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LE-2-2009

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

IM GESPRÄCH Als junger

IM GESPRÄCH Als junger Mensch stehen einem viele Wege offen. Warum haben Sie sich ausgerechnet für dm entschieden? Im zweiten Abschnitt meines Studiums an der Wirtschaftsuniversität habe ich den Schwerpunkt Handel als interessantes Feld für mich entdeckt. Nach Beendigung dieses Studiums im Jahr 1985 erfüllte ich zuerst meine Wehrpflicht und machte mich dann auf die Suche nach einer interessanten Aufgabe. Zufällig habe ich im Frühjahr 1986 ein Inserat „dm sucht Bezirksleiter“ gelesen, das mich angesprochen hat. Kurz darauf lernte ich die beiden damaligen Geschäftsführer Günter Bauer und Götz Werner kennen, und es bestand auf Anhieb eine gewisse Sympathie. Dann ging alles ganz schnell, und bereits im März 1986 habe ich als Bezirksleiter begonnen. Wie ging es dann weiter? In der Position als Bezirksleiter blieb ich gut zweieinhalb Jahre, und ich fühlte mich mit der Aufgabe sehr wohl, doch dann kam die Gelegenheit, in der neu geschaffenen Position des Verteilzentrumsleiters in der Logistik bei dm aktiv zu werden, und diese Chance habe ich ergriffen. Für mich war es ein großer Vertrauensbeweis, diese Stelle angeboten zu bekommen. In Deutschland gab es schon erste Erfahrungen mit der Logistik, das war hilfreich. Trotzdem begab ich mich auf Neuland, und deshalb absolvierte ich eine einjährige Einarbeitungsphase, in der ich bei mehreren befreundeten Unternehmern und Beratern die Materie von der Pike auf lernen konnte. Aber 23 Jahre im selben Unternehmen sind eine wirklich lange Zeit, sehnt man sich da nicht nach Abwechslung? Immer dann, wenn so im Rhythmus von zwei bis drei Jahren bei mir die Frage auftauchte, ob ich noch Spaß habe und ich in der aktuellen Position glücklich bin, hatte ich das große Glück, dass eine neue Herausforderung bei dm auf mich zukam und mir neue Aufgaben gestellt wurden. Vielleicht liegt es an meinem Sternbild Zwilling, dass ich stets neue Ziele und Herausforderungen suche. Im Jahr 1993 schließlich gewann der Logistikbereich so stark an Bedeutung, dass ich in die Geschäftsführung aufrückte, zwei Jahre später bekam ich im Zuge der Expansion zusätzlich die Regionalverantwortung übertragen. So hatte ich stets die Gelegenheit, mich innerhalb des Unternehmens neu zu orientieren, und so viel es mir auch leicht, Angebote von Headhuntern abzulehnen. „Besonnenheit bei der Einschätzung der eigenen Lage walten lassen.“ martin engelmann Mit Leib und Seele bei dm Im Jahr 1976 eröffnete die erste dm Drogeriemarkt-Filiale in Österreich, da war der heutige Vorsitzende der Geschäftsführung, Mag. Martin Engelmann, gerade einmal zarte 15 Jahre alt und hätte wohl kaum geahnt, welche Erfolgsgeschichte er später mit diesem Unternehmen hinlegen würde. Was macht in Ihren Augen einen erfolgreichen Unternehmer aus? Hier möchte ich den Firmengründer Götz Werner zitieren, der einmal sagte: „Der Handel ist die Treue zu einer großen Idee und die Liebe zum Detail.“ Ein erfolgreicher Unternehmer ist jemand, der gut mit Spannungsfeldern umgehen kann, etwa mit jenen zwischen Feigheit und Leichtsinn oder Geiz und Verschwendung – man muss die richtige Balance finden, zu gegebener Zeit Neuem begegnen und die Fähigkeit haben, Altes absterben zu lassen. Besonders schwierig ist es oft, den Grat zwischen Anonymität und Vermischtheit zu finden, vor allem, wenn Unternehmen wachsen. Da ist es wichtig, sich trotzdem noch für jeden einzelnen Mitarbeiter zu interessieren, auch wenn man ihn vielleicht nicht mehr namentlich kennt. 8 LOGISTIK express 2|2009 www.logistik-express.at

IM GESPRÄCH Bei dm gibt es eine flache Hierarchie, die Wege sind sehr kurz. Wir haben beispielsweise einen Workshop direkt in einer Filiale ausgearbeitet. Ein Geschäftsführer darf keine Berührungsängste haben, jedes Mitglied der Belegschaft ist wertvoll und hat seinen Teil zum Ganzen beizutragen. Man muss die Fähigkeit haben, die einzelnen Menschen mit der Organisation als Ganzes zu verbinden. So sollte es selbstverständlich sein, etwa mit den speziellen Bedürfnissen der Frauen im Unternehmen positiv umzugehen, wie Unterbrechungen und Wiederkehr durch Schwangerschaft oder die Verbindung von Beruf und Familie. Wir sehen Schwangerschaften positiv, denn die Gesellschaft lebt von jungen Müttern. Wir alle müssen versuchen, uns in einer Wirtschafts- und Arbeitsgemeinschaft so durch die Welt zu bewegen, dass Licht und Wärme entstehen können. Haben Sie ein Erfolgsgeheimnis? Ich habe das Glück, dass das Vertrauen der Gesellschaft in mich so groß ist, dass sie gar nicht versuchen auszuprobieren, ob ein anderer besser wäre (lacht, Anm.). Trotz allem habe ich es geschafft, am Boden zu bleiben. Nur wer sich für die Sache, in der er steckt, voll und ganz einsetzt, sich voll konzentriert und nicht in Gedanken schon beim nächsten Schritt ist, ist in der Lage, das beste Ergebnis zu erzielen. Für mich ist es selbstverständlich, mich mit der jeweils aktuellen Aufgabe völlig zu verbinden. Neben der Hingabe an den Beruf ist es unbedingt erforderlich, die eigene Work-Life-Balance im Auge zu behalten und auf seinen Energiehaushalt zu achten, denn wer kraftlos und leer ist, kann auch nichts leisten. Aber wenn man sich voll für eine Sache einsetzt, kann man darauf vertrauen, dass man auch etwas zurückbekommt. Was tun Sie zum Ausgleich neben all der Arbeit? In meiner Funktion habe ich genug Abwechslung, da ist ein Ausgleich gar nicht nötig. In meiner Freizeit bin ich ein begeisterter Golfspieler, jedoch ganz bewusst vom Geschäftlichen getrennt. Ich nutze das Golfspiel zum mentalen Ausgleich, und um Demut zu lernen: Denn immer, wenn man glaubt, man kann es, merkt man schon beim nächsten Schlag, dass man es nicht kann. Das Golfspielen ist eine Metapher für das ganze Leben: Die Voraussetzung, um den nächsten guten Schritt zu machen ist stets, den bereits gesetzten so zu akzeptieren, wie er ist, denn man kann ihn nicht ändern. Das gilt fürs Golfspiel genauso wie für unternehmerische Initiativen oder private Beziehungen. Ein schöner Spruch lautet: „Misserfolg ist nicht, wenn man hinfällt, sondern Erfolg ist, wenn man „Nur wer sich voll für eine Sache einsetzt, erzielt das bestmögliche Ergebnis.“ martin engelmann aufsteht“, und daran sollte sich jeder halten. Abseits des Golfplatzes genieße ich die Zeit mit meiner Familie, in unserem Haus und Garten. Wir leben in einem ganz normalen mittelständischen Einfamilienhaus auf dem Land. Um nicht zu viel Rasen mähen zu müssen, haben wir einen Pool und einen Gartenteich und erfreuen uns der Ruhe in netter Nachbarschaft. Im Frühjahr sieht man hier überall blühende Mostbäume, und zudem das ganze Jahr über allerlei an Getier. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, ein beschauliches Landleben entspricht genau meinen Vorstellungen. Meine beiden Söhne sind fast erwachsen, da merkt man als Vater, wie sich die Rolle ändert, vom Behüter hin in Richtung partnerschaftliches Verhältnis. Aber das ist der Lauf der Dinge. Wie erleben Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation? Erst vor kurzem hatten wir ein Meeting darüber, ob und in welchem Ausmaß sich die Situation auf unser Unternehmen auswirkt. Glücklicherweise ist dm Teil einer Branche, die unter dem wirtschaftlichen Einbruch kaum leidet. Die gesamtkonjunkturelle Situation müsste noch wesentlich schlechter werden, um das Konsumverhalten der Bevölkerung hinsichtlich Nahrungsmitteln und Drogeriewaren spürbar zu beeinträchtigen. Daher rate ich auf diesem Gebiet allen Unternehmen, ruhig Blut zu bewahren und keine überstürzten Aktivitäten zu setzen, denn diese würden eine Teufelsspirale in Gang setzen. Viele Branchen sind von den wirtschaftlichen Problemen noch lange nicht oder nur kaum tangiert, deren Vertreter sollten jetzt keinesfalls hysterisch werden, sondern Besonnenheit bei der Einschätzung der eigenen Lage walten lassen. Das Unternehmen Die erste dm-Filiale eröffnete 1973 in Karlsruhe, drei Jahre später die erste österreichische Filiale in Linz. Im Jahr 1992 begann die Expansion von dm Österreich nach Tschechien, Ungarn und Slowenien. Heute gibt es in den östlichen Nachbarstaaten bereits 651 Filialen, das Netz spannt sich über Kroatien (104), Tschechien (160), Slowenien (61), Bosnien- Herzegowina (17), Serbien (23), Ungarn (225), Rumänien (7) und die Slowakei (71), Filialen in Bulgarien sind im Entstehen. Das 25.000 m2 große Verteilzentrum in Enns versorgt nicht nur die 354 österreichischen Filialen, sondern auch die acht weiteren Verteilzentren in Mittel- und Osteuropa. 4.901 Mitarbeiter in Österreich leben und arbeiten nach dem Motto „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein.“ www.logistik-express.at LOGISTIK express 2|2009 9

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