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LOGISTIK express Fachzeitschrift

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:14 Uhr Seite 32 KARRIERE Die Logistikbranche wächst nachweislich und somit natürlich auch der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften – doch diese fallen leider nicht einfach vom Himmel. Langjährige, umfassende Ausbildung gepaart mit praktischer Erfahrung sind die Voraussetzungen für fähige Mitarbeiter, und selbst dann ist nicht jeder für jedes Unternehmen geeignet – zu speziell sind die Anforderungen einzelner Bereiche. Drei Vertreter österreichischer Hochschulen gewährten Logistik Express Einblicke in ihre Philosophie. Aktueller Stand in Österreich Interessanterweise stimmen alle drei Experten darin überein, dass die derzeitige Anzahl der Ausbildungseinrichtungen ausreicht, den wirtschaftlichen Anforderungen zu genügen. „Es gibt genügend Bildungseinheiten, jetzt ist es nötig, das jeweilige Profil zu schärfen und an inhaltlicher Tiefe zu arbeiten sowie eigene Forschung zu betreiben. Mittelfristig ist tiefgehende Ausbildung ohne Forschung nicht möglich und Pseudologistikausbildungen sind Interview mit PROF.(FH) DI FRANZ STABERHOFER FH Steyer und Obmann des VNL (Verein Netzwerk Logistik) nicht zielführend“, wird Prof. (FH) DI Franz Staberhofer, FH Steyr, konkreter. „In den letzten 10 Jahren wurde den Unternehmen die Bedeutung der Logistik für die Wettbewerbsfähigkeit sowohl international als auch am eigenen Standort immer bewusster und die Ausbildung hat sich des Trends angenommen. Nur die Beschaffung wurde bislang eher vernachlässigt, dabei sind bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten Zukaufskosten. Im Moment bieten wir mit „Supply Management“das einzige Studium dazu an“, führt FH-Prof. Mag. Dr. Martin Tschandl, FH JOANNEUM Kapfenberg, aus. Auch Dr. Helmut Zsifkovits, Lehrstuhl Industrielogistik an der Montanuniversität Leoben, sieht die Sachlage ähnlich: „Es hat sich viel getan, wir verfügen über gute, differenzierte Ausbildungsprodukte. Trotzdem gibt es noch Lücken, etwa bei der umfassenden Ausbildung oder bei Angeboten für die zweite Führungsebene. Hier ist die Entwicklung spezieller Programme nötig.“ Ausbildung mit Prädikat? Das zunehmende Angebot erschwert nicht nur den Lernwilligen die Auswahl, sondern Logistikausbildung – Top oder Flop? Die gesamte Branche stöhnt unter der belastenden Suche nach qualifizierten MitarbeiterInnen, gleichzeitig boomen Seminaranbieter und Weiterbildungseinrichtungen. Doch was kann man von der Ausbildung wirklich erwarten? TEXT: ANGELIKA THALER auch den Unternehmen - schließlich müssen diese teilweise anhand des Lebenslaufs und der darin angeführten Ausbildungsstätten oder Kurse beurteilen, welche Kenntnisse sie von einem Bewerber erwarten dürfen. „Das inzwischen oft unüberschaubare Angebot führt zu einer steigenden Bedeutung des Qualitätsthemas. Wir brauchen eine eindeutige Zertifizierung, eine Art „AMA-Gütesiegel“ der Logistik-Ausbildung“, bemerkt Tschandl und verweist dabei auf den Bildungskatalog des VNL als Orientierungshilfe. Ein bereits existierendes Zertifizierungssystem ist jenes der ELA (European Logistics Association), nach deren Standards bereits einige einzelne Lehrgänge oder Anstalten geprüft und zertifiziert wurden. Tschandl: „Man muss in der Lage sein, vor Dritten zu rechtfertigen, was man tut und was das Ausbildungsprogramm enthält. Internationale Zertifizierungen haben natürlich mehr Wert als rein österreichische." „Die ELA versucht, Standards zu setzen, leider ist die Umsetzung noch nicht ausreichend weit gediehen", bedauert Zsifkovits. 32 LOGISTIK express 3|2008 www.logistik-express.at

