Aufrufe
vor 6 Monaten

LE-2-2014

  • Text
  • Handel
  • Jaklitsch
  • Express
  • Logistik
  • Unternehmen
  • Industrie
  • Wien
  • Europa
  • Zukunft
LOGISTIK express Fachzeitschrift

TRANSPORT Die

TRANSPORT Die Speditionsbranche ist optimistisch In der österreichischen Speditionsbranche geht es nach dem Krisengewitter wieder bergauf. ZV-Präsident Wolfram Senger-Weiss will die Spediteure stärker in der Öffentlichkeit präsentieren. DIE REDAKTION Wie aus dem Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich hervorgeht, reicht beispielsweise in den Berufssparten Gastronomie, Einzelhandel, Kinderbetreuung, Friseur- und Kosmetikgewerbe für 11 Prozent der Beschäftigten das Einkommen nicht aus: „working poor“ ist in Österreich Realität, besonders Frauen sind davon betroffen. Das bedeutet, das Haushaltseinkommen liegt unter der Armutsgefährdungsschwelle – aktuell 12.792 Euro pro Jahr für einen Ein-Personen-Haushalt. Zum Vergleich: der Österreichische Bundespräsident verdient knapp das Doppelte davon. Allerdings 14 Mal pro Jahr. Oder, weil ich Vergleiche mag: Gerhard Roiss, CEO der OMV, muss für diesen Betrag rund 31 Stunden arbeiten (der verdiente 2012 nämlich 3.588.000 Euro). Wo liegt hier die Verhältnismäßigkeit? Wie kann es sein, dass börsenotierte Unternehmen auf der einen Seite Sparkurse fahren und teilweise Arbeitsplätze abbauen oder auslagern, auf der anderen Seite aber dank hoher Bonuszahlungen Traumgagen kassieren? Österreichs Spediteure haben es nicht leicht. Der globale Wettbewerbsdruck und die geringen Margen machen der Branche in der Alpenrepublik ordentlich zu schaffen. Trotzdem: „Die österreichischen Speditionsunternehmen sind gut aufgestellt“, weiß Wolfram Senger-Weiss aus Erfahrung. Er ist Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik Österreich und damit einer, der einen Überblick über die Branche hat, die ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Land ist, dessen Bedeutung aber in der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig wahrgenommen wird. Der 43jährige Manager hat 2012 die Präsidentschaft des Zentralverbandes übernommen, der als unabhängige Interessensvertretung nach außen fungiert. Im „Brotberuf“ ist Senger-Weiss Vorstandsmitglied im traditionsreichen, familieneigenen Speditionsunternehmen Gebrüder Weiss, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1473 zurückreichen und dessen Dienstleistungen schon ein gewisser Herr Johann Wolfgang von Goethe in Anspruch genommen hatte. Die Funktion des Präsidenten ist strikt getrennt von seinem Agieren als Vorstandsmitglied der Gebrüder Weiss Holding AG. Angesprochen auf die Tradition des Unternehmens antwortet Senger-Weiss passend mit einem Zitat von Goethe: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ 2003 ist Senger-Weiss als eines der drei Kinder von Paul und Heidegunde Senger-Weiss gemeinsam mit seinem Bruder Heinz Senger-Weiss in das elterliche Unternehmen eingetreten und heute stolz darauf, „dass wir den Übergang in die nächste Generation so gut hinbekommen haben.“ Zwischen Tradition und Modernität passt die Frage nach der Ethik. „Ich glaube, dass ethisches Handeln in der Wirtschaft unabdingbar ist, um langfristig erfolgreich zu sein.“ Vielleicht komme es manchmal dadurch zum Verzicht auf kurzfristige Gewinne. In der Speditionsbranche haben Partnerschaften Tradition und für Präsident Senger-Weiss gilt das Prinzip „leben und leben lassen“. Wenn man in der Branche verändern will, muss man auch etwas dafür tun, ist für den studierten Handelswissenschaftler und Absolventen von INSEAD in Fontainebleau klar. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, die Rahmenbedingungen der Speditions- und Logistikbranche mitzugestalten. Gerade in Österreich sehe ich besonderen Handlungsbedarf, da man in der Politik dazu neigt, Entwicklungen zu verschlafen“, spricht Senger-Weiss Klartext. Handlungsbedarf gibt es in Österreich aus Sicht der Speditionsbranche gleich in mehreren Bereichen: Von der Maut über den Zoll und das Steuerrecht bis zu den hohen Personalkosten und zur expliziten Förderung des nationalen Logistikstandortes habe die Politik noch einige Hausaufgaben zu machen. Gerade bei Zoll und Steuerrecht hätten Österreichs Spediteure einen massiven Wettbewerbsnachteil gegenüber den Nachbarländern. Eine von der Wirtschaftskammer Österreich durch- 24 LOGISTIK express Ausgabe 2/2014 www.logistik-express.com

