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LOGISTIK express Fachzeitschrift

BLICKPUNKT Logistische

BLICKPUNKT Logistische Herausforderungen Industrie 4.0 und City Logistik sind die großen Herausforderungen der Logistik auf nationaler und internationaler Ebene. REDAKTION: PETER BAUMGARTNER Die Bundesvereinigung Logistik Österreich (BVL) ist nach Eigendefinition das „Flaggschiff“ der Branche. Nun kennt man den Begriff Flaggschiff als marinetypische Bezeichnung für ein Schiff, das in der Regel ein Flottenkommando inne hat und die Kriegsstrategie bestimmt. Zwar kann man in der Logistik noch nicht von Krieg sprechen, womit ein Flaggschiff demnach auch nicht unbedingt nötig wäre, jedoch könnte man die aktuelle Verkehrs- und Infrastrukturpolitik in Europa vor dem Hintergrund der zunehmenden Güterströme durchaus plakativ als Kriegserklärung an die Umwelt verstehen. Insofern ist es vielleicht doch gut, ein Logistik-Flaggschiff im Hafen stehen zu haben - für den Fall der Fälle. Die BVL, international gut vernetzt, greift immer wieder Themen auf, die nicht nur Logistiker beschäftigen, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft direkt Einfluss nehmen. So auch beim diesjährigen Logistiktag, der als Jubiläumsveranstaltung (30. Logistik Dialog) besonders viele Teilnehmer anlockte. Unter dem Generalmotto „Logistik total digital - Erfolg durch Vernetzung“ beherrschten vor allem zwei hochaktuelle Themen die Vorträge und Diskussionen: Industrie 4.0 und nachhaltige Logistik in urbanen Räumen. BVL-Präsident DI Roman Stiftner wünschte sich in seiner Festansprache von der neuen EU-Kommission eine Stärkung der Re- Industrialisierung Europas, um gegen künftige Krisen besser gewappnet zu sein. Peter Baumgartner Mit diesem Wunsch steht Stiftner nicht allein da. Allerdings ist das ein Wunsch, dessen Erfüllung beim nächsten Logistik Dialog wohl noch nicht zu verkünden sein wird, denn der Trend in der Industrieansiedlungspolitik geht eher in die gegenteilige Richtung. Die Industrie sucht sich die billigsten Produktionsstandorte, ohne ihre Merkmale zu verändern. Das hat nichts mit dem Begriff der „Factories of the Future“ (FoF) zu tun. FoF ist aber letztlich die Zielsetzung von Industrie 4.0. in Europa. Darauf will sich die europäische Gesellschaft ausrichten und einstellen. Die Zielsetzung der Industrie, billig zu produzieren, ist das Bewahren alter Zöpfe und bedarf keiner besonderen Managementfähigkeiten - und schon gar nicht die Aufmerksamkeit einer Förderpolitik. Die Re-Industrialisierung in Europa wird daher schwierig. Die Industrie in Europa ist zwar wichtig, aber wir sollten auch nicht vergessen, dass sie mit rund 16 Prozent Anteil am europäischen BIP nur ein Teil unseres Wohlstandes ist. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erinnerte die Industrie jüngst daran, dass bereits 90 Prozent des Wachstums außerhalb von Europa stattfindet und die industrielle Revolution nicht verschlafen werden darf. Das, was Europa in die Re-Industrialisierung katapultieren kann und soll, umschreibt der Begriff „Advanced manufacturing“ vielleicht besser als „Industrie 4.0“. Denn es geht nicht nur um die Frage, wie durch billige und optimierte Produktionsformen die Gewinne der Aktionäre maximiert werden. Was die deutsche Kanzlerin mit ihrem Weckruf sagen wollte, ist, dass eine neue industrielle Revolution Arbeitslosigkeit nicht verstärken darf. Und letztlich werden wir – zumindest langfristig – weder eine Industrie 4.0 oder 5.0 brauchen, wenn nicht gleichzeitig die weltweiten Klima- und Verkehrsprobleme gelöst werden. Am Beispiel der Wasserstraßeninfrastruktur fordern Industrievertreter die Auflösung des Sanierungsstaus. Gleichzeitig trifft die Industrie aber Entscheidungen, die öffentliche Investitionen in die nasse Infrastruktur zumindest teilweise ad absurdum führen. Die Binnenschifffahrt und die Seeschifffahrt waren jedoch schon bisher bei jeder industriellen Revolution einer der Entwicklungsträger. Wenn die Industrie es will, wird das Schiff auch auf dem Weg zur Smart Factory jene Rolle spielen, die notwendig ist und von ihm erwartet wird. Die Schnittstelle Schiff mit allen dafür erforderlichen technischen Voraussetzungen, 8 LOGISTIK express Ausgabe 2/2014 www.logistik-express.com

