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LE-2-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

AKTUELL Gäbe es keinen

AKTUELL Gäbe es keinen Verkehr, keine Transporte und keine Logistik, würden Sie diesen Text nicht lesen – denn dieses Heft würde noch in der Druckerei liegen. Trotzdem erlangt man manchmal den Eindruck, die Transportwirtschaft, mit allem was dazugehört, sei einerseits das ungeliebte Stiefkind der Politik, andererseits ein willkommener Goldesel. Dass die Cash-Cow der Nation dessen ungeachtet Höchstleistungen erbringt und Österreich in punkto Logistikleistungsfähigkeit weltweit an 5. Stelle rangiert, ist nicht zuletzt besonders engagierten, teils idealistischen Unternehmern zu verdanken. Noch mehr Hürden Bei dem im April veranstalteten Hintergrundgespräch des Zentralverbands Spedition & Logistik wurde deutlich, dass die Branche zwar gut in das Jahr 2008 gestartet ist, aktuelle negative Einflüsse und Trends die erfreuliche Entwicklung jedoch nur allzu rasch bremsen könnten. Die von den USA ausgehende Banken- und Immobilienkrise könnte zu restriktiveren Kreditvergaben und damit zur Eindämmung der Investitionsfreude führen. Doch besonders die politischen Entwicklungen machen den Unternehmern zu schaffen: die Mauterhöhung um 2,2 Prozent mit 1. Mai 2008 ist nur der Anfang. Setzt die EU im Juni die neue Wegekostenrichtlinie und damit die Internalisierung externer Kosten (Lärm, Luftverschmutzung, Verkehrsunfälle etc.) in Kraft, könnten sich die Mautkosten je nach Verkehrsträger um mehr als 200 Prozent erhöhen. „Die Frage ist, bis zu welcher Höhe die Anhebung der Transportkosten sinnvoll ist und ab wann einfach nicht mehr jedes Produkt überall hin kommt“, bringt es KR Dkfm. Harald Bollmann, geschäftsführender Vize-Präsident des ZV Spedition & Logistik, auf den Punkt. Die von vielen Seiten geforderte Verlagerung des Gütertransports auf die Bahn, die durch steigende Maut ebenfalls forciert werden soll, ist nur bedingt eine Alternative – schließlich finden mehr als 80 Prozent aller Transporte innerhalb von 80 Kilometern statt. „Das ist der Nahverkehr, und der ist ausschließlich auf der Straße möglich“, erklärt Bollmann. Heimischer Exporterfolg – ohne Logistik undenkbar Im Jahr 2007 wurden Waren im Wert von € 121,33 Mrd. exportiert und Waren im Wert von € 116,24 Mrd. importiert. Ohne ausgefeilte Logistiklösungen wäre dieser immense Warenumschlag undenkbar. Gemessen an der Leistungsfähigkeit der Logistiker reihte die Weltbank Österreich weltweit an 5. Stelle – ein klarer Beweis für die Qualität der erbrachten Logistikstandort Österreich in Gefahr? Österreichs Logistikunternehmen befinden sich im Aufwind, doch geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen und neue Hürden bedrohen den nachhaltigen Erfolgsweg und den Logistikstandort Österreich. TEXT: ANGELIKA THALER Leistungen. Um diesen hohen Standard halten zu können, brauchen Österreichs Spediteure dringend stabile und planbare Rahmenbedingungen, da kurzfristige Änderungen – wie etwa die Mauterhöhung nach nur dreimonatiger Vorlaufzeit – existenzielle Probleme mit sich bringen können. So ist beispielsweise die Weiterverrechnung von plötzlichen Mehrkosten bei bereits laufenden Verträgen oftmals unmöglich. Ein großes Problem ortet Bollmann auch in der Wahrnehmung der Funktion der Spediteure durch die Bevölkerung: „Leider setzen noch immer viele die Spedition mit dem LKW gleich. Dabei spielt die Logistik in jeder Volkswirtschaft eine Schlüsselrolle und übernimmt hochkomplexe Aufgaben, die über die eines reinen Güterbeförderers weit hinausgehen – und das unabhängig von einem Verkehrsträger.“ DREI STIMMEN AUS DER HEIMISCHEN WIRTSCHAFT ZUR PROBLEMATIK KR Dkfm. Harald Bollmann (Geschäftsführender Vize-Präsident des ZV Spedition & Logistik) „Produktivität setzt sich aus Nebenkosten und fehlerfreiem Arbeiten zusammen – und die Qualität ist in Österreich noch immer höher FOTOS: ISTOCKPHOTO.COM (2) 6 LOGISTIK express 2|2008 www.logistik-express.at

