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LOGISTIK express Fachzeitschrift

IT LOGISTIK Apple setzt

IT LOGISTIK Apple setzt auf Steirer-Chips Der amerikanische Apple-Konzern verwendet in seinen technischen Geräten Halbleiter aus steirischer Produktion. LogistikExpress hat die Logistik hinter den Chips recherchiert. REDAKTION: MARKUS TROSTMANN Der österreichische Halbleiterhersteller austriamicrosystems, der so prominente Kunden wie Apple, Siemens, Samsung oder Continental mit seinen Mikrochips beliefert, residiert mit seiner Firmenzentrale in einem idyllisch gelegenen Schloss in einer kleinen Landgemeinde namens Unterpremstätten unweit von Graz. Den Namen Apple getraut man sich in Unterpremstätten fast nicht zu nennen, doch ein Blick auf die Apple-Internet-Seite bestätigt sofort, dass austriamicrosytems explizit in der Liste der Apple-Lieferanten aufgeführt ist. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen im Firmenschloss sehr eindrucksvoll. Denn hinter dem Schloss mit hauseigener Kapelle steht das Glanzstück des weltweit agierenden Unternehmens: Die so genannte „200-mm-Wafer-Fabrik“, in der die Mikrochips produziert, in die Welt hinaus zum Assembling und wieder retour nach Unterpremstätten geschickt werden, erzählt Franz Muhr, der Logistik-Chef von austriamicrosystems. „200-mm-Fabrik“ deshalb, weil die Chips auf 200 mm großen Siliziumscheiben hergestellt werden. Smartphones brauchen Chips Ob in Mobiltelefonen, MP3-Playern, Insulin- Stiften, Herzschrittmachern, Computertomographen, Stromzählern oder Funkautoschlüsseln mit Wegfahrsperren, in allen diesen Geräten finden sich Mikrochips. Erforscht und entwickelt werden diese integrierten analogen Schaltkreise in Unterpremstätten. Logistik ist für austriamicrosystems eine wichtige strategische Kernkompetenz, die im Haus angesiedelt ist; um die logistischen Ablaufprozesse kümmern sich die Dienstleister Kühne & Nagel und Schenker. Um die immer komplexer werdende Logistik zu vereinfachen, „arbeiten wir derzeit intensiv an der Standardisier ung der Prozesse“, betont Muhr. austriamicrosystems betreibt weltweit acht Design-Center und 20 eigene Verkaufsniederlassungen. Im vergangenen Jahr wurde zudem das amerikanische Untenehmen TAOS Inc. in Plano im US-Staat Texas zu 100 Prozent übernommen. TAOS ist ein innovatives Unternehmen im Bereich Lichtsensortechnologie und mit seinen Display-Management-Lösungen ein gefragter Lieferant von Smartphone-Herstellern. Dazu kommen noch weitere 30 Dienstleister, die Assembling-Arbeiten und Tests durchführen. Der Assembling-Job wird in Fernost durchgeführt, weil das kostengünstiger ist, auch wenn die Transportwege länger und die Kosten dafür höher sind. Muhr: „Der Kostendruck hat uns gezwungen, nach Asien zu gehen.“ Zumal das Assembling personalkostenintensiv ist und einen nur sehr geringen Wertschöpfungsanteil hat. 200-mm-Fabrik ist Drehscheibe für weltweites Geschäft Für die Waferproduktion braucht es Siliziumscheiben, und die kommen von Lieferanten aus Asien nach Unterpremstätten, wo die Schaltkreise auf die Siliziumscheiben aufgebracht und getestet werden. Kühne & Nagel ist der Exklusiv-Partner und zuständig für den Transport nach Fernost. Und retour in die Steiermark. Die Wafer werden in Kunststoffgehäuse verpackt und fliegen von Wien aus per Luftfracht an Bord der Flugzeuge von Emirates via Dubai nach Korea, Thailand, Singapur oder Calamba auf den Philippinen, wo austriamicrosystems ein eigenes Test- Center betreibt. Standardisierung und Konsolidierung haben in der Supply Chain Top-Priorität. Wenn immer mehr Transportabläufe nach Fahrplan funktionieren, lassen sich Frequenzen reduzieren und so Kosten und Zeit einsparen, betont der Logistik-Manager, der seit 1983 für die Logistik im Haus verantwortlich zeichnet. Das Ziel dabei: Durchlaufzeiten möglichst kurz zu halten. Die Zusammenarbeit mit Kühne & Nagel währt bereits seit vielen Jahren auf Basis von klaren Zielvereinbarungen, was den Service-Level betrifft. Muhr: „Für uns ganz wichtig sind Pünktlichkeit und Schadensfreiheit.