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LOGISTIK express Fachzeitschrift

WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFT Wirtschaftsaufschwung in akuter Gefahr? Die Wirtschaft lebt vom Konsum. Doch wenn es nichts zu kaufen gibt, gerät dieses System ins Wanken. Und genau auf dieses Problem steuern wir zu, denn Ressourcenverknappung, steigende Preise und Änderungen besonders im Ostasiatischen Raum stellen Produzenten und deren Einkäufer vor wachsende Herausforderungen. Redaktion: Angelika Thaler Zu Zeiten der Krise drosselten fast alle Hersteller sämtlicher Industriezweige ihre Produktion, somit sank auch die Nachfrage nach Rohstoffen und Bauteilen. Auch die Recyclingindustrie sah sich teils massiven Umsatzeinbrüchen gegenüber. Wer konnte, verlagerte die Produktion in „Billiglohnländer“ oder kaufte in eben solchen zu – bevorzugt auf ostasiatischen Märkten wie China. Doch in der globalen Marktwirtschaft ist keine Regel in Stein gemeißelt, was gestern noch galt, ist heute oft bereits überholt. Die Auftragsbücher füllen sich, die Preise steigen – nicht zuletzt durch die Verteuerung von Erdöl, die Krisenherde im arabischen Raum und die Katastrophe in Japan – und manche Industrien kommen mir der Produktion nicht nach, weil es schlicht an Material fehlt. Wie geht’s Österreich? Bestens über die Einkaufslage in Österreich informiert ist der BMÖ, Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Auch Dkfm. Heinz Pechek, Geschäftsführender Vorstand des BMÖ, sieht einen bevorstehenden Balanceakt: „Die Herausforderung angesichts voller Auftragsbücher und schwindender Ressourcen ist es, den Einkauf und damit die Produktion sicherzustellen und gleichzeitig vernünftige Preise zu erzielen. Denn bei hohen Liefermengen ist auch Hatching (Kauf mit prompter Lieferung, Anm.) kein Thema.“ Langfristverträge gibt es nicht mehr, es gilt, das Lieferantenmanagement komplett neu aufzusetzen. Besonders schlimm ist laut Pechek die Versorgungssituation bei seltenen Erden, im Stahlbereich sowie bei Commodities für Elektronik und IT – also genau in jenen Bereichen, die maßgeblich zum Wirtschaftsaufschwung beitragen können. „Brandaktuell natürlich bleibt die Frage, wie es in Japan weitergeht. Wann ist das Land wieder voll lieferfähig? Und wie gehen wir vor, wenn die Container verstrahlt sind? Wie stark ist die Durchdringung der Nahrungsmittelkette? Hier gibt es noch keine Antworten!“, ist er besorgt. Ein weiteres Problem sieht der Verband bei der Energieversorgung, denn „Hier wurde lange verabsäumt, rechtzeitig nachhaltige, erneuerbare Energiequellen zu erschließen. Die steigenden Energiepreise machen dem produzierenden Sektor zusätzlich zu schaffen. Ein sofortiger Umdenkprozess ist hier unumgänglich.“ Sourcingmarkt China Vor 10 Jahren noch ein Geheimtipp, entwickelte sich China im Laufe der Zeit zu einem der beliebtesten Sourcingmärkte. Nicht zuletzt, da das Land viel Geld in den Infrastrukturaufbau investierte und die ansässigen Unternehmen besonders hinsichtlich der Qualität enorme Entwicklungssprünge vollzogen. Damit einher gingen aber natürlich auch Lohnerhöhungen und eine stärkere Binnenmarktnachfrage, und in einigen Bereichen haben Indien und Vietnam dem Land den Rang als Billiglohnland längst abgelaufen. „Momentan ist China noch stark exportorientiert, aber man muss die hohen Logistikkosten im Vergleich zu Europa beachten“, gibt Gerald Boess, Partner der Kerkhoff Consulting GmbH, zu bedenken. In seiner Funktion als Leiter der Standorte China, Indien und Türkei ist er täglich mit diesem Thema konfrontiert: „China ist auf High-Tech Produkte spezialisiert. Wer einfache, billige Produkte niedrigerer Qualität sucht, sollte sich woanders umsehen.“ Boess sieht sich häufig mit Unternehmen konfrontiert, die vor Jahren ihre Lieferanten in China gefunden haben und noch immer überzeugt sind, damit die beste Variante zu haben. „Hier gilt es, zu hinterfragen! Zusatzkosten wie Reisespesen, die Abwicklung im Problemfall oder auch die Transportkosten müssen einbezogen werden. Gerade die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass es riskant ist, sich ausschließlich von asiatischen Lieferanten abhängig zu machen.“ Er merkt zudem den Beginn eines Umdenkprozesses: „Das Thema Nachhaltigkeit FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 8 LOGISTIK express 2|2011 www.logistik-express.com

