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LE-2-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

IM FOKUS Die 1926

IM FOKUS Die 1926 gegründete Schirnhofer- Unternehmensgruppe zählt zu den größten Fleisch- und Wurstwarenerzeugern in Österreich. Mit nur 31 Jahren übernahm Karl Schirnhofer jun. den elterlichen Betrieb und hat sich als engagierter Streiter für biologische Lebensmittelerzeugung einen Namen gemacht. Im Interview mit Logistik Express nimmt der Visionär zu aktuellen Themen Stellung: Herr Schirnhofer, wie sehen Sie den Wirtschaftsstandort Österreich im Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit? Der Wirtschaftsstandort Österreich ist für die Lebensmittelerzeugung ein sehr guter, da wir durch Urproduktion, Rohstoffe, Technologien und Arbeitskräfte über gute Voraussetzungen verfügen. Auch wäre Österreich von den Rahmenbedingungen dazu prädestiniert, der viel zitierte „Feinkostladen Europas“ zu werden, wenn grundlegende Qualitätsrichtlinien eingehalten würden und an einer sehr umfassenden Positionierung gearbeitet würde. Für die Distribution von temperaturempfindlichen Waren wie Fleisch und Wurst ist eine zuverlässige Logistik unerlässlich. Wie geht Schirnhofer hier vor? Worauf muss man achten? Welche Tipps haben Sie für Logistiker, was man besser machen kann? Wir haben uns über die Jahre ein sehr ausgeklügeltes EDV-gesteuertes Logistiksystem aufgebaut, das - entsprechend unseren Absatzschienen - unterschiedlichen Anforderungen gerecht wird. Das „Herzstück“ dabei ist unser eigener Kühlfuhrpark, der sehr flexibel ist. Eine Kombination unseres Fuhrparks mit externen spezialisierten Kühllogistikern, die in ihrer Größenordnung überschaubar sind, rundet unser Logistiksystem perfekt ab. Für die österreichweite Gastronomiebelieferung sind wir mit dem Frischelogistiker Kröswang aus Oberösterreich eine umfangreiche Partnerschaft eingegangen, durch die eine 24 Stunden-Liefergarantie für Gastronomiebetriebe in ganz Österreich erreicht werden kann. Qualität ist mehr als nur ein Schlagwort für Schirnhofer. Doch wie sehen Sie die Qualität in Österreich allgemein? Inwieweit muss hier noch etwas getan werden? Welche Kontrollen sind sinnvoll und wie? Ich bin der Meinung, dass wir in Österreich qualitativ sehr hochwertige Leitbetriebe haben, aber auch solche, die aus unterschiedlichsten Gründen gewisse Qualitätslevels nicht erreichen können oder wollen. Speziell „Österreich wäre von den Rahmenbedingungen dazu prädestiniert, der “Feinkostladen Europas” zu werden“ KARL SCHIRNHOFER Gut ist nicht gut genug Karl Schirnhofer, Geschäftsführer des Schirnhofer-Unternehmensgruppe, über den Standort Österreich, Qualität, logistische Meisterleistungen und Alltagssorgen. TEXT: ANGELