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LOGISTIK express Fachzeitschrift

Märkte Wenn von 11.

Märkte Wenn von 11. Juni bis 11. Juli 2010 das runde Leder wieder die Weltherrschaft und die Vormacht über (zumeist männliche) Fernsehbildschirme an sich reißt, wird die ganze Menschheit Zeuge der Geschehnisse in Südafrika – ein mächtiger Ansporn für die Regierung des Landes, bis dahin Missstände zu beseitigen und die Vorkehrungen für einen reibungslosen Ablauf zu treffen. Der Regenbogenstaat In Südafrika findet man Menschen aller Hautfarben, die mehr oder weniger friedlich nebeneinander leben. Seit dem Ende der 1948 durch die National Party eingeführten Apartheid leben Nachkommen britischer, deutscher, französischer, niederländischer, indischer und malaiischer Einwanderer neben einheimischen Bewohnern der Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi, Ndebele und anderen schwarzen Stämmen. Bis zum Jahr 1991 erfolgte die Einteilung der Bevölkerung in die vier Klassen „Schwarze“ (Afrikaner), „Weiße“, „Farbige“ und Asiaten, und auch heute besteht diese Unterteilung noch in den Köpfen vieler Südafrikaner. Momentan sind etwa 79,5 Prozent der Bevölkerung Afrikaner, 9,2 Prozent Weiße, 8,9 Prozent „Farbige“ (unterschiedliche ethnische Herkunft) und 2,5 Prozent Asiaten (hauptsächlich Inder). Das Besondere daran: die unterschiedlichen Kulturen und ethnischen Gemeinschaften koexistieren, vermischen sich aber kaum. Südafrika bildet mit seinen 1.219.912 Quadratkilometern Fläche (das ist etwa 14,5 Mal so groß wie Österreich) den südlichsten Rand des afrikanischen Kontinents und verfügt über 2.500 Kilometer Küstenlinie am Atlantischen und am Indischen Ozean. Es grenzt an Namibia, Botswana, Simbabwe sowie Mozambique und umschließt die Enklaven Swasiland und Lesotho. Es gibt elf amtliche Landessprachen: Englisch, Afrikaans, isiZulu, Siswati, Süd-Ndebele, Sesotho, Nördliche Sotho, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa, wobei Englisch die Führungsrolle übernommen hat und auch als Geschäftssprache überwiegt. Wirtschaftsmotor Fußball Weltmeisterschaft Viele waren überrascht, als Südafrika zum Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2010 auserkoren wurde. Für die Infrastrukturentwicklung war diese Vergabe ein Segen, Investitionen erreichen ungeahnte Höhen. Doch das offiziell von der Apartheit befreite Land bietet noch wesentlich mehr Facetten, die es zu entdecken gilt. Redaktion: aNGELIKA THALER Von heiß bis kalt Von Schnee und Eis bis hin zu trockener Hitze hat Südafrika alles zu bieten. Während im Westen die Wüste Kalahari liegt, herrscht im Südosten subtropisches Klima. In der Hauptstadt Pretoria und dem Zentrum Johannesburg ist es eher feucht und warm. Im europäischen Sommer ist in Südafrika Winter, die Fußballer sollten sich also abends eher warm anziehen, zu dieser Zeit kann beispielsweise in Johannesburg durchaus Schnee fallen. Weltberühmt sind die Nationalparks – wie etwa der Krüger-Nationalpark. In Südafrika sind mehr als 300 Säugetier-, über 500 Vogel-, mehr als 100 Reptilien- und unzählige Insektenarten zu finden. Die Chancen auf die Sichtung der „Big Five“ (Löwe, Leopard, Büffel, Elefant und Nashorn) sind hier sehr hoch. Employment-Equity-Gesetz Während im Zuge der Apartheit die weiße Bevölkerungsminderheit viele Vorteile genoss, ist die Regierung bemüht, diese Benachteiligung auszugleichen. Im Jahr 1998 wurde daher der „Employment Equity Act No. 55“ beschlossen, der die Bevorzugung schwarzer ArbeiterInnen vorsieht. Gesteigert wird dies durch den 2003 aufgesetzten „Black-Economic-Empowerment Act“ (BEE), der die Förderung historisch benachteiligter Bevölkerungsgruppen vorschreibt. Zwar sind manche darin enthaltenen Maßnahmen freiwillig, allerdings können nur jene Unternehmen an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, die sämtliche durch das Ministerium für Handel und Industrie überprüfte BEE-Kriterien erfüllen. Was auf dem Papier sehr nett wirkt, stellt die Wirtschaft vor einige Herausforderungen, denn ein Großteil der Afrikaner verfügt im Vergleich zu den Weißen über keine ausreichende Qualifikation. Nun stehen die Unternehmer vor dem Dilemma, gesetzlich zur Einhaltung einer Quote beispielsweise bei Managern angehalten zu sein, wodurch unqualifizierte Arbeitskräfte mit inzwischen sehr hohen Gehaltsforderungen eingestellt werden müssen – oder auf die Teilnahme an lukrativen Ausschreibungen zu verzichten. Generell sind gut ausgebildete „schwarze“ Manager Mangelware, während viele Weiße nur schwierig Jobs finden, wodurch die Frustration steigt und viele hoch FOTO: istockphoto.com 38 LOGISTIK express 2|2010 www.logistik-express.com

MÄRKTE qualifizierte Arbeitskräfte das Land verlassen. Andererseits gibt es noch immer sehr viele sehr billige „schwarze“ ArbeiterInnen, die beispielsweise als HaushälterInnen ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Arbeitslosigkeit ist mit 25 Prozent sehr hoch. Zwar gewinnen die Gewerkschaften an Einfluss, doch die meisten Forderungen sind unfinanzierbar. Ein großes ungelöstes Problem ist die Frage nach einer gerechten Umverteilung. Problem Kriminalität Wie viele Transformationsländer leidet auch Südafrika unter einer erhöhten Kriminalität, insbesondere in den Ballungszentren wie Johannesburg. Rein statistisch ist es für eine Frau wahrscheinlicher, vergewaltigt zu werden als Lesen zu lernen. Während in den letzten Jahren Morde und Raubüberfälle rückläufig sind, gibt es einen starken Anstieg bei Drogendelikten und Sexualstraftaten. Zur Sicherheit ziehen jene Südafrikaner, die es sich leisten können, in sogenannte „Compounds“, Vororte mit eigener Infrastruktur, die durch hohe Zäune und Sicherheitsdienste nach außen hin geschützt sind. Die extreme Kluft zwischen Arm und Reich sowie traditionelle Rollenbilder, die Gewalt verharmlosen, heizen den Konflikt an. Hinzu kommt, dass die Justiz leider vielerorts nicht besonders effizient arbeitet und zugunsten des Wohlhabenderen entscheidet. Infrastruktur Das Land verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz mit insgesamt ca. 754.000 Kilometern, es herrscht Linksverkehr. Aufgrund des starken Individualverkehrs liegen Staus an der Tagesordnung, wodurch das Geschwindigkeitslimit von 120 km/h auf Autobahnen selten ausgeschöpft werden kann. Ein Großteil der Autobahnen ist gebührenpflichtig. An den zehn Hauptflughäfen Johannesburg, Kapstadt, Durban, Port Elizabeth, East London, George, Kimberly, Upington, Bloemfontein und Pilansberg führen 50 Fluggesellschaften – darunter Lufthansa, British Airways, Iberia und KLM – jährlich etwa 230.000 Landungen durch. Für den Güterverkehr von größter Bedeutung ist das rund 24.000 Kilometer umfassende Schienennetz der staatlichen Transnet Freight Rail, rund 1.500 Kilometer sind für den Schwerlastverkehr geeignet. Die staatliche Schieneninfrastruktur macht etwa 80 Prozent des gesamten afrikanischen Bahnnetzes aus und verbindet die Häfen mit den restlichen Landesteilen. Südafrika verfügt über das längste Schmalspurnetz der Welt, aktuell werden zwei Neubaustrecken für den Gautrain (Verbindung zwischen Johannesburg und Pretoria über Sandton) in Normalspur gebaut, das Ziel ist die Fertigstellung zur WM. Etwa zwei Drittel der Strecken werden mangels Elektrifizierung mit Dieselloks befahren. ANGELIKA THALER Redaktion Logistik express Fachmedium Die zwei wichtigsten Häfen in Südafrika sind Durban – wo sich die größte Containeranlage Afrikas befindet – und Richards Bay, der weltgrößte Bulkterminal für Kohle. Im Jahr 2007 wurden insgesamt 183 Millionen Tonnen Fracht in Südafrikas Häfen umgeschlagen. Die acht wichtigen Handelshäfen sind Kapstadt, Durban, East London, Mossel Bay, Port Elizabeth, Richards Bay, Saldanha und Ngqura. Rund 95 Prozent aller Exporte finden auf dem Seeweg statt. Eine Schwachstelle in Südafrika ist das Stromnetz, in das lange Zeit nichts investiert wurde. Dank der Rezession kam es in der jüngeren Vergangenheit zu weniger Versorgungsengpässen ob des geringeren Bedarfs (insbesondere der Automobilindustrie), ab 2012 sollten derzeit in Bau befindliche neue Kraftwerke das Problem endgültig lösen. Geschäfte mit Südafrika Seit 2000 sorgt das Handels- und Entwicklungsabkommen „Trade and Development Cooperation Agreement“ (TDCA) zwischen Südafrika und der EU für einen deutlichen Handelsaufschwung, der durch die Krise gebremst wurde. Am 11. 