WIRTSCHAFT gewinnt an Bedeutung, der CO2-Ausstoß, die politische Situation im Land und die Arbeitsbedingungen beeinflussen die Beschaffungspolitik der Unternehmen.“ Generell gilt: „Um erfolgreich zu wirtschaften, muss man global wettbewerbsfähig produzieren.“ ANGELIKA THALER Logistik express Redaktion Kunststoff & Stahl Die Teufelberger Ges.m.b.H ist weltweit als Produzent von Stahlseilen, Kunststoff-Umreifungsbändern und Seilen aus Kunststoff bekannt. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Materialien wie hochwertigem Stahldraht oder Kunststoffen, und bei diesen sieht sich Einkaufsleiter Günter Reider mit kontinuierlich steigenden Preisen konfrontiert: „Seit dem Höhepunkt der Krise im März 2009 hat sich der Preis für unsere PET-Flakes verdreifacht! Allein seit November gab es eine Steigerung um 47 Prozent bei einem unserer benötigten Kunststoffprodukte. Auch die Seildrähte sind binnen eines Monats wieder um 11 Prozent teurer geworden.“ Den Grund für die Verteuerung bei den Kunststoffen sieht er unter anderem im gestiegenen Baumwollpreis, da etliche Unternehmen der Bekleidungsindustrie die Baumwolle durch Polyesterfasern substituieren würden. Zwar nutze das Unternehmen ein Recyclingprodukt aus PET-Flaschen, doch aufgrund der generell höheren Nachfrage würden auch diese teurer. Und immerhin verarbeitet Teufelberger als größter Extrusionsbetrieb Österreichs weit über 30 Tonnen Kunststoffe jährlich. Gegen die Verknappung auf einzelnen Rohstoffmärkten habe das Unternehmen vorgesorgt: „Bereits in der Vergangenheit hat Teufelberger begonnen, eine breite Lieferantenbasis sowohl in Asien als auch in Europa aufzubauen. Durch den Einkauf sowohl im US-Dollarals auch im Euro-Raum können wir auch Kursschwankungen besser abfedern, bei dem aktuellen Kurs ist natürlich das Asia-Sourcing vorteilhaft.“ Die starken Preissteigerungen bringen viele Unternehmen, vor allem auch Vorlieferanten, in Bedrängnis, weiß Reider zu berichten: „Teufelberger profitiert davon, als zuverlässiger und pünktlicher Zahler bekannt zu sein. So konnten wir aufgrund unserer Bonität als Rohstoffkäufer für einen Vorlieferanten einspringen. Immer mehr Unternehmen sprengen nur durch die höheren Preise ihre Kreditlimits, allein im März mussten zwei Recycler in Deutschland Konkurs anmelden.“ So bekommt Teufelberger immer mehr Ware angeboten, die bisher an Unternehmen verkauft wurde, deren Aussenstände inzwischen nicht mehr versichert werden. Ernste Bedrohung Ein Ende der Preisspirale ist wohl nicht in Sicht, das Ausweichen auf andere Märkte wird immer schwieriger. Langfristig ist der Wirtschaft wohl nur zu helfen, wenn die Inlandskaufkraft gestärkt wird und die Unternehmen dadurch höhere Preise auch für Endprodukte erzielen, um die Gewinnspanne zu halten. Dafür ist es nötig, durch Produktion für den regionalen Markt Arbeitsplätze zu sichern und damit auch dem Staat zu Steuereinnahmen zu verhelfen – damit nicht auch wir eines Tages unter den Rettungsschirm flüchten müssen. (AT) HYDROSTATIC DRIVE Die Baureihe wächst weiter. Mit den neuen Diesel-/Treibgasstaplern in der Tragfähigkeitsklasse von 1.600 bis 2.000 kg. IMMER MEHR STAPLER. IMMER MEHR FANS. Höchste Umschlagleistung. Maximaler Fahrkomfort. Technik auf höchstem Sicherheitsniveau. Testen Sie das Arbeitstier made in Germany. Infos und Probefahrten: www.jungheinrich.at www.logistik-express.com LOGISTIK express 2|2011 9

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