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LE-3-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 6 AKTUELL Atomkraft ist keine Alternative! „Abgesehen davon, dass Atomkraft aufgrund der nicht gelösten Endlagerung absolut nicht nachhaltig ist, kommt sie auch nicht rechtzeitig. Wir müssen in spätestens zwei Jahren die Maßnahmen gegen den Klimawandel auf Schiene haben, um in zehn O. Univ. Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb Jahren die Trendwende zu schaffen – und in dieser Zeit können gar nicht genug Reaktoren gebaut werden, um den Bedarf zu decken“ steht O. Univ. Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Instituts für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur Wien, aktuellen Ausbauplänen kritisch gegenüber. Zudem sei Atomkraft weder für LKW noch für andere Verkehrsmittel geeignet. Sie sieht auch ein weiteres problematisches Detail: „Gibt es mehr Kraftwerke, geht uns binnen kürzester Zeit das Uran aus – de facto herrscht bereits jetzt ein Engpass.“ Auch die hohen Kosten für die Anlagen, die ohne massive staatliche Förderung und Ausnahme von der Haftpflicht nicht umsetzbar seien, sind Kromp-Kolb ein Dorn im Auge: „Da wäre es viel sinnvoller, diese Summen in die Entwicklung nachhaltiger Energieformen wie Solarzellen oder Windkraft zu investieren. Zudem gehen bei Kernkraftwerken zwei Drittel der Energie ungenutzt in die Umwelt. Hier muss unbedingt eine Kraft-Wärmekoppelung vorgenommen werden. Von negativen Auswirkungen auf Lebewesen schon bei Niedrigdosierung ganz zu schweigen.“ Ohnehin hoher Ölpreis wird noch stärker steigen Eine Steuersenkung könne die hohen Preise kurzfristig abfedern, auch eine vermehrte Ölförderung würde die Situation entspannen, allerdings seien beide Maßnahmen nicht nachhaltig und daher auch nicht zielführend. „Das aktuelle leichte Sinken der Treibstoffpreise bereitet mir große Sorgen, denn es ist die Folge der verringerten Nachfrage aufgrund beginnender Rezession. Dadurch denken sicher Viele, dass alle Prognosen falsch waren und die Situation gar nicht so schlimm ist und vernachlässigen die Suche nach Alternativen. Jedoch wird in Kürze der Preis unaufhaltsam und noch viel weiter steigen, und wir und somit die Umwelt verlieren kostbare Zeit“, zeigt sich Kromp-Kolb verärgert. Spekulanten würden kaum Schuld an den Preisen tragen: „Die haben nur dann eine Chance, wenn ein Gut knapp ist oder Knappheit künstlich erzeugt werden kann. Und Erdöl IST eine begrenzte Ressource.“ Handeln, bevor uns die Luft ausgeht Unser blauer Planet droht, bald grau zu sein – wenn nicht sofort weltweit ernsthafte Maßnahmen getroffen werden. Logistik Express hat sich mit drei Experten über die aktuellen Entwicklungen unterhalten. TEXT: ANGELIKA THALER Energieeffizienz und Kostenwahrheit „Durch Effizienzsteigerungen konnte in den letzten 30 Jahren mehr eingespart werden als durch alle anderen Maßnahmen zusammen, und das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft“, ist Kromp-Kolb überzeugt. Genau deshalb seien Einsparungen durch Verhaltensänderungen und Investitionen in Effizienz vorrangig. „Außerdem wirkt das unmittelbar – und das brauchen wir.“ Geht es nach Kromp-Kolb, sollte man an Flugzeuge keine Hoffnung knüpfen, da diese zu viel Energie verbrauchen würden. „Wir sollten beim Transport davon abkommen, möglichst viel möglichst weit zu transportieren. Je früher die Wirtschaft das versteht, desto besser! Wenn eine Internalisierung aller Kosten erfolgt und für kürzere Distanzen ein fairer Preis bezahlt wird, bleibt die Gewinnmarge gleich und die Umwelt gewinnt“, stellt Kromp-Kolb fest. Natürlich müsste man dann auf einige Produkte meist verzichten: „Kokosnüsse sind nicht notwendig für ein glückliches Leben. Und wenn ein Individualist unbedingt exotische Produkte braucht, soll er