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LE-3-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 18 IM FOKUS Hotspot im Herzen Nottinghams Etwa zweieinhalb Flugstunden von Wien entfernt liegt England – ein Land, in dem die Logistik den fünftgrößten Industriezweig mit 1,75 Millionen Beschäftigten darstellt. Eine der Hauptregionen hierfür sind die East Midlands, und Logistik Express hat sich vor Ort ein Bild gemacht. TEXT: ANGELIKA THALER Bereits seit geraumer Zeit wählen immer mehr internationale Unternehmen die East Midlands als Standort und Umschlagplatz, allen voran Firmen aus den Branchen Automotive, Luftfahrt, Bahn, Pharma und Food&Drink. Daher ist es wohl auch naheliegend, dass sich hier der größte britische Frachtflughafen befindet. Insgesamt findet sich hier wohl der fortgeschrittenste Markt Europäischer Kontraktlogistik, jährlich gibt die Englische Industrie 72 Mrd. Pfund (ca. 88,56 Mrd. Euro) für Bahn- und Straßentransporte aus. Natürlich kommt auch die Forschung nicht zu kurz, und so ganz nebenbei ist im Herzen Nottinghams eines der modernsten Fahrtestcenter der Welt. Forschung mit langer Tradition In diesem Frühjahr trafen sich über 150 Wissenschaftler, Forscher und Unternehmer aus aller Welt an der bereits 1798 gegründeten Universität Nottingham zum ersten fakultätsübergreifenden Forschungssymposium für „Satellitennavigation ist die Grundlage für faires Roadpricing.“ MARK DUMVILLE, NSL Transporttechnologien – nur eine von vielen Initiativen, mit der die Universität die Entwicklungen vorantreiben will. Insgesamt investiert sie jährlich etwa 200 Millionen Euro für die Forschung und betreibt nebenbei noch jeweils einen Campus in China und Malaysien. Erst diesen September eröffnete der 29 Millionen Pfund (35,67 Millionen Euro) teure University of Nottingham Innovation Park (UNIP), um internationalen Unternehmen Platz zu bieten. Besonders engagiert ist auch das IESSG, das Institute of Engineering Surveying and Space Geodesy (Institut zur Entwicklung von Land- und Weltraumvermessung). Aktuelle Projekte sind beispielsweise Geoüberwachung, Untergrundkarten (etwa Rohrleitungen unter Straßen), unbemannte low-cost-Flugzeuge oder das 30 Millionen Euro teure GRACE – Galileo Research and Applications Centre of Excellence, das sich auf globale Satellitennavigation (GNSS) spezialisiert hat. Mark Dumville, General Manager der Nottingham Scientific Ltd. (NSL) dazu: „Satellitennavigation ist umweltfreundlich, integriert, und man hat die Möglichkeit, exakt zu FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 18 LOGISTIK express 3|2008 www.logistik-express.at

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 19 IM FOKUS eruieren, wer wie viele Kilometer gefahren ist – die Grundlage für faires Roadpricing.“ Zudem könne man maßgeschneiderte Lösungen wie etwa die Verknüpfung der Wetterdaten mit dem Navigationsgerät für optimale und sichere Routenplanung entwickeln. „Ein ungelöstes Problem bei GNSS ist jedoch der Widerspruch zwischen Privatheit und Sicherheit“, gibt Dumville zu. Dafür bestünden unendliche positive Möglichkeiten, etwa Alarmsysteme für Züge mit automatischer Routenberechnung für Hilfskräfte im Notfall oder ideale Steuerung von Rettungsfahrten. „Im Jahr 2012 soll Galileo das bestehende GPS ablösen. Allerdings sind derzeit erst zwei von den benötigten zwölf Satelliten im All“, bemerkt Dumville. Bleiben noch vier Jahre… East Midlands - der größte britische Frachtflughafen Hier bekommen Güter Flügel Der im Jahr 1965 erbaute East Midlands Airport bietet dank Unterstützung der Regierung an 365 Tagen im Jahr einen Rund-um-die-Uhr- Service für Cargoflüge, 7.200 Arbeiter sorgen für den reibungslosen Ablauf. Außerdem werden über den Flughafen noch etwa 5,5 Millionen Passagiere jährlich abgefertigt. Zu den Hauptkunden zählen DHL, UPS und Lufthansa Cargo, im Umfeld ansässige Unternehmen kommen in den Genuss eines besonderen Service: sie können nach vorheriger Vereinbarung die Waren erst kurz vor Abflug der Maschinen anliefern. Allein nach Deutschland wurden im Jahr 2007 20,9 Millionen Tonnen Waren exportiert. Für DHL ist der Standort ideal: „Von hier aus können wir 90 Prozent aller Kunden in Großbritannien binnen vier Stunden erreichen“, streicht Danny Pedri, Sprecher von DHL, hervor, „außerdem ist England unser größter Markt gleich nach den USA und Deutschland.“ Auch das Wohl der Anrainer liegt ihm am Herzen: „Das Gebiet ist zum Glück nur wenig besiedelt, die vielen Starts und Landungen sind somit weniger problematisch. Trotzdem unternehmen wir große Anstrengungen, unsere Flüge leiser zu machen, etwa durch Startvorgänge mit reduzierter Schubkraft.