TRANSPORT geführte Studie belegt, dass durch den Nachteil bis zu 2.000 Arbeitsplätze verloren gehen. „Wir erwarten uns von Vizekanzler und Finanzminister Michael Spindelegger ein Einlenken.“ Derzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des Finanzministeriums beispielsweise im Zollbereich mit dem Verfahren 42. Vom Zentralverband gefordert wird eine Abschaffung der Lkw-Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 km/h während der Nachtstunden. Dazu gibt es ebenfalls eine Studie, die aussagt, dass mit 60 km/h fahrende Lkw mehr Schadstoffe emittieren als wenn sie mit 80 km/h durch die Nacht fahren. Senger-Weiss: „Eine Änderung verlangen wir auch bei der Bekanntgabe der Mautvalorisierung für das jeweils kommende Jahr im Sinne der Planbarkeit für unsere Branche.“ Zumindest drei Monate vor Jahresende wollen die Spediteure vom Staat genau wissen, wie hoch die Lkw- Maut-Valorisierung ausfallen wird. „Dazu müsste man nur den Berechnungszeitraum vorverlegen, für den Gesetzgeber entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.“ Im vergangenen Jahr stand selbst Mitte Dezember noch nicht fest, wie hoch die Mauterhöhung definitiv ausfallen wird. Die Logistik als Wirtschaftsfaktor wird in der österreichischen Öffentlichkeit kaum bis gar nicht wahrgenommen. Dabei spült sie jährlich beachtliche Steuereinnahmen in die Staatskasse. Hier setzt Senger- Weiss an und versucht mit offensiver Öffentlichkeitsarbeit die Branche stärker in das Blick- Wolfram Senger Weiss feld der breiten Öffentlichkeit zu bringen. Der Präsident als Kommunikator. Eine Chance für eine stärkere öffentliche Wahrnehmung sieht Senger Weiss im Onlinehandel, der immer stärker vom B2B zum B2C-Geschäft mutiert und so den Nutzen der Logistik für den Endempfänger sichtbar macht. „Endkunden sind Wähler und damit sollte das Thema Logistik auch für die Politik interessant werden.“ Im Bundesland Oberösterreich wurde das Thema Logistik längst als relevant erkannt, in Tirol hingegen ticken die Uhren noch anders – hier sind Transport und Logistik „leider emotional negativ besetzt“. Auf Bundesebene habe man es leider bei der jüngsten Regierungsbildung verabsäumt, sich des Themas „Logistikstandort Österreich“ anzunehmen. Sehr bedauerlich zum Unterschied zu Deutschland, wo „Logistik Made in Germany“ als klarer Standortvorteil erkannt und im Regierungsprogramm festgeschrieben wurde. Senger-Weiss: „Wir sind uns im Klaren, dass wir hier noch viele harte Bretter bohren müssen.“ Noch einige Bretter bohren will der Zentralverband mit dem Verkehrsministerium. Es ist zwar schade, dass die Verkehrsministerin noch keine Zeit für einen persönliche Begegnung mit Senger-Weiss hatte, doch die bislang geführten Gespräche mit Spitzenbeamten im Ministerium verliefen professionell und „wir sind in die Erstellung des künftigen Güterverkehrsplans gut eingebunden, was aber nicht heißen soll, dass wir inhaltlich mit dem Ministerium immer auf einer Linie sind.“ Nicht auf einer Linie mit der Politik ist der Zentralverband beispielsweise bei der Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. „Wenn es auf der Schiene ein echtes marktgerechtes Angebot geben würde, wäre eine Verlagerung sinnvoll“, betont Präsident Senger-Weiss. „In der Realität sind in den vergangenen Jahren selbst Post und Bahnexpress auf Lkw umgestiegen. Einerseits sei die Schiene trotz Subventionen noch immer zu teuer, andererseits für viele Logistikanforderungen zu wenig flexibel: „Es ist ein schweres Foul, dieses Ziel damit erreichen zu wollen, indem man die Straße bestraft, um die Schiene scheinbar attraktiver zu machen.“ (LE) KN Expo & Event Logistics Kühne + Nagel bietet Logistiklösungen für Ihre Messen, Ausstellungen und Events auf der ganzen Welt. • Konzeption Ihrer Supply Chain schon in der Planungsphase • Termingerechte Transporte per Land-, See- oder Luftweg • Zollabfertigung • Unterstützung bei Auf- und Abbau des Equipments • Servicebereitschaft 7/24 • Anschlusstransporte zu Folgemessen oder Einlagerung Mit Kühne + Nagel zu allen Messeplätzen der Welt! Kühne + Nagel Gesellschaft m.b.H. - Am Terminal 1c - 8402 Werndorf - Tel. 05/90690 -0 - knat.expo@kuehne-nagel.com - www.kuehne-nagel.com www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 2/2014 25

LOGISTIK express informiert

LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 4
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 3
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 2
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 1
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Special 1
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 4
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 3
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 2
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 1
LE-4-2016
LE-3-2016
LE-2-2016
LE-1-2016
LE-4-2015
LE-3-2015
LE-2-2015
LE-1-2015
LE-3-2014
LE-2-2014
LE-1-2014
LE-4-2013
LE-3-2013
LE-2-2013
LE-1-2013
LE-4-2012
LE-3-2012
LE-2-2012
LE-1-2012
LE-4-2011
LE-3-2011
LE-2-2011
LE-1-2011
LE-4-2010
LE-3-2010
LE-2-2010
LE-1-2010
LE-4-2009
LE-3-2009
LE-2-2009
LE-1-2009
LE-4-2008
LE-3-2008
LE-2-2008
LE-1-2008
OEQA-2018-2
OEQA-2018-1

© Copyright 2018 LOGISTIK express® Markus Jaklitsch. Alle Rechte vorbehalten.