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:14 Uhr Seite 33 KARRIERE Interview mit FH-PROF. MAG DR. MARTIN TSCHANDL FH Joanneum Kapfenberg Vielseitigkeit und Praxis – die optimale Kombination Logistik ist ein weitreichendes und vielseitiges Gebiet, weshalb auch die Ausbildung entsprechend flexibel und umfassend sein sollte. Abgesehen von Spezialisierungen auf bestimmte Bereiche, sind auch unterschiedliche Ausbildungsformen möglich. Relativ neu in Österreich ist etwa die Unterteilung in Bachelor/Master-Studien. Der Unterschied ist für Staberhofer schnell erklärt: „Ein Bachelor kann umsetzen und optimieren, der Master hingegen kann auch neu gestalten. Ein Absolvent des Bacc. Internationales Logistikmanagement beispielsweise ist in der Lage, von Beschaffung über Distribution und Planung bis zur Dienstleistung alles zu managen.“ Für einen Master hingegen gelte „KEU“ - Kreativität - Entscheidung - Umsetzung, hohes Fachwissen und das Erkennen, wie man zur Gesamtoptimierung des Unternehmens beitragen könne, zudem sei ein Auslandsstudienaufenthalt verpflichtend. Ein Punkt, den auch Tschandl anspricht: „Die Internationalisierung wird zunehmen, auch bei der Ausbildung. Fremdsprachenkenntnisse sind notwendig, um länderübergreifende Netzwerke zu knüpfen.“ Seiner Meinung nach sei auch eine verpflichtende Managementausbildung nötig, um allen Absolventen die gleiche Basis zu geben, und anschließend eine Spezialthemenvertiefung aufzusetzen. Die FH JOAN- NEUM am Campus Kapfenberg ist als eine der wenigen Hochschulen an einem EU-Programm beteiligt, das die internationale Ausbildung dahingehend forciert, dass die Absolventen zwei Abschlüsse in verschiedenen Ländern parallel machen (Double Degree) - die optimale Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen und dadurch wertvolle Erfahrungen für das Arbeitsleben zu sammeln. Die Montanuniversität Leoben entwickelt in einem europäischen Partnernetzwerk, gemeinsam mit den Universitäten Barcelona, Genua, Linköping, Riga und Magdeburg einen „Logistics and Supply Chain Management Master“, der mit einem gemeinsamen Degree abschließt und Studenten vielfältigste Möglichkeiten der Mobilität bietet. „Für uns spielt die ganzheitliche Ausbildung der Studenten eine wesentliche Rolle“, stellt Staberhofer fest, „diese beinhaltet neben Fachkompetenz, Betriebswirtschaftskenntnissen und Transferkompetenz auch Sozialkompetenz und Leadershipqualitäten.“ In speziellen Seminaren, Outdoortrainings oder Konfliktmanagementkursen würde gelehrt, sich selbst, Fähigkeiten und Führungsstile kennenzulernen und zu trainieren sowie eigene Werte zu bilden. Mitarbeiter von morgen heute sichern „Die Industrie zeigt großes Interesse und auch gute Ansätze, in Form von gemeinsamen Projekten oder Schulungen durch Firmenexperten mit uns zusammenzuarbeiten“, bestätigt Zsifkovits den Trend zur Kooperation und fährt fort: „In diesem Jahr hatten wir die ersten fünf Absolventen unseres neuen Industrielogistik- Masterstudiums, die allesamt Diplomarbeiten bei Unternehmen geschrieben und dort auch eine Stelle bekommen haben. Auch ist der Drang, ins Ausland zu gehen, sehr groß.“ Der Studiengang Industrial Management/Industriewirtschaft in Kapfenberg kennt - neben F&E-Projekten - drei unterschiedlich intensive Formen der Zusammenarbeit mit der Industrie: „Der erste Schritt ist das Praxissemster, das 100 Prozent unserer Studenten in Anspruch nehmen. In einem zweiten Schritt werden Optimierungsprojekte mit Studentenbeteiligung in den Unternehmen durchgeführt - was ebenfalls alle begeistert annehmen. In den letzten sechs Jahren hat allein der Studiengang Industrial Management 250 solcher Projekte abgeschlossen - das ist für das jeweilige Unternehmen ein effektives Langzeit- Assessment für neue Mitarbeiter. Und der dritte und engste Schritt der Kooperation ist, wenn Unternehmen Diplomarbeitsthemen an Studenten vergeben - bei entsprechender Wertschätzung der Diplomanden entstehen daraus fas immer längerfristige Arbeitsverhältnisse.“ In allen Fällen sei es jedenfalls entscheidend, sich früh genug mit dem Studiengang in Verbindung zu setzen und sein Kooperationsinteresse zu bekunden. Auch Staberhofer hält die Zusammenarbeit bereits während des Studiums für den richtigen Weg: „Je nach Bedarf des Unternehmens gibt es Zusammenarbeitsvereinbarungen in unterschiedlichem Umfang, das können auch reine, längerfristig ausgelegte Forschungsprojekte sein.“ Er nennt auch die Erfolgskriterien für diese Partnerschaft: „Wichtig ist, sich persönlich Zeit zu nehmen, um einander zu verstehen und Ziele und Erwartungen abzuklären. Bei laufenden Projekten ist es für Unternehmer viel einfacher, zukünftige Absolventen anzusprechen.“ In den letzten sieben Jahren seien an der FH Steyr deshalb auch etwa 1.000 Projekte mit Unternehmen abgewickelt worden. Nicht alles ist Sonnenschein Auch wenn alle drei Interviewpartner durchwegs positiv klingen, gibt es natürlich auch gewisse Punkte, die nicht so optimal laufen wie sie könnten. Einer davon betrifft die staatliche Finanzierung. „Natürlich verspüren auch wir die generelle Tendenz zum Sparen, und mehr Geld kann man immer brauchen. Aber unser Gebiet wächst, und wenn nicht Initiative und Flexibilität durch bürokratische Hürden gebremst werden, haben wir auch mehr Spielraum für wirtschaftliche Partnerschaften“, merkt Zsifkovits an. In den Augen von Tschandl würden die FHs im Großen und Ganzen positiv dastehen, besonders in den letzten 10 Jahren hätte sich viel gebessert. Ab dem Studienjahr 2009/10 steigt auch die Bundesförderung - erstmals seit Beginn der Fachhochschulen 1994 - um durchschnittlich 13,7 Prozent an. „In den letzten 14 Jahren sind die Gehälter um etwa 35 Prozent gestiegen, die Anhebung ist für den Erhalt der Qualität absolut notwendig und ein Schritt in die richtige Richtung“, so Tschandl. Jedwede Erhöhung ist zu begrüßen, schließlich sind Ausbildung und Forschung die zwei Bereiche, die für die Zukunft der Interview mit DR. HELMUT ZSIFKOVITS Montanuniversität Leoben Gesellschaft und die Standortentwicklung von ausgesprochener Wichtigkeit sind und somit der optimalen Unterstützung bedürfen. „Leider ist auch der Frauenanteil in der Logistik noch viel zu gering“, nennt Zsifkovits ein weiteres Manko. „Wir versuchen, Frauen gezielt anzusprechen, aber noch fehlen das nötige Bewusstsein und gezielte Werbung - denn Logistik ist bei weitem nicht rein technisch.“ „Logistik schafft Begegnungen“, meint Staberhofer und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Kaum eine Branche bietet so viele unterschiedliche Bereiche in einem, so viel Abwechslung – bei so vielen Möglichkeiten. Denn obwohl schon viel automatisiert ist, hat doch der Mensch noch einen wesentlichen Anteil am Ganzen, kann als Einzelner noch etwas bewegen. Wichtig ist nur, bei der Auswahl gut abzuwägen und genau zu prüfen, ob ein Punkt im Lebenslauf auch hält, was er verspricht. Auch wenn es um die Fortbildung von Mitarbeitern geht, sollte man sorgsam auswählen, wo man das Geld investiert, denn nicht alle Seminare halten, was sie versprechen. Aber bei Österreichs Fachhochschulen sind diese Bedenken wohl unbegründet. www.logistik-express.at LOGISTIK express 3|2008 33

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