäischen Union einen Spitzenplatz sowohl bei den verfügbaren Einkommen als auch bei der sozialen Sicherheit einnimmt. Trotz der sich eintrübenden Wirtschaftskonjunktur, die auch von der derzeitigen Finanzkrise – ausgehend vom amerikanischen Immobilienmarkt – beeinflusst wird, kann Österreich aufgrund seiner exzellenten Wirtschafts- und Standortpolitik seinen Wettbewerbsvorsprung halten und – wie es die internationalen Prognosen auch zeigen – weiter ausbauen. „Es wäre absurd, für alle Talente und Begabungen einen einzigen Schultyp zu kreieren.“ DR. WOLFGANG SCHüSSEL Die Logistik ist heute ein Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmens, aber auch eines Wirtschaftsstandortes wie Österreich. Worin sehen Sie hier die größten Herausforderungen für Österreich? Die Erweiterung der EU im Jahr 2004 hat Österreich vom Rande in den Mittelpunkt Europas gebracht. Österreich hat diese Chancen voll ergriffen und eine führende Stellung in den neuen Mitgliedsländern aufgebaut. Das beweisen sowohl die Exportzahlen, die sich in den letzten Jahren vervielfacht haben, als auch die Direktinvestitionen österreichischer Unternehmen in diesen Ländern. Österreich hat dadurch seine Brückenkopf-Funktion in den Osten nicht nur beibehalten, sondern auch gefestigt. Durch den Ausbau von Straße und Schiene ist der Grundstein für weitere positive Entwicklungen gegeben. Wichtig ist, auch in Zukunft rechtzeitig auf die Entwicklung des Marktes durch eine vorausschauende und nachhaltige Politik zu reagieren. Wir brauchen faire Rahmenbedingungen, die es Gemeinsam für ein starkes Europa Dr. Wolfgang Schüssel, ÖVP-Klubobmann spricht im Logistik Express Interview über Österreichs Wettbewerbsvorsprung, das Schulsystem der Wahlmöglichkeiten und die Vorzüge der EU-Mitgliedschaft. INTERVIEW: STEPHAN HOFSTäTTER unseren Unternehmen ermöglichen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Welche wirtschaftspolitische Entscheidung der vergangenen acht Jahre erachten Sie als eine der wichtigsten für Österreich? Die Einführung des Euro als gemeinsame Währung hat - mit der dadurch erleichterten Vergleichbarkeit und dem Wegfall der Umwechslungskosten - dem europäischen Wirtschaftsraum große Vorteile gebracht. Der Euro ist heute eines der wichtigsten Symbole der europäischen Integration. 98 Prozent der heimischen Unternehmen sind sog. KMUs – Kleine und mittlere Unternehmen. Sie profitieren besonders von der EU-Mitgliedschaft Österreichs – durch Handelserleichterungen und größere Absatzmärkte. Wieso wird dieser Erfolg derart stark von EU-kritischen Tönen überlagert? 8 LOGISTIK express 3|2008 www.logistik-express.at

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 9 PERSÖNLICHKEITEN FOTOS: ISTOCKPHOTO.COM (1) 60 Prozent unseres Volkseinkommens werden im Export erwirtschaftet und fast 80 Prozent unserer Exporte gehen in den europäischen Wirtschaftsraum. Seit dem Beitritt wurden 100.000 einzelne Förderprojekte in Österreich umgesetzt. Die hätte es ohne den Beitritt nicht gegeben. Leider hat Europa sozusagen ein „Verkaufsproblem“. Vieles, was schlecht läuft, wird gleich der EU angelastet, ohne zu hinterfragen, ob die EU überhaupt Einfluss nehmen kann, wie zum Beispiel beim Anstieg der Rohstoffpreise, insbesondere der Energiepreise. Und vielfach ist es uns auch nicht gelungen, den Menschen klar zu machen, dass Frieden, Demokratie, Wohlstand, soziale Sicherheit, Menschenrechte und das ökologische Gleichgewicht wie in Europa, das Europäische Lebens- und Gesellschaftsmodell in der Welt von heute alles andere als eine Selbstverständlichkeit sind. Es gibt keine seriöse Alternative zur europäischen Integration. Wir müssen in Zukunft die Zusammenhänge zwischen nationaler und internationaler Ebene besser erklären und darstellen. Hier müssen wir Politiker ansetzen, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Das österreichische Schulsystem bekommt immer wieder negative Schlagzeilen. Reihenweise werden Bücher darüber geschrieben. Wie muss die Schule verändert werden, damit jeder Einzelne optimal ausgebildet wird? Welche Maßnahmen in der Ausbildung sichern den Wirtschaftsstandort? Bildung, Wissen und Innovation sind Schlüsselfaktoren in der Welt von morgen. Es ist daher wichtig, den jungen Menschen die beste nur denkbare Ausbildung mit auf den Weg zu geben. Die Mitbestimmung der Betroffenen, die Wahlfreiheit der Eltern und die Differenzierung müssen dabei gesichert sein. Es wäre absurd, für alle Talente und Begabungen einen einzigen Schultyp zu kreieren. Wir haben derzeit geradezu einen Run