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LE-3-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 16 IM FOKUS Unsere Zulieferindustrie – erfolgreich durch Innovation Viele Produkte könnten ohne zugelieferte Teile nie oder nur schwer gefertigt werden, trotzdem finden Zulieferer oft nur wenig Beachtung – zu Unrecht, wie wir meinen. TEXT: ANGELIKA THALER Denken Sie bitte kurz an Ihr Auto – aus wie vielen oft klitzekleinen Einzelteilen es besteht, die alle perfekt zusammenspielen, um Ihnen neben Sicherheit auch den gewünschten Komfort zu bieten. Egal ob es sich um einen VW, Ford, BMW, Toyota oder Renault handelt, all die großen Namen stehen für Hersteller, die einen Großteil der verbauten Teile von einer Vielzahl unterschiedlichster Unternehmen zukaufen – von den Zulieferern, ohne die die Ware Auto heute nicht in diesen Stückzahlen und Varietäten verfügbar wäre. Aus diesem Grund hat sich Logistik Express mit drei unterschiedlichen Zulieferern der Automobilbranche unabhängig voneinander unterhalten und die prägnantesten Aussagen für Sie zusammengefasst. Österreich kämpft und hat gute Chancen Österreich ist ein kleines Land, das selbst über nur geringe Ressourcen verfügt und deshalb von der Rohstoffverknappung besonders stark betroffen ist. Trotzdem sehen unsere Gesprächspartner durchaus Möglichkeiten und Wege, weiterhin erfolgreich wirtschaften und den Standort absichern zu können. „Die Automobilzulieferindustrie ist in Österreich auf gutem Wege. Da die Branche technologiegetrieben ist, gibt es noch Wachstumspotenzial. Besonders unser Segment Magnesium Thixomolding hat zusätzliche Wachstumschancen, da die Gewichtsreduktion immer mehr als Thema in den Vordergrund tritt“, stellt Bernd Bültermann, General Manager der G-MAG Europe GmbH, fest. Wilhelm Niederreiter, Key Account Executive der 3M Österreich GmbH, sieht das ein wenig differenzierter: „Auch wenn die Branche im internationalen Vergleich ganz gut abschneidet, geht es der österreichischen Automobilzulieferindustrie rund um Graz nicht optimal. Besonders der Split von Daimler und Chrysler wirkt sich bei Magna und deren Zulieferern spürbar aus. Allerdings laufen bereits interessante neue Projekte an, und da wir eher Nischenmärkte abdecken und die Stückzahlen nicht so groß sind, blicken wir durchaus sehr positiv in die Zukunft.“ „Die steigenden Rohstoffpreise zwingen uns dazu, nur kurzfristig zu planen und die Beschaffung wesentlich internationaler abzudecken, beispielsweise in Indien oder Osteuropa. Unsere Ladungsträger bestehen zu 70 Prozent aus Rohstoffen, die seit Jahresbeginn um 40 G-MAG Europe GmbH DI Bernd Bültermann Das auf Magnesiumverarbeitung spezialisierte Unternehmen erwartet in den nächsten zwei Jahren mindestens zweistellige Wachstumszahlen und setzt auf Expansion. Bis 2020 prognostiziert Bültermann eine Verfünffachung des Magnesiummarktes in der Automobilindustrie: „Derzeit werden pro Auto etwa sechs Kilo Magnesium verbaut, bis 2020 rechne ich mit 30 Kilo pro Fahrzeug.“ Prozent teurer wurden“, nennt Ing. Michael Havlis, Leiter Marketing und Vertrieb der W. GOTTSCHLIGG GmbH, Fakten. Auch Bültermann hat Ähnliches zu berichten: „Vor eineinhalb Jahren haben wir noch mit Preisen gearbeitet, die bei 50 Prozent des heutigen Niveaus lagen.“ Schuld daran sei aber auch die Monopolstellung des Lieferanten, etwa 80 Prozent des Weltbedarfes an Magnesium werde von China gedeckt – eine diesbezügliche Trendwende sei aber bereits in Sicht. Für Niederreiter sind Einsparungen im Bereich von Prozessoptimierung eine gute Möglichkeit, Kosten zu senken: „Moderne Fügetechnologien, innovative Lichtlösungen sowie intelligente Schalldämmung bergen noch viel Potenzial für die Abfederung der steigenden Energiepreise“, ist er überzeugt. Innovation und Qualität – der Schlüssel zum Erfolg Wie in allen Branchen ist auch die Zulieferindustrie von ständigen Weiterentwicklungen FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 16 LOGISTIK express 3|2008 www.logistik-express.at