exorbitante Preise dafür zahlen, die dem Aufwand entsprechen“, meint Kromp-Kolb resolut. cargo-partner denkt voraus Die cargo-partner Gruppe hat sich – etwa mit der Plattform Environmental cargo-partners – bereits über Österreichs Grenzen hinaus einen Namen in Bezug auf ihren ambitionierten Zugang zum Thema Umwelt und Klimaveränderung gemacht. Ihre Aktivitätsfelder umfassen Energiereduktionen im eigenen Bereich, die Einflussnahme im Energieverbrauch des Gütertransportes auf Straße, Schiene, zu Wasser und in der Luft sowie die Einwirkung auf weltweit eingesetzte Luft- und Seefahrtssysteme. FOTOS: ISTOCKPHOTO.COM (1) 6 LOGISTIK express 3|2008 www.logistik-express.at

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 7 AKTUELL Immerhin beträgt laut IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) der Anteil des weltweiten Personen- und Gütertransports an der Klimaerwärmung zirka dreizehn Prozent. Innovative Antriebe entlasten die Umwelt Bei vielen herkömmlichen Antriebsformen gibt es kaum noch Einsparungspotenzial, weshalb sich Environmental cargo-partners besonders Neuentwicklungen widmet. „Ein durchaus interessantes Konzept für die Luftfahrt stellt etwa das BWB-Flugzeug (Blended- Wing-Body, Nurflügler) Dr. Ferdinand Koch dar, das neben weniger Treibstoffverbrauch auch Platz für Wasserstofftanks böte“, erklärt Dr. Ferdinand Koch, Geschäftsführer von Environmental cargo-partners, die Vorteile dieser Bauform. Eine weitere interessante Alternative könnten demnächst auch Flugzeuge mit Turboprop-Antrieben, vielleicht sogar in Pusher-Form, bieten. Diese 'advanced open-rotor' Triebwerke führen unmittelbar zu einer Treibstoff- und damit Emissionsreduktion von bis zu 30 Prozent. „Wir beobachten aufmerksam alle Maßnahmen, die zu sofortigen Einsparungen führen, wie etwa die sich langsam verbreitende Geschwindigkeitsreduktion in der Schifffahrt“, hebt Koch hervor. Die Forcierung von Biotreibstoffen für LKW mache jedoch nur im regionalen Kreislauf Sinn. Besonders global gesehen sei die Klimabilanz in vielen Bereichen negativ, die Nutzung von Agrarprodukten für Treibstoffe müsse daher lokal gut abgestimmt sein. „Die österreichische Produktion allein reicht für unseren Bedarf an Biodiesel nicht aus. Jedoch helfen schon kleine Schritte, und ohne Erfahrungen mit der ersten Generation wird es keine zweite Generation von Biotreibstoffen geben“, führt Mag. Stefan Krauter, Vorstandsvorsitzender der cargo-partner Gruppe, aus. Gelebte Nachhaltigkeit „cargo-partner ist wirtschaftlich erfolgreich, und wir wollen das auch in Zukunft bleiben. Nur dass wir im Gegensatz zu vielen Anderen den Erfolg mit Umweltthemen verknüpfen“, stellt Krauter fest. Dies sei in einigen Bereichen eine große Herausforderung, der man sich jedoch gerne stelle. Bei neuen Ge- Mag. Stefan Krauter bäuden, Lagern und Fahrzeugen würde die Energieeffizienz gleich berücksichtigt, bestehende Anlagen überprüft und abgeändert. „Natürlich müssen sich Investitionen rechnen, aber bei Umweltaspekten sind wir bezüglich der Amortisationsdauer nicht ganz so streng“, betont Krauter. „Die reale Integration des Umweltschutzes ins Unternehmen ist sehr wichtig; aufgesetzt oder halbherzig kann es nicht funktionieren“, ist er sich sicher. So werden etwa Spritsparschulungen auch für das Top-Management durchgeführt. „Wir müssen langfristig gesehen von fossilen Treibstoffen abkommen“, ist Krauter überzeugt. Kurz- und mittelfristig würden Alternativen wie synthetische Treibstoffe der zweiten und dritten Generation oder stromgeführte Systeme eine Lösung darstellen, solange noch eine hohe Energiedichte mobil zur Verfügung gestellt werden könne. Krauter: „Es gibt bereits technologische Konzepte, um den Verbrauch drastisch zu reduzieren, aber zur Umsetzung sind politische Maßnahmen gefordert.