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LE-2-2010

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IM GESPRÄCH Hätten Sie

IM GESPRÄCH Hätten Sie sich vor 30 Jahren vorstellen können, eines Tages in der Position zu sein, in der Sie jetzt sind? Vor 30 Jahren war noch mein größtes Ziel, leitender Angestellter zu werden. Vor 25 Jahren dann hatte ich das erreicht, und wollte in die Selbständigkeit, um meine Ideen zu verwirklichen. Kurz darauf hatte ich ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern, und ich habe mir stets neue Ziele gesteckt. Eines Tages begann ich, durch Akquisitionen zu wachsen – zu Beginn noch opportunistisch, aber schon bald verfolgte ich eine gezielte Erweiterungsstrategie und konzentrierte mich auf die Automobilzulieferindustrie, denn dadurch ergaben sich sehr viele Möglichkeiten. Abgesehen von den letzten eineinhalb Jahren, die eher negativ gelaufen sind, da wir aufgrund einer großen Übernahme von der Krise doch massiv betroffen waren, ist die Strategie gut aufgegangen, wir konnten jedes Jahr Umsatz- und Ergebnisrekorde erzielen. Diesen Weg möchte ich nun weiterführen. Was macht in Ihren Augen einen erfolgreichen Unternehmer aus? Das Wichtigste ist, entscheidungsfreudig zu sein, aber auch die soziale Komponente spielt eine wesentliche Rolle. Entscheidungen sollten auf der Basis von Fachwissen getroffen werden, und wenn man dieses Wissen nicht hat, muss man sich informieren und auf seine Mitarbeiter hören! Dann darf man die Entscheidung treffen, und muss auch dazu stehen. Es ist wichtig, Fehler zuzugeben und selbst zu leben, was man von den anderen erwartet. Wer von seinen Mitarbeitern eine hohe Leistung erwartet, muss sie auch selbst erbringen. Zudem sollte man stets selbstkritisch bleiben und die anderen nicht zu viel kritisieren. Wenn Sie die Chance hätten, noch einmal von Vorne zu beginnen, würden Sie alles gleich machen? Nein. Zwar würde ich wieder den Weg der Selbständigkeit und das gleiche Geschäftsmodell wählen, aber ich würde diesen Weg weniger konsequent verfolgen und mir mehr Zeit für mein Privatleben gönnen. Was machen Sie, um sich zu entspannen? Haben Sie Hobbies? Schon auf dem Heimweg schalte ich per Fernbedienung die Sauna ein, und dort lese ich dann in Ruhe ein oder zwei Zeitungen, denn dazu finde ich tagsüber keine Zeit. Das „Nicht der Sachlichkeit, sondern der Leidenschaft verdanken wir die größten Errungenschaften unserer Zeit.“ Friedrich Huemer Leidenschaft im Herzen Friedrich Huemer ist ein Unternehmer, wie er im Buche steht: ein Self- Made-Man, der ganz unten angefangen und sich bis ganz oben hinaufgearbeitet hat. Heute steht er an der Spitze einer Unternehmensgruppe, die selbst im Krisenjahr über 600 Millionen Euro Umsatz machte. Redaktion: aNGELIKA THALER entspannt wunderbar, und anschließend koche ich etwas für meine Frau und mich, meist gutbürgerliche Küche, aber durchaus auch einmal etwas Asiatisches. Da lasse ich mich von den Erfahrungen auf meinen Geschäftsreisen inspirieren. Bis vor etwa einem Jahr war mein größtes Hobby, Firmen zu kaufen, aber das habe ich momentan eingebremst (lacht, Anm.). Gelegentlich finde ich Zeit für Freizeitsport wie Radfahren oder Wandern, aber ich mache nichts Ausgefallenes. Ich plane auch schon seit Jahren, mit Golf anzufangen, aber bislang fehlt mir die Zeit. Wie sieht Ihr perfekter Urlaub aus? Am liebsten mache ich Rundreisen mit meiner Frau, wo wir jeden Tag in einem anderen Hotel sind. Am Strand herumzuliegen ist für uns kein schöner Urlaub. Daher ist mein Lieblingsreiseziel auch stets woanders, ich will Neues erkunden und kennenlernen. Be- FOTO: POLYTEC.AT 8 LOGISTIK express 2|2010 www.logistik-express.com

IM GESPRÄCH sonders schön war eine dreiwöchige Wohnmobilreise durch Kanada. Es ist gut, wenn der Urlaubsort weiter weg ist, dann kommen wir nicht in Versuchung, bei Schlechtwettereinbruch gleich wieder ins Büro zurückzueilen um weiterzuarbeiten. Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der eben mit der Schule fertig ist? Zuerst muss er sich grundsätzlich darüber klar werden, welche Tätigkeit er ausüben möchte, beispielsweise eine Branche. Dann muss er beginnen, Schritte in diese Richtung zu setzen. Dabei ist die eingeschlagene Richtung viel wichtiger als die Geschwindigkeit! Wenn man es sich leisten kann, sollte man finanzielle Überlegungen anfangs hintenanstellen und Jobs nach ihren Entwicklungsmöglichkeiten auswählen. Am besten ist es, als Assistent eines Managers , idealerweise als Vorstandsassistent anzufangen, denn da lernt man viele Persönlichkeiten kennen, und das ist unbezahlbar! In meinem allerersten Job habe ich am wenigsten von all meinen Schulkameraden verdient, aber es war die Richtung, die ich einschlagen wollte. Dann habe ich mich systematisch verbessert, und irgendwann habe ich alle überholt. Noch eines sollte jedem bewusst sein: Nur was man mit Spaß und Freude macht, macht man gut. Was muss man bei der Mitarbeiterführung beachten? Man muss die eigenen Mitarbeiter immer der jeweiligen Position angemessen Entscheidungen treffen lassen. Fehler passieren, und das ist ok, solang sie sich nicht wiederholen. Ich erwarte von meinen Managern sogar, ihre Entscheidungsbefugnisse gelegentlich zu überschreiten – aber sie müssen es im Nachhinein rechtfertigen können. Bei den Mitarbeitern zählen Qualifikation und Kompetenz mehr als reine Titel, unter uns vier Vorstandsmitgliedern haben wir nur einen Akademiker. Wenn Sie für einen Tag Kanzler in Österreich wären, was würden Sie tun? Ich würde eine Pensions-, Gesundheits- und Steuerreform durchführen. Alles, was im Moment diskutiert wird, sind schwache und halbherzige Entscheidungen. Man nehme als Beispiel die Hacklerregelung, es muss endlich jemand den Mut aufbringen, hier radikale Änderungen und Einschnitte vorzunehmen! Die Menschen werden immer älter und bleiben länger gesund, da ist es völlig legitim, auch länger zu arbeiten, weil sonst immer weniger Arbeitende das System tragen müssen, und das wird sich nicht mehr lange ausgehen. Auch auf dem Gesundheitssektor wird eine schier unglaubliche Menge Geld verschwendet, weil die Lobby der Pharmaindustrie einfach zu stark ist. Warum erhält beispielsweise ein Primar ein Extrahonorar eines Privatversicherten, und nicht das Krankenhaus? Hier sehe ich enorme Einsparungspotenziale! „Nur wer selbst etwas leistet, hat auch das Recht, von den anderen etwas zu fordern.“ Friedrich Huemer Interview ANGELIKA THALER Redaktion Logistik express Fachmedium Beim aktuellen Bundeskanzler hingegen stellt man sich die Frage, ob wir eine sozialistische oder nicht doch eine kommunistische Regierung haben. Denn das, was derzeit passiert, ist von einer guten Steuerpolitik weit entfernt. Was wir zu hören bekommen, ist reiner Populismus, aber das ist keinesfalls im Interesse unseres Landes. Leider denkt jede Partei nur an die nächste Wahl, deshalb hat niemand den Mut, wirklich etwas zu unternehmen. Daher finde ich die, anlässlich der Bundespräsidentenwahl entstanden Idee, auf Regierungsmitglieder abgewandelt, jeweils nur eine Legislaturperiode zu erlauben und danach zwingend zu wechseln, sehr gut, denn das würde die Chance ergeben, dass anders agiert wird. Das Problem sind jedoch die Berufspolitiker, die sich natürlich nicht ihren eigenen Job untergraben wollen. Natürlich muss man ihnen auch zu Gute halten, dass die Anforderungen an Politiker heutzutage nicht einfach sind. Wenn sich die Chance ergäbe, würde ich sofort als Quereinsteiger hauptberuflich und ehrenamtlich als Kanzler oder Finanzminister anfangen, aber ich denke, die Wahrscheinlichkeit dafür ist eher gering. (lacht, Anm.) Sie sind oft auf Geschäftsreisen. Was ist das Tolle daran? Zwar kenne ich sehr viele Flughäfen – wohl weit mehr als Hundert – aber oft habe ich kei- ne Gelegenheit, die Städte selbst anzusehen. Ich habe nie Privaturlaub mit Geschäftsreisen verbunden. Schon als kleiner Unternehmer war mein Anliegen, international zu agieren, und so habe ich im kleinen Stil gelernt, dass das Geschäftemachen in den USA ganz anders ist als in China, und dort wiederum ganz anders als in Japan. Jedes Land hat eine andere Kultur, eine andere Mentalität, das ist eine spannende Herausforderung. Als kleiner Angestellter hätte ich diese Abwechslung wohl nie gehabt. Die Aufgaben in einem international handelnden Unternehmen ist ganz anders als in einem lokal tätigen. Immer nur in einem Büro zu sitzen und tagein tagaus das Gleiche zu tun, wäre für mich sehr langweilig. Das, was ich noch nicht habe, ist spannend! Wäre ich mit dem, was ich schon erreicht habe, zufrieden, dann wäre das nicht ich! Herzlichen Dank für das Gespräch. (AT) Das Unternehmen Die POLYTEC GROUP ist in ihre Rolle als international angesehener Entwickler und Hersteller von Kunststoffteilen für den automotiven Bereich schrittweise hineingewachsen: Im Jahre 1986 in Grieskirchen (Oberösterreich) gegründet, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten zehn Jahren vom Hersteller industrieller Kunststoffteile zum Systemlieferanten, der die komplette Prozesskette abdecken kann. Über die Jahre etablierte sich die POLYTEC GROUP dank des hervorragenden Einsatzes im Forschungs- und Entwicklungsbereich als zuverlässiger Partner der Automobilindustrie. Heute liegt der Fokus auf der Produktion von Interieur-, Exterieur- und Motorraumteilen sowie der Fertigung von Funktions- und Zubehörteilen. Friedrich Huemer, geb. 5. August 1957 in Bad Schallerbach, arbeitet mit seiner Frau und seinem Sohn (Vorstandsassistent) in der Polytec-Group. Die vier Unternehmensdivisionen der PO- LYTEC GROUP (POLYTEC AUTOMOTIVE SYSTEMS, POLYTEC CAR STYLING, PO- LYTEC AUTOMOTIVE COMPOSITES und POLYTEC INDUSTRIAL) ermöglichen das Nutzen von Synergien auf allen Ebenen des Firmennetzwerkes. Weltweit beschäftigt die POLYTEC GROUP mehr als 5.500 MitarbeiterInnen. www.logistik-express.com LOGISTIK express 2|2010 9

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