“ Sollte irgendetwas einmal im Fahrplan nicht klappen, zieht Muhr Plan B oder auch Second Source genannt aus der Schreibtischlade. Darin ist genau festgelegt, was zu tun ist, wenn Plan A nicht funktioniert, welche Transportalternativen zu wählen sind, damit es zu keiner Unterbrechung der Supply Chain kommt. Die Kunden nicht punktgenau beliefern zu können, ist für Muhr schlichtweg der Alptraum, Second Source soll diesen Alptraum verhindern. Klimaneutrale Logistik ist ambitioniertes Ziel Was Kühne & Nagel für austriamicrosystems macht, sind genau genommen primär werksinterne Transporte von Unterpremstätten nach Fernost, dort zwischen einzelnen Assembling-Firmen und den Retourtransport der Mikrochips in die Steiermark. Den Spediteur DB Schenker ruft Muhr dann an, wenn es um die Beschaffung von sensiblen Produktionsmaschinen oder Ersatzteilen geht. Diese kommen meist aus Übersee, und Schenker stellt die Maschine fix und fertig an den bestimmten Standort in der High-Tech-Fabrik. Rund 17 Tonnen Chips werden monatlich an Kunden ausgeliefert, 200 Mio. Chips werden im Werk Unterpremstätten jährlich hergestellt. Ein kommendes Thema ist die klimafreundliche Supply Chain: „Bis 2015 wollen wir die Kunden CO2-neutral beliefern.“ Erreichen will man dieses Ziel nicht über den Umweltschutzzertifikate-Handel, sondern mit im eigenen Haus entwickelten Projekten. Beispielsweise durch die Umstellung der gesamten Firmenbeheizung auf Hackschnitzel als Rohstoff für die Wärmeerzeugung. Der Druck zum möglichst emissionsarmen Transport kommt von den Kunden: Sie erwarten ihn heute und werden ihn morgen fordern, schätzt Muhr die Entwicklung ein. (MT) 30 LOGISTIK express Ausgabe 2/2012 www.logistik-express.com

Alle Fäden in einer Hand LOGISTIK IT Viele reden von einer integrierten Supply Chain, nur wenige schaffen es, sie zu verwirklichen, und noch weniger bekommen einen Preis dafür. Infineon Technologies zählt zur dritten Kategorie, und liefert ein exzellentes Best-Practise-Beispiel ab. Unterstützung erhält das Unternehmen dabei vom Software-Anbieter JDA® Software Group, Inc.. REDAKTION: ANGELIKA THALER Infineon Technologies ist ein weltweit operierender Halbleiterhersteller und legt seinen Geschäftsfokus auf drei der zentralen Herausforderungen der modernen Gesellschaft: Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit. Infineons Halbleiter- und Systemlösungen werden in der Automobilelektronik, Industrieelektronik und in Sicherheitsanwendungen eingesetzt. In Österreich gibt es eine Tochter mit Hauptsitz in Villach, die für diese Märkte entwickelt und produziert. Weltweit unterhält das Unternehmen 12 Fertigungsstätten. Dadurch und durch die weltweite Streuung von Rohstoffquellen und Kunden ist ein End-to-End-Supply-Chain- Konzept das Maß aller Dinge. Was für viele Unternehmen Wunschvorstellung bleibt, ist bei Infineon realisiert. Das erkannte auch die Jury und verlieh Infineon am 24. April dieses Jahres den „Supply Chain Management Award 2012“ von PwC‘s PRTM Management Consulting, LOGISTIK HEUTE, dem House of Logistics and Mobility (HOLM) sowie dem Supply Chain Management Institute (SMI). „Dieser