08. 2009 wurden das TDCA zusätzlich zu den bisherigen Regelungen zum Güterverkehr auch um die Bereiche Migration, Gesundheit, Raumfahrt, Energie, Informationstechnologie und maritimer Transport erweitert. Trotz der Gleichbehandlungsbemühungen existiert nach wie vor ein starkes „Old Boys Network“ auf Entscheidungsebene, gute Kontakte erleichtern das Geschäftsleben und den Umgang mit Behörden ungemein. Auffallend ist die vorherrschende Formlosigkeit, auch neue Geschäftspartner sprechen einander bevorzugt mit Vornamen an. Der Umgangston ist durchaus höflich, aber zielgerichtet, ohne lang herumzureden. Das erste Treffen mit ausländischen Verhandlungspartnern findet oft an einem öffentlichen Ort wie einem Restaurant statt und dient neben dem Kennenlernen vor allem der Einschätzung, ob man vertrauenswürdig ist – dabei spielen Titel, Status und Protokoll eine untergeordnete Rolle. Trotz der Zielstrebigkeit vermissen Europäer oft ein gewisses Maß an Pünktlichkeit bei Südafrikanern, vor allem bei Afrikanern. Für Verhandlungen und Präsentationen gilt: KISS! Keep it short and simple! Lobhudeleien zu eigenen Produkten sind nicht gern gesehen. Zentrum Johannesburg Obwohl Pretoria die Hauptstadt ist, befindet sich das wirtschaftliche Zentrum in Johannesburg. Derzeit leben 3,9 Millionen Einwohner in der 1.645 Quadratkilometer großen Stadt, die 13 Sprachen sprechen. Mit Old Downtown, Sandton (Nobelbezirk) und dem Central Business District (CBD) verfügt sie über drei Zentren. Aufgrund der hohen Kriminalitätsrate übersiedelten viele Unternehmen aus dem CBD in den Norden, umgekehrt wanderte die sozialschwache Bevölkerung aus den Townships in die Innenstadt. Die Regierung ist bemüht, durch die Förderung von Wohnbauprojekten die Abwanderung der Unternehmen zu stoppen, allerdings derzeit noch wenig erfolgreich. In Sandton entsteht der neue Business-Komplex „New Commercial Centre“. Extra für die Fußballweltmeisterschaft wurden neue Verkehrssysteme geschaffen, „Transport Interchange“ und das „Bus Rapid Transit System“ (BRT), das die Stadtteile Sandton, CBD und Soweto erstmals direkt verbindet. Während die Einkaufszentren und ihre Unterhaltungs- und Restaurantbetriebe tagsüber genauso genutzt werden wie nachts, ist nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen kaum jemand zu finden – zu groß ist die Angst vor Überfällen. Wer in Südafrika erfolgreich Geschäfte machen möchte, muss sich an die Regeln halten. Am besten wendet man sich an die Wirtschaftsstelle in Johannesburg oder Vermittler vor Ort. Bequem hier in Europa zu sitzen und von hier aus zu schalten funktioniert nicht, man muss selbst vor Ort sein, die Geschäftspartner persönlich kennenlernen und ihnen so seine Wertschätzung beweisen. Hat man dann einen schwarzen Anzug, gute Englischkenntnisse, ein wenig Humor und viel Geduld im Gepäck, ist das schon die halbe Miete. Die meisten südafrikanischen Geschäftsleute sind offen, freundlich und sehr zuvorkommend, gleichzeitig risikobereit, kreativ, engagiert und motiviert – hat man sie von einer Vision erst einmal überzeugt, werden sie daran festhalten. Für gewöhnlich laufen Verhandlungen im Sinne des „Fair Play“ ab, wer sich an Abmachungen nicht hält, riskiert schnell seinen guten Ruf – und dann wird das Geschäftemachen so gut wie unmöglich. Ein kleiner Tipp zum Schluss: in Verträgen sollte auf die Fixierung sämtlicher Details und Fristen bestanden werden, dann erspart man sich böse Überraschungen. (AT) www.logistik-express.com LOGISTIK express 2|2010 39

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