“ Der Flughafen in den East Midlands dient auch als Hub, Flüge aus den USA landen, fliegen dann nach ganz Europa weiter und umgekehrt. „Für uns ist dies der zweitgrößte Hub nach Leipzig, pro Nacht wickeln wir 23 Flugzeuge und rund 750.000 Kilo ab“, erwähnt Pedri. Aus diesem Grund habe DHL im Jahr 2000 ein 30.000 Quadratmeter großes mechanisches Lagerhaus errichtet. „Etwa 98 Prozent unserer Lieferungen sind B2B-Pakete, oftmals dringende Ersatzteile. So haben wir einen Spezialvertrag mit dem Flughafen Heathrow – wir dürfen jedes Flugzeug jeder Fluglinie selbst beund entladen“, so Danny Pedri stolz und fügt hinzu: „Wir transportieren die Teile, die die Gesellschaft am Laufen halten.“ Die Mobilität der Zukunft Mitten in den East Midlands befindet sich ein Areal, das wohl so gut gesichert ist wie Fort Knox – kein unautorisierter Blick darf auf die Strecken geworfen werden, auf denen die Prototypen nahezu aller namhaften Automobilhersteller der Welt ihre Dr. Anthony Baxendale, MBA, Direktor Innovation (MIRA) Runden drehen. Es handelt sich hierbei um das Gelände der 1946 gegründeten MIRA (Motor Industry Research Association), Europas führendes unabhängiges Zentrum für Automobilforschung, -design und -entwicklung inklusive 26 voll ausgestatteter Laboratorien und 80 Kilometern Teststrecke mit unterschiedlichster Bodenstruktur, Eissimulation, Windkanal, Korrosionstests und vielem mehr. Über 800 internationale Unternehmen nutzen die Einrichtungen für die Entwicklung von Telematik-Anwendungen. „Bei MIRA wird der Profit in die Forschung investiert“, erklärt Dr. Anthony Baxendale, MBA, Direktor des Bereichs Innovation. Jährlich fließen etwa siebzehn Millionen Euro in die Testservices, knapp fünfzehn Millionen Euro in die Produktentwicklung und immerhin fast fünf Millionen Euro in die Forschung. „Crash Tests sind nur ein Teil, es geht um eine Systemperspektive, integrierte Sicherheit, etwa wie man Unfälle vermeidet oder Leitschienen sicherer macht, auch Fußgängersicherheit ist ein großes Thema“, führt Baxendale aus. So würden auch spezielle Simulationen mit LKW durchgeführt, um das Unfallverhalten der Fahrzeuge zu analysieren. Baxendale: „Die MIRAs neuer Hybrid-Motor spart 61 % Benzinkosten und 39 % Abgase ein. Tests werden oft von Zulieferern bezahlt, die die Eignung ihrer Produkte überprüfen wollen.“ MIRA bietet den Kunden auch Komplettlösungen, etwa hinsichtlich der Sicherheits- oder Materialentwicklung. Besonders große Nachfrage herrsche auch nach Aero- und Thermodynamiktests, wofür ein Windtunnel auf minus 45 Grad Celsius abgekühlt werden kann. „Wir haben die gesamte Teststrecke digitalisiert, um eine Vorhersage über die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit von Fahrzeugen in simulierten Langzeittests abgeben zu können“, nennt Baxendale einen zusätzlichen Vorteil. Ein weiteres Forschungsgebiet stellt das UGV „MACE“ (unmanned ground vehicle, unbemanntes Fahrzeug) dar, das insbesondere für gefährliche Umgebungen wie Minenfelder konzipiert wurde und nicht ferngesteuert ist, sondern autonom agiert. Im April präsentierte MIRA einen neuen Hybrid-Motor, mit dem ein normaler PKW 61 Prozent Benzinkosten und 39 Prozent Abgase einsparen kann. Zwei 35 kW Innenelektromotoren für den Hinterradantrieb bieten eine Leistung von bis zu 27 Kilometern pro Liter, die drei 30 kW-Batterien sind kompakt und verhältnismäßig leicht, wodurch sie bequem zu Hause ausgebaut und binnen einer Stunde aufgeladen werden können. Mit einer Serienreife rechnet Baxendale allerdings erst in fünf bis zehn Jahren. Einfacher Start dank EMDA Als eine von neun von der britischen Regierung beauftragten Entwicklungsagenturen übernimmt die East Midlands Development Agency (EMDA) alle nötigen Schritte, um Unternehmen die Ansiedelung in den East Midlands so einfach wie möglich zu gestalten. „Neben vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten zwischen Industrie und Forschung bietet die Region eine optimale Infrastruktur sowie eine zentrale und verkehrsgünstige Lage. Von hier aus sind alle europäischen Märkte rasch erreichbar, die Forschung wird stark vorangetrieben und es gibt qualifizierte Arbeitskräfte“, streicht David Scrimgeour, Repräsentant der EMDA, hervor. Ein eigenes Programm unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum mittels umfangreicher und individueller Beratung sowie kostenlosen Sonderleistungen von der Partnervermittlung über Hilfe bei Steuer- und Finanzierungsfragen bis hin zur Suche nach dem optimalen Standort. Neu ist der von EMDA gegründete “EnterpriseLoans East Midlands”, der von der First Enterprise Business Agency (FEBA) verwaltet wird und Geschäftskredite in der Höhe zwischen 3.000 und 20.000 Englische Pfund vergibt, um den Einstieg in die Geschäftswelt zu ermöglichen. Der erste Kreditbetrag wurde am 16. September feierlich übergeben. www.logistik-express.at LOGISTIK express 3|2008 19

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