BLICKPUNKT wie zum Beispiel Electronic Chart Display and Information System (ECDIS), Automatisches Identifizierungssystem (AIS), ERI (Electronic Reporting International) oder Electronic Data Interchange (EDI) sind bereits flächendeckend vorhanden. Was fehlt, ist die Verknüpfung, und das ist die Aufgabe von „Advanced manufacturing“ oder „Industrie 4.0“. Security – insbesondere die Versorgungssicherheit ist dabei ein wesentlicher Faktor, ohne den es eine Industrie 4.0 nicht geben wird, und die sichersten Transportmittel sind noch immer das Binnen- und das Seeschiff. Es ist uns nur ein Blödsinn eingefallen Auch im zweiten Themenblock des BVL- Logistik Dialoges, zur Frage der nachhaltigen Logistik im urbanen Raum, hat die Binnenschifffahrt längst den Anker gelichtet. Obwohl im BVL-Grünbuch „Nachhaltige Logistik in urbanen Räumen“ nicht direkt angesprochen, die Binnenschifffahrt demonstriert Smart Logistik nicht nur am Paradebeispiel Venedig sehr erfolgreich. In Wien wartet der Rudergänger auf der Brücke jedoch noch auf das Kommando „volle Kraft voraus“. Wie ernst in Wien das Thema urbane Logistik genommen wird, wo immerhin bereits fast ein Viertel der österreichischen Bevölkerung auf engstem Raum lebt, wurde mit der Anwesenheit des Stadtrates für Sport beim Logistik Dialog unmissverständlich demonstriert. Wenn man wissen will, wie urbane Logistik funktioniert, darf man also nicht nach Wien schauen. Berlin wurde und wird hingegen aus dem Kahn gebaut. Auch andere Städte weltweit haben bereits die nachhaltigen Vorteile der Binnenschifffahrt in der urbanen Logistik erkannt und erfolgreich umgesetzt. Wien, obwohl an zwei leistungsfähigen Wasserstraßen liegend, beschränkt sich auf das bloße Vorhandensein einer Hafenanlage, die man bei Bedarf auch gerne zuschütten darf, und darauf, Behinderungen für den Lieferverkehr generell so gut als möglich zu verringern. Aber wie die Industrie 4.0, wird auch die City Logistik nicht ohne Binnenschifffahrt gelingen, sollte die Nachhaltigkeit nicht bloß ein Lippenbekenntnis für den Zugriff auf die Fördertöpfe sein. Wien wird, wenn die Stadt www.logistik-express.com neben den Spitzenplätzen im öffentlichen Verkehr und im Bereich der Lebensqualität auch Themenführer in der urbanen Logistik sein will, nicht ohne die Binnenschifffahrt auskommen. Die Chance, das europäische Megaprojekt Seestadt Aspern über den Donau-Oder-Kanal aus dem Kahn heraus zu erbauen, wurde zwar vertan, aber Wien wächst weiter stark. Smarte Logistiklösungen werden also weiterhin gefragt sein - und spätestens dann, wenn die städtische Entsorgungslogistik die Versorgungslogistik völlig ausbremst, kommt das Binnenschiff ins Spiel. Dazu bedarf es aber einer vorausschauenden Raumplanung, die eine adäquate Verkehrsinfrastruktur auch für das Binnenschiff inkludiert, damit beispielsweise effizient vom LKW auf das Binnenschiff umgeladen werden kann. Stadtplanerisch ist dies derzeit in der Metropol Region Wien maximal auf den Hafen Freudenau beschränkt, der seinerseits allerdings an der Auslastungsgrenze kratzt und überdies nur durch das Wohngebiet erreichbar ist. Ende Juni wird nach einer dreijährigen Vorbereitungsphase in Wien die „Smart City Wien Rahmenstrategie“ beschlossen. Schon die Zielsetzung 2050 für die Umsetzung der Strategie ist jedoch wenig ambitioniert, denn bis dahin werden in Wien weit mehr als zwei Millionen Menschen leben. Man kann also jetzt schon mit den Worten von Bürgermeister Häupl sprechen: „Es ist uns nicht nichts eingefallen. Sie können höchstens sagen, es ist uns ein Blödsinn eingefallen.“ (PB) Wir ver Logistik im FLuss 21. Österreichischer Logistik-Tag 25.–26. Juni 2014 Design Center Linz www.hafenwien.com Besuchen Sie uns! Stand 19 Güterumschlag • Lager-Logistik • Auto-Logistik • Immobilien • Zoll/Transport WienCont/Containerterminal • Marina Wien/Personenschifffahrt Utrecht City Logistics Foto: Elektrischvaren London – Themse Mülltransport Foto: CORY Städtische Baustellenlogistik Amsterdam Foto: Martijn Roos binden sie mit der Welt LogistikExpress_125x60__Welt_RZ.indd 1 11.06.14 12:50 LOGISTIK express Ausgabe 2/2014 9

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