LOGEXP_3_2008_END.qxp 21.09.2008 14:13 Uhr Seite 17 IM FOKUS 3M Österreich GmbH Für die Automobilindustrie produziert 3M unter anderem hochqualitative Schleifmittel, Klebebänder, Klebstoffe, Folien, Lichtlösungen, Isolationslösungen sowie viele andere Produkte. Wilhelm „Wir haben zwar keine Niederreiter, Produktion in Österreich, Key Account sind jedoch gemäß den Executive Kundenanforderungen nach den Qualitätsstandards von ISO und VDA zertifiziert“. Alle Produkte sind weltweit erhältlich: „So möchte beispielsweise ein österreichischer Kunde in Österreich bestellen, nicht etwa in den USA.“ abhängig, um im internationalen Wettbewerb trotz höherer Produktionskosten in Österreich wettbewerbsfähig zu bleiben. Gewisse Qualitätsstandards, die in Westeuropa gang und gäbe sind, halten in vielen Low-Cost-Countries erst langsam Einzug. „Qualität ist die einzige Möglichkeit, das Produkt vom Preis abzukoppeln“, erklärt Havlis, warum bei Gottschligg jeder einzelne Ladungsträger zertifiziert und nach SGAS (Schweizerische Gesellschaft für Arbeitssicherheit) überprüft wird. Bei G-MAG Europe sind derzeit mehrere große Förderprojekte in Gang, um auch in Zukunft bestehen zu können. Besonders im Bereich des Leichtbaus sieht Bültermann Chancen: „Jedes Kilo, das man nicht beschleunigen oder bremsen muss, ist bares Geld wert und mindert gleichzeitig den CO2-Ausstoß! Oft ist dem Verbraucher gar nicht bewusst, worum es bei CO2-Einsparungen geht, aber bei einem CO2-Ausstoß von 200g/km schmeißt man theoretisch zwei kleine Tafeln Schokolade aus dem Auspuff.“ Weitere Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem auf Hotrunner-Systemen (Heißkanalsystem, Schmelze kommt heiß in die Form), Materialrecycling und der Automatisierung der Teile. Deren Notwendigkeit formuliert Bültermann drastisch: „Automatisieren oder Sterben – denn manuelles Bearbeiten ist in Europa zu teuer.“ Auch Niederreiter sieht das Potenzial in der Leichtbautechnik: „Gewichtsreduktion ist in aller Munde, und hier haben wir noch einen Vorsprung gegenüber dem asiatischen Raum. Zudem verfügen wir über ein gutes Qualitätsmanagement, die hohen Qualitätsstandards gepaart mit guten Forschungslabors treiben die Entwicklung dementsprechend weiter.“ Er sieht außerdem noch einen anderen Trend, der sich abzeichnet: „Wir bemerken, dass in Österreich neben den Produkten das Anbieten einer komplexen Dienstleistung immer wichtiger wird.“ Dazu zähle neben profunden Produktkenntnissen auch die Lieferung von Gesamtlösungen rund um das Produkt, beispielsweise indem man andere Lieferanten als Partner ins Boot hole, um Prozessketten für den Kunden zu vereinfachen. Dieser Mehrwert wäre auch für die Zukunft entscheidend: „Ein Produkt zu kopieren ist leicht – aber bei Know-how funktioniert das nicht“, meint Niederreiter verschmitzt. „Die Zulieferindustrie ist gefragter denn je. Gerade unsere Branche bietet einen abwechslungsreichen Job mit guten Perspektiven.