auf Privatschulen und auf jene öffentlichen Schulen, die besondere Angebote haben, beispielsweise auf Hauptschulen und Volksschulen, die spezielle Angebote in den Bereichen Sport, Musik, Technik und Kaufmännisches anbieten. Das heißt, die Lösung liegt nicht so sehr in der Strukturfrage, sondern im Angebot von vielen Wahlmöglichkeiten, maßgeschneidert für die Begabungen und Talente unserer Kinder. Darauf müssen wir uns konzentrieren. Ich teile übrigens nicht Ihre Meinung, dass österreichische Bildungsinstitutionen schlecht sind. Österreichs Schulen sind international anerkannt; viele Weltkonzerne werden von österreichischen Managern geführt. Leider wird „Leider hat Europa sozusagen ein ‚Verkaufsproblem‘.“ DR. WOLFGANG SCHüSSEL dieses gute Bildungssystem oft krank geredet. Dabei verdienen unsere Schulen, die Lehrer und besonders unser duales System höchste Anerkennung. Es ist auch wichtig, der Beschäftigung junger Menschen in Lehrberufen künftig noch höhere Priorität einzuräumen – vor allem auch deshalb, weil die Lehrlinge von heute die Fachkräfte von morgen sind. Was würde Österreich ein Mehrheitswahlrecht nach dem Prinzip „the winner takes it all“ bringen? Befürworter sagen, damit sei es einfacher, politische Ziele umzusetzen. Zur Person Dr. Wolfgang Schüssel wurde am 7. Juni 1945 in Wien geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. In Wien besuchte er das Schottengymnasium und studierte nach der Matura Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1968 zum Doktor promovierte. Von da an machte er eine politische Karriere bei der Österreichischen Volkspartei: Er war Sekretär des Parlamentsklubs, Generalsekretär des Österreichischen Wirtschaftsbundes und von 1995 bis 2007 Bundesparteiobmann der ÖVP. Seit 1979 ist er mit Unterbrechungen Abgeordneter im Nationalrat. Er bekleidete eine Reihe wichtiger politischer Ämter: Wirtschaftsminister (1989-1995), Vizekanzler (1995-2000), Außenminister (1995-2000) und Bundeskanzler (2000-2007). Im ersten Halbjahr 2006 war er Vorsitzender des Europäischen Rates. Seit Oktober 2006 ist er Klubobmann im Parlamentsklub der ÖVP. Ich warne davor zu glauben, dass mit einem Mehrheitswahlrecht gleich jedes Problem ein für allemal gelöst wäre. Ich persönlich habe sicher nichts gegen eine Diskussion, erachte aber eine Systemänderung, wonach die stärkste Partei 50 Prozent plus einen Sitz im Nationalrat erhalten soll, für nicht sinnvoll. Dann muss man erst wieder Koalitionen bilden. Auch die Rolle des Bundespräsidenten müsste bei einer derartigen Systemänderung neu diskutiert werden. Zusätzlich wäre vermutlich auch eine Angleichung auf Länderebene durchzuführen. Und die viel gerühmte österreichische Sozialpartnerschaft wäre nicht mehr dieselbe! Eines Ihrer Mottos ist „Mehr privat – weniger Staat“. In der Wirtschaft ist dieses Modell wirkungsvoll, was viele ehemalige verstaatlichte Betriebe beweisen, die saftige Gewinne einfahren. Wie aber ist es zu verstehen, dass sich der Staat ganz im Gegenteil in immer mehr private Angelegenheiten der Bürger einmischt – Stichworte: Rauchverbot, Ausdehnung der Überwachungstechniken etc.? Privatisierungserfolge haben gezeigt, dass auch ehemalige verstaatliche Betriebe, die in den letzten Jahrzehnten massive Verluste eingefahren haben, sich in kurzer Zeit zu Weltmarktführern entwickeln konnten, die satte Gewinne schreiben. Interessant ist Ihre Frage nach immer mehr Regelungen im gesellschaftlichen Leben – Rauchverbote, Gurtenzwang, Helmpflicht, Tempolimits, Lärmschutz, Nachbarschaftsregeln, Zivilpakte, Nichtdiskriminierungsvorschriften, Meldepflichten, Überwachungsmöglichkeiten, Nominierungen usw. Vieles mag durchaus sinnvoll sein, alles zusammen führt jedoch zu einer neuen Form des Etatismus, der die bürgerlichen Freiheiten wesentlich einschränkt. Was ist Ihre Vision von Österreich in Europa, und von Europa in der Welt, in den nächsten 10 bis 20 Jahren? Ich sehe ein Europa, das klarer, schneller und schlanker ist – klar in der Sprache und Kommunikation nach innen, schnell im Erkennen der Probleme und in der Umsetzung von Lösungen und schlank in der Verwaltung. Eine EU, die auf gleicher Augenhöhe mit den USA, mit China, Russland, Indien verhandelt und globale Fragen und Probleme löst. Und ich sehe ein umfassendes Europa, inklusive Balkan, das Frieden und Stabilität sichert – damit die Bürger erkennen: Die Union schützt und nützt. Das Portal der Europäischen Union: www.europa.eu www.logistik-express.at LOGISTIK express 3|2008 9

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