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LE-2-2015

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

MANAGEMENT Der Mensch

MANAGEMENT Der Mensch steht im Mittelpunkt der Produktion von morgen Startschuss für das größte Forschungsprojekt in Österreich zum Thema Industrie 4.0. Das VIRTUAL VEHICLE Research Center in Graz koordiniert das 7,9 Millionen Euro Projekt „FACTS4WORKERS“ mit 15 europäischen Forschungspartnern und vier Jahren Dauer, um Arbeitsplätze in der Fabrik der Zukunft attraktiv und intelligent zu gestalten und Europa als Produktionsstandort zu stärken. Europas als Produktionsstandort wiederherstellen", so der damals zuständige Kommissar Antonio Tajani. Mit mehr Investitionen in Fabriken und Forschung und Entwicklung sollte der Anteil der Industrie an der europäischen Wirtschaftsleistung bis 2020 auf 20 Prozent angehoben werden. Derzeit liegt dieser Wert bei rund 15 Prozent. Ein großes europäisches Forschungsprojekt stellt nun den Menschen ins Zentrum zukunftsweisender Produktionskonzepte, um Fertigungsberufe deutlich attraktiver zu gestalten und Europa wettbewerbsfähiger zu machen. Seit 1. Dezember 2014 koordiniert das VIRTUAL VEHICLE Research Center in Graz das Projekt Worker Centric Workplaces in Smart Factories (kurz FACTS4WORKERS genannt). 15 europäische Forschungspartner aus acht Ländern sind an einem eigens dafür gebildeten Konsortium beteiligt. Die vierjährige Forschungsinitiative wird im Rahmen von Horizon 2020 gefördert. Dabei handelt es sich um ein EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission, das für den Zeitraum 2014 bis 2020 angelegt ist. ^ Anwendungsfall Hidria Rotomatika Photocredit: VIRTUAL VEHICLE Produktionen wandern zunehmend aus europäischen Hochlohnländern in sogenannte Best-Cost-Länder ab oder an Standorte mit niedrigeren Energiekosten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist die europäische Industrie gefordert, intelligente Wertschöpfungskonzepte im Produktionsbereich zu entwickeln. Die EU-Kommission will "die schrumpfende Rolle der Industrie umkehren" und die "Attraktivität Ambitionierte Forschungsziele Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen ein neues industrielles Zeitalter einläuten, das durch die sogenannte „Smart Factory“ gekennzeichnet ist. Die Arbeiterinnen und Arbeiter werden als so genannte „Smart Worker“ bestmöglich durch Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützt, um flexibel, effizient und zuverlässig produzieren zu können. Dadurch werden lokale Wettbewerbsvorteile genutzt und (mittel)europäische Produktionsstandorte langfristig gesichert. 48 LOGISTIK express 2|2015

Smart Factory In der Smart Factory, der Produktionsstätte der Zukunft, steht der Mensch als flexibelstes Element der Produktionsabläufe im Zentrum der Aufmerksamkeit. Er wird hier als Produktions- Wissensarbeiter gedacht, d. h. beim Bedienen von Maschinen wird er durch optimierte Informations- und Kommunikationstechnologie, durch eine selbstlernende Arbeitsumgebung und durch in-situ-Lernen unterstützt. Die angestrebte Digitalisierung wird nicht nur einzelne Fabriken, sondern die gesamten Wertschöpfungsnetzwerke betreffen. Dies kann durch sogenannte „cyber-physische Systeme“ erreicht werden. Darunter versteht man Netzwerke aus informations- und softwaretechnischen Komponenten sowie mechanischen und elektronischen Teilen, die über das Internet oder andere Kommunikationsnetzwerke miteinander in Verbindung stehen. Schlüsselfaktor Mensch Neben dem technischen Zugang führt diese Änderung der Arbeitsplatzsituation auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Rolle des Menschen als Schlüsselfaktor im Produktionsprozess. In diesem Zusammenhang spricht man von Wissensarbeit. Wissensarbeit hat nichts mehr mit den herkömmlichen automatisierten Routinetätigkeiten der Fabrikarbeit zu tun. Sie ist durch eine völlig neuartige, komplexe und autonome Arbeitsumgebung gekennzeichnet. Smart Worker entwickeln zudem selbst neue Möglichkeiten zur kontinuierlichen Verbesserung von Wissensaustausch an ihrem Arbeitsplatz. Die Antworten auf diese Fragen sind der Schlüssel zu erfolgreichen und mensch-zentrierten Lösungen von Informations- und Kommunikationsstrategien in Produktionsprozessen. Durch das Eingehen auf die Situation des Menschen im Produktionsablauf kann eine Erhöhung der Zufriedenheit und Motivation von Produktionsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern erreicht werden, die insgesamt eine Steigerung der Produktivität um bis zu 10 Prozent bewirken kann. Der Haupt-Fokus des Forschungsvorhabens liegt jedoch vorwiegend darauf, „den Arbeitsplatz in der Produktion in Europa deutlich attraktiver zu gestalten, damit mehr Menschen sich gezielt für dieses fordernde und sich verändernde Berufsfeld entscheiden“, so Wifling. Auf folgenden Anwendungsfällen liegt das Hauptaugenmerk von FACTS4WORKERS: Assistierter Maschinenbediener (innovative Interaktionsmechanismen, z. B. Datenbrillen, siehe Bild) Menschzentriertes Wissensmanagement (Hilfsmittel am Arbeitsplatz weisen intuitive Interaktionsmechanismen auf -> sprach-, touchoder gestengesteuert) Selbstlernende Arbeitsplätze (erweiterte intelligente Datenvernetzung am Arbeitsplatz) In-situ-Lernen in der Produktion (Mobile, personalisierte und situationsadaptive Lernsysteme unterstützen lebenslanges Lernen und die generationsübergreifende Weitergabe von Know-how) Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen ein neues industrielles Zeitalter einläuten, das durch die sogenannte „Smart Factory“ gekennzeichnet ist. „Es gilt zu hinterfragen, wie Menschen arbeiten und lernen, wie sie mit neuen Technologien interagieren und wie sie an einem attraktiven und fordernden Produktionsarbeitsplatz einen Mehrwert für die Industrie erzeugen können", verdeutlicht Martin Wifling, der Projektleiter von FACTS4WORKERS am VIRTU- AL VEHICLE Research Center in Graz. Mit der schrittweisen Realisierung von Smart Factories werden Produktionsstätten neu gedacht und Produktionsarbeit erfährt einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wertewandel. Produktionsstandorte können somit nicht nur technologisch und wirtschaftlich, sondern auch auf der sozialen Ebene stabilisiert werden. (LE) Index VIRTUAL VEHICLE Forschungszentrum www.v2c2.at LOGISTIK express 2|2015 49

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