“ DI BERND BÜLTERMANN, G-MAG GMBH Fachkräfte als Wachstumskriterium Bereits seit einigen Jahren zeichnet sich in Österreich eine große Schere zwischen dem Bedarf an hochqualifiziertem Personal und frei verfügbaren Mitarbeitern ab – die Zulieferindustrie bildet hier keine Ausnahme. Alle drei Interviewpartner orten unterschiedliche Ursachen für einen eventuellen Mangel im eigenen Unternehmen. „Das von uns angewandte Verfahren ist in Europa Neuland, wir können hier niemanden um Rat fragen, sondern müssen es selbst entwickeln“, erläutert Bültermann. Dafür seien natürlich Top-Leute notwendig, doch gute Ingenieure und erfahrene Projektleiter seien schwer zu finden. Seine Begründung: „Leider will heutzutage kaum jemand so viel lernen, geschweige denn sich schmutzig machen, dabei bietet gerade unsere Branche einen sehr abwechslungsreichen Job mit guten Perspektiven“, meint Bültermann bedauernd und fügt hinzu: „Langfristig kann man gute Leute oft nur durch hohe Löhne halten.“ Niederreiter würde an ganz anderer Stelle ansetzen: „Meiner Meinung nach besteht bei der Grundausbildung noch ein gewisses Manko, die Basis sollte im Schulsystem verankert werden, man könnte beispielsweise ab der Oberstufe auch in Gymnasien Fächer wie Mechanik/Mechatronik einführen, um das technische Basiswissen bereits in allgemein bildenden Schulen voranzutreiben.“ Er räumt allerdings ein, dass auf europäischer Ebene bereits Bemühungen hinsichtlich der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten laufen. „Wir versuchen, unseren Mitarbeitern eine möglichst effiziente Arbeitsplatzinfrastruktur zu schaffen. Zudem fördern wir breit gestreute interne und externe Weiterbildungsmaßnahmen und bieten tolle Sozialleistungen wie etwa eine Firmenpension“, verrät er das Rezept von 3M. Im Gegensatz zu den zwei anderen Interviewpartnern ist Havlis von der Thematik nicht so stark betroffen: „Gottschligg ist international tätig, natürlich besteht da immer Bedarf an Fachkräften mit Logistik- und Sprachkenntnissen. Aber wir sind nur ein kleiner Familienbetrieb mit geringer Fluktuation und einem sehr guten Betriebsklima.“ Dank der offenen Unternehmenskultur gebe es nur wenig Ansatzpunkte für Reibungen. Havlis sieht einen weiteren strukturellen Vorteil: „Als kleines Unternehmen sind wir natürlich sehr flexibel und können schnell auf Marktänderungen eingehen.“ Fazit Trotz der aktuell etwas schwierig einzuschätzenden wirtschaftlichen Lage sehen alle drei befragten Unternehmen der Zukunft positivoptimistisch entgegen. Trotz höherer Fertigungskosten in Österreich erlaubt das vorhandene Know-how in Verbindung mit Qualität auch weiterhin, hier zu produzieren und dadurch den Standort nachhaltig abzusichern. Steigende Rohstoffpreise und sinkende Absatzzahlen machen fast allen zu schaffen, doch durch globale Beschaffung, Partnerschaften und innovative Ideen sind Österreichs Automobilzulieferer durchaus in der Lage, wettbewerbsfähig zu bleiben. Bei der Bewältigung dieser Herausforderung und dem brancheninternen Networking stehen auch die beiden sehr engagierten Vereine ACstyria (www.acsytria.at) und ACvienna region ( www.acvr.at) unterstützend zur Seite. W. GOTTSCHLIGG GmbH Ing. Michael Havlis, Leiter Marketing und Vertrieb Das Unternehmen ist seit 30 Jahren Breitbandhersteller für Ladungsträger, insbesondere im Automotiv- und Lebensmittelbereich, und ist für die präzise Ausführung selbst schwieriger Konzepte für große als auch empfindliche Waren bekannt. Im Herbst eröffnet das neue Branch- Office in Indien. „In Europa geht der Trend in Richtung „small ist beautiful“, darauf müssen sich alle einstellen.“ www.logistik-express.at LOGISTIK express 3|2008 17

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