“ „Die reale Integration des Umweltschutzes ins Unternehmen ist notwendig; halbherzig kann es nicht funktionieren.“ MAG. STEFAN KRAUTER Es geht voran Dipl.-Ing. Robert Thaler, Leiter der Abteilung Verkehr, Mobilität, Siedlungswesen und Lärm im Lebensministerium, freut sich: „Dank strenger Umweltvorschriften für Kraftstoffe und Abgase der Fahrzeuge haben wir technische Verbesserungen angestoßen und einiges erreicht.“ Mit Oktober 2008 werden die Dipl.-Ing. Robert Thaler Abgasgrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge mit der Euro V Stufe bei Stickoxiden auf 2,0 g/kWh weiter abgesenkt. Euro VI werde bereits in der EU verhandelt. Leider gebe es auch Wermutstropfen: hohe Zuwachsraten im Verkehr würden zum Teil den technischen Fortschritt kompensieren. „Abgasnormen brauchen 10 bis 15 Jahre, um in der Flotte wirksam zu werden, Kraftstoffverbesserungen wirken sofort“, rechnet Thaler vor. „Daher sind erneuerbare Kraftstoffe neben alternativen Antrieben enorm wichtig.“ Aber - so Thaler - Technik sei nur die Hälfte des Erfolges. Auch die Verkehrsnachfrage müsse beeinflusst und die Effizienz gesteigert werden. Dafür forciere das Lebensministerium Mobilitätsmanagement auf betrieblicher wie auf kommunaler Ebene. Immerhin sei im Jahr 2006 erstmals die Wachstumskurve bei Treibhausgasemissionen im Verkehr gebrochen worden. Thaler: „Unsere Doppelstrategie auf ambitionierte Umweltstandards für Fahrzeuge und Kraftstoffe und gleichzeitig auf Mobilitätsmanagement zu setzen, trägt Früchte." Umweltfreundliche Alternativen „Spritfresser wie SUVs sind out. Mit der klima:aktiv mobil Förderung für Fuhrparkumstellungen und dem neuen NOVA Bonus von 500 Euro fördern wir sparsame und saubere Fahrzeuge - von Hybrid bis Elekto, von E85 bis Methangas und Wasserstoff", unterstreicht Thaler. „Wir müssen den Übergang von fossilen Kraftstoffen zu erneuerbaren Energien im Verkehr schaffen! Wir leben auf einem Raumschiff mit begrenzten Vorräten. Werden Güter knapp, steigt der Preis - wie im Moment beim Rohöl. Steigt die Nachfrage trotzdem weiterhin an, ergibt das ein globales Verteilungsproblem mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen", veranschaulicht Thaler die Problematik. „Aber", so ist Thaler überzeugt: „Jeder kann etwas für klimaschonende Mobilität und effizienteren Verkehr tun. Auch zu seinem eigenen Vorteil. Mit klima:aktiv mobil bietet das Lebensministerium dabei aktive Unterstützung." Beraten und Fördern bei klima:aktiv „Wir bieten Firmen und Gemeinden, die Mobilität und Verkehr effizienter und klimaschonender abwickeln wollen, mit klima:aktiv mobil kostenfreie Beratung für Projekte zur CO2 Reduktion. Zusätzlich haben wir attraktive Fördermöglichkeiten geschaffen: Betriebe können für Klimaschutzprojekte im Verkehr bis zu 30 Prozent der umweltrelevanten Investitionskosten - Gemeinden bis zu 50 Prozent - gefördert bekommen", erklärt Thaler. Wer diese Angebote nütze und CO2 reduzierende Verkehrsmaßnahmen umsetze, werde als klima:aktiv mobil Projektpartner vom Umweltminister ausgezeichnet. „Über 260 unterstützte Projekte unserer klima:aktiv mobil Partner sparen bereits über 160.000 Tonnen CO2 pro Jahr ein", so Thaler stolz. Zur Einreichung bei klima:aktiv mobil geeignet seien Projekte, die zu einer Reduktion klimarelevanter Gase bzw. Stickoxidund Feinstaubemissionen führen - das reiche von der Umstellung von Fuhrparks über effizientere Logistik und Tourenoptimierung bis hin zur Forcierung des öffentlichen Verkehrs. „Wir arbeiten hier sehr eng mit WKÖ und WI- FI zusammen. Unser Ziel heißt Win-Win für Betriebe und Umwelt! Jeder effizientere Verkehr und jeder eingesparte Liter Treibstoff verbessert die ökonomische und die ökologische Bilanz", betont Thaler. www.logistik-express.at LOGISTIK express 3|2008 7

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