AKTUELL als in den Nachbarländern“, erklärt KR Dkfm. Harald Bollmann, u.a. Obmann der Sparte Verkehr in der WKO, warum unser Land nach wie vor ein gefragter Logistikstandort ist. Mehrere Kriterien seien dabei ausschlaggebend: Qualität, Sicherheit, technischer Stand, Präzision bei der Ausführung, die Ausbildung der MitarbeiterInnen, der Chip als Qualitätskontrolle und auch Zertifizierungen. „Aber der Staat müsste vorausschauen und abwägen, wie teuer der Transport werden darf, damit Österreich am Weltmarkt nicht zurückfällt“, spricht er einen wichtigen Punkt hinsichtlich der Mauterhöhungen an. Um den Standort für die Güterwirtschaft weiter interessant zu halten, schlägt er neben der Einrichtung der durchgängigen Schifffahrtsstraße den Vorrang der Güterzüge bei Nacht zur Gewährleistung des Nachtsprunges vor. Ein Straßenbeförderungsverbot für bestimmte Güter hält Bollmann für nicht zielführend: „Eine Ökologisierung der Maut durch eine Positiv- Negativ-Steuer wäre viel sinnvoller, die Besteuerung sollte sich nach Emissionen statt nach Gütern richten. Das Aufzählen einzelner Güter ist rein subjektiv – wer soll hier entscheiden?“ Doch auch die Bahn ist für ihn nicht der Weisheit letzter Schluss: „Leider ist die Bahn relativ laut, es gibt hier zwar eine höhere Akzeptanz des Lärms, aber nicht unendlich, und was machen wir dann – die Bahn verbieten?“ Walter Konzett (Direktor für Produktmanagement Landverkehre, Gebrüder Weiss GmbH) „Österreich belegt bei der Weltbankstudie den fünften Rang, besonders bei internationalen Verbindungen sind wir topp“, ist Walter Konzett von der Qualität des Logistikstandorts Österreich überzeugt und fährt fort: „Bei der Logistikkompetenz liegen wir sogar auf Platz 4, das verdanken wir unseren ausgezeichneten Humanressourcen.“ Österreich biete hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten, was auch die im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten (noch) rechtfertige. Doch auch die kulturelle Affinität sei ein Grund für die hervorgehobene Rolle Österreichs in den CEE-Ländern. Um diese Rolle halten zu können, sieht Konzett dringenden Handlungsbedarf: „Im Bereich der Infrastruktur brauchen wir schnellstmöglich verbesserte Straßenverbindungen nach CEE, den durchgehend dreispurigen Ausbau der Autobahnen und die Ausbauten spezieller Güterterminals für kombinierten Bahnverkehr, beispielsweise in Inzersdorf, Wels, Salzburg und Vorarlberg. Die Infrastruktur muss mit der Entwicklung mithalten“, fordert er. Doch auch bei der positiven Verkehrssteuerung sieht Konzett noch Mängel: „Es fehlen hier intelligente Konzepte, schnelle Verbindungen von A nach B sollten Vorrang haben, damit die Versorgung im angemessenen Zeitrahmen erfolgen kann. Keiner gewinnt, wenn Fahrzeuge im Stau stehen.“ Mag. Elmar Wieland (Vorstandsvorsitzender SCHENKER & CO AG) „In Österreich herrscht kein verkehrsfreundliches Klima“, spricht es Mag. Elmar Wieland direkt aus. Vor allem die starke Betonung der Transitproblematik bereitet ihm Sorgen, denn „Österreich funktioniert ohne Transport nicht.“ Trotz erschwerter Rahmenbedingungen sieht Wieland Österreich im internationalen Vergleich in einer sehr guten Position: „Wir verfügen über sehr leistungsfähige Transportunternehmen, gute Ausbildungsmöglichkeiten und sehr viele engagierte Unternehmer, die die Branche aufgebaut haben. Durch die Ostöffnung hat unser Land massiv gewonnen, wenngleich die Drehscheibenfunktion nach Osteuropa ein wenig nachgelassen hat.“ Im Gegenzug habe der bilaterale Verkehr stark zugenommen. „Österreich hat in Europa im Güterverkehrsbereich einen Stellenwert, der weit übers Land hinausgeht“, ist er überzeugt. Besonders Österreichs Verkehrswirtschaft habe ihre Chancen in Osteuropa stark genutzt, vor allem in den Bereichen Bahn, LKW und Spedition. „Leider gibt es nur sehr bescheidene und schwer zugängliche Förderungen für die Logistik“, sieht Wieland die Politik gefordert. Als positives Beispiel für den Umgang mit Verkehr nennt er Holland. Ein weiterer markanter Schwachpunkt Österreichs seien die umfangreichen und aufwendigen Verfahren: „Wir verwalten uns langsam aber sicher ins Abseits“, bemängelt Wieland die Schwierigkeiten, die Verkehrsbetriebe zum Beispiel bei der Beantragung von Neubauten zu bewältigen haben. Die Zukunft der Mobilität liegt für den Transportfachmann in Hybridantrieben und Brennstoffzellen: „Derzeit herrscht bezüglich Hybridantrieben noch ein niedriges Niveau in Österreich, aber das wird sich ändern.“ Die wichtigsten Forderungen der Spediteure und Logistiker an die EU und Österreich Vom Zentralverband Spedition & Logistik wurde ein Forderungskatalog für nachhaltige, ökologisch sinnvolle Verkehre - sustainable mobility - entwickelt und vorgestellt. LUFTFRACHT Öffentliche Informationen der Flughäfen über Emissionswerte der landenden/startenden Maschinen Lande- und Startgebühren orientiert an Emissionswerten der Flugzeuge Tempolimits und Flughöhenbeschränkungen im innereuropäischen Raum SEEFRACHT Ausbau der Häfen in Ost-und Südeuropa mit gleichzeitigem Ausbau des Straßenund Schienen-Anbindungs-Netzes nach Österreich Förderung der Forschung für emissionsreduzierende Antriebsmöglichkeiten von Container-Schiffen STRASSENVERKEHR Anreize für Frächter schaffen, auf Euro-5- LKW umzusteigen Ökologisierung der Straßenmaut: Vorteile für Euro 5 und Biodiesel Garantie für Steuerbefreiung alternativer Kraftstoffe bis mind. 2020 Berücksichtigung der Breite von Giga- Linern bei Straßenkonzepten BAHN Vierspuriger Ausbau der Westbahn, Anbindung an Bratislava Rascher Ausbau der Terminals Linz, Wels und Wien www.logistik-express.at LOGISTIK express 2|2008 7

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