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LOGISTIK express Fachzeitschrift

TRANSPORT & LOGISTIK

TRANSPORT & LOGISTIK Transport und Logistik Russland: Handel kämpft mit Sanktionen Der niedrige Ölpreis und die verhängten Sanktionen machen dem Land zu schaffen. Der Staatshaushalt ist hoch verschuldet, und es kann kaum Geld zum Neubau von Straßen und anderen Infrastruktureinrichtungen aufgebracht werden. Um sich beim Handel aus der Abhängigkeit vom Transshipment zu lösen, wird der Hafen Ust-Luga in der baltischen See massiv ausgebaut. AUTOR: DIRK RUPPIK DIRK RUPPIK Laut der jährlichen Geschäftsklima- Umfrage des Ost-Ausschusses (OA) der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch- Russischen Auslandshandelskammer (AHK) ist der bilaterale Handel zwischen Russland und Deutschland im Gesamtjahr 2015 um ein Viertel gesunken. Die deutschen Exporte nach Russland brachen um 7,5 Milliarden Euro (-25,5 Prozent) ein. „Gemessen am bisherigen Rekordjahr 2012 hat sich der deutsche Export in den vergangenen drei Jahren von 38 Milliarden auf 21 Milliarden Euro fast halbiert“, erklärte der neue OA-Vorsitzende Wolfgang Büchele. Allerdings glauben immer weniger deutsche Unternehmen (15 Prozent von 152 befragten), dass sich Russland von der EU ab- und China zuwendet. Im Vorjahr waren gemäß OA noch fast 50 Prozent dieser Ansicht. Gemäß der Umfrage wächst unter den befragten Unternehmen bezüglich der seit Sommer 2014 zwischen der EU und Russland bestehenden Wirtschaftssanktionen die Ungeduld: 60 Prozent plädieren für die sofortige Aufhebung der Sanktionen, weitere 28 Prozent fordern deren schrittweisen Abbau. Nur zwölf Prozent sehen einen Anlass zur Beibehaltung der Sanktionen. Vor einem Jahr hatte dieser Wert noch bei 24 Prozent gelegen. „Die Aufhebung der gegenseitigen Sanktionen würde die russische und die ukrainische Wirtschaft natürlich nicht über Nacht beleben können. Aber dieses Signal könnte zu einem erheblichen Investitionsschub in ganz Osteuropa führen“, sagte Büchele. Die Zahl der in Russland vertretenen Unternehmen mit deutschem Kapitalanteil hat sich gemäß OA 2015 unter dem Eindruck der Krise von 6.000 auf 5.600 reduziert. Die Mehrzahl der auf dem russischen Markt aktiven deutschen Unternehmen plant allerdings keine Reduzierung ihres Engagements. Germany Trade & Invest (Gtai) sieht den Ausblick für Russland nicht so rosig: „Russlands Wirtschaft ist auf Talfahrt. Besserung ist nicht in Sicht, solange der Ölpreis so niedrig bleibt und die Finanzsanktionen in Kraft sind. Die Lage in der Industrie ist katastrophal. Entlassungswellen lassen die Kaufkraft und somit den Konsum weiter sinken. Mit dem Ölpreis stürzt der Außenwert des Rubels ab. Ein Euro kostete im März 2016 rund 80 Rubel (vor fünf Jahren rund 40 Rubel). Das torpediert sämtliche Investitionspläne in der russischen Industrie. Neue Anlagen gibt es nur gegen harte Devisen. Ob Bauwirtschaft, Automobilindustrie, Elektronik oder Maschinenbau - in vielen Branchen brechen die Investitionen massiv ein. Zudem will Russland seine Abhängigkeit von Industriegütereinfuhren bis 2020 senken.“ Deutschland ist nach China das zweitwichtigste Lieferland für die Russische Föderation. Zu den bedeutendsten Importgütern zählten Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge. Russland greift in diesem Bereich besonders gerne auf Waren aus Deutschland zurück. Weiterhin liefert die BRD chemische Erzeugnisse, Elektronik und Elektrotechnik, Arznei- und Nahrungsmittel, Textilien, Kunststoffe und Metallwaren. Importiert werden Erdöl, Erdgas, NE-Metalle, chemische Erzeugnisse, Eisen und Stahl, Chemikalien, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Papier und Maschinen. Bei den Abnehmerländern liegt Deutschland nach den Niederlanden und China auf Platz 3. Verlängerte Sanktionen Die Sanktionen der Europäischen Union gegenüber der Russischen Föderation wurden nach und nach seit März 2014 eingeführt. Am 42 LOGISTIK EXPRESS 2/2016

19.6.2015 wurden sie durch den Europäischen Rat bis 23.6.2016 verlängert. Die Restriktionen beinhalten ein Importverbot für Waren mit Ursprung auf der Krim oder in Sewastopol und weitere Einschränkungen. Im Gegenzug hat Russland ein Importverbot für Agrarprodukte und Lebensmittel aus der EU erlassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2015 laut dem Statistikamt Rosstat um etwa 3,7 Prozent gefallen. Die Weltbank korrigiert ihre Prognose für das Land nach unten und verzeichnet nun eine Schrumpfung des BIP für 2015 von -3,8 Prozent, 2016 von -0,7 Prozent sowie ein Wachstum für 2017 von +1,3 Prozent, 2018 von +1,5 Prozent. Laut Weltbank hat Russland seit Ende 2014 eine verstärkte Rezession erlebt. Kein Geld für den Straßenbau In der russischen Föderation wird nun zunehmend an der Infrastruktur gespart. Der durch den niedrigen Ölpreis geschwächte Staatshaushalt und die durch die Sanktionen gebeutelte Wirtschaft erlauben keine großen Sprünge. Für die Erweiterung des Straßennetzes existiert kein Geld. Laut Gtai wird eine Brücke vom russischen Festland auf die Halbinsel Krim (Straße von Kertsch) gebaut, die alleine über drei Milliarden Euro verschlingt. Dadurch werden im laufenden und den zwei künftigen Haushalten alleine zehn Prozent der Straßenbauausgaben auf föderaler Ebene benötigt. Die Brücke ist als Eisenbahn- und Straßenverbindung geplant. Das verbleibende Geld reicht nur für die Wartung des Straßennetzes. Beim Logistics Performance Index 2014 der Weltbank erreicht die Russische Föderation nur Platz 90 weltweit und liegt damit hinter anderen Entwicklungsländern wie Ruanda (80) und Kambodscha (83). Subventionen für Eisenbahnnetzwerk werden gesenkt In der Russischen Föderation sind sehr viele Menschen auf die Eisenbahn angewiesen, da das Straßennetzwerk limitiert ist. Aufgrund des riesigen Territoriums und der gewaltigen natürlichen Ressourcen ist ein gut entwickeltes Eisenbahnnetzwerk überlebenswichtig. Die Eisenbahn ist mit 86 Prozent des gesamten Transportvolumens der Haupttransportmodus im Land. Im Eisenbahnbereich wird an einer anderen Finanzierungsstruktur für Strecken gearbeitet. Der Ausbau der Linien soll weiterhin durch den Staat erfolgen, die Modernisierung aber durch die staatliche russische Eisenbahngesellschaft (RZD). Daher arbeitet die RZD 43

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