Preis ist eine schöne Bestätigung für den Weg, den wir beschreiten“, freut sich Andreas Mätzler, Senior Director Coporate Supply Chain, Infineon Technologies AG. Vom Ursprung bis zum Endverbraucher Infineon verfügt heute über eine vollintegrierte Supply Chain vom Lieferanten des Lieferanten bis hin zum Kunden des Kunden – das Unternehmen trägt die Verantwortung von der Fertigungsstrategie bis hin zur Auslieferung, und das weltweit für alle Wertschöpfungspartner. „Ein Grund für die Auszeichnung war auch unser Kundeninterface“, berichtet Mätzler, „für jeden einzelnen Kunden haben wir ein zugeschnittenes Team anstatt eines herkömmlichen Callcenters. So können wir Störungen in der Supply Chain wie etwa in Krisenzeiten sehr gut managen.“ Er habe beobachtet, dass potenzielle Kunden den gebotenen Service in ihren Entscheidungsprozess einfließen ließen, und die Zuverlässigkeit von Zusagen (z.B. zu Mengen oder Lieferzeiten) sowie die Flexibilität samt gegebenen Reaktionsmöglichkeiten eine im- mer größere Rolle spielten. „Die Störanfälligkeit bei unserem Kunden wächst, wenn sein Lager schrumpft, deshalb ist Produktqualität für die Supply Chain-Performance ja so wichtig“, verdeutlicht er. Informationsflüsse verbinden Wenn man so viele Einzelprozesse und Glieder unter einen Hut bringen möchte, braucht man eine leistungsfähige Software. „Schon seit vielen Jahren hat sich JDA als verlässlicher Partner bewährt“, lobt Mätzler, „in den letzten Jahren haben wir besonders an der Verbesserung der Szenariofähigkeit gearbeitet, die auch die Fertigungen in Asien einbezieht. Am Beginn der Partnerschaft stand der einfache SC-Planungsansatz, Schritt für Schritt wurde sie dann auf andere Bereiche ausgeweitet. Heute werden bei Infineon fünf Lösungen eingesetzt: Demand Management, Supply Chain Planner, Factory Planner, Order Promising sowie Sales & Operational Planning. Eine möglichst exakte Vorausplanung ist bei einer Halbleiter-Produktionsdauer von 6 bis 9 Monaten und einer Fertigung rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, das A und O. Aktuell dauert ein Planungsdurchlauf vier Wochen. „Für uns ist vor allem auch die Anpassungsfähigkeit des Softwarepartners wichtig; in einem volatilen Markt wie dem unseren können wir nicht ewig auf Entwicklungen oder Adaptierungen warten“, stellt Mätzler fest. Die Zusammenarbeit mit JDA geht über jene mit einem reinen Toolprovider weit hinaus: So wird auf Basis regelmäßiger Gespräche die Software-Lösung für Infineon gemeinsam weiterentwickelt. Wo geht die Reise hin? Infineon führt gerade ein Projekt durch, um die internen Entscheidungswege zu optimieren: „Eine optimale Supply-Chain wird zum Wettbewerbsfaktor. Dem Unternehmen muss klar sein, wo es zu komplex ist – und damit fehleranfällig. Dort setzt das Projekt an“, bringt Mätzler es auf den Punkt. Das Management soll schnell zu Entscheidungen kommen. Die Basis dafür ist aber, dass es dafür auch die nötigen Informationen übersichtlich zur Verfügung hat. Als weiteres heißes Thema für die Zukunft sieht er den Kampf um die Talente, Fachkräftemangel ist auch in der Halbleiterbranche ein Problem: „Mit unserem hauseigenen Ausbildungsprogramm versuchen wir, dem entgegenzuwirken. Die angebotenen e-learning-Module, mit denen unsere Mitarbeiter die Ausbildung in Kooperation mit der University of Limerick bis hin zum Master machen können, wird sehr gut angenommen.“ Und Mitarbeiter, denen sich Perspektiven bieten, bleiben gerne im Unternehmen. (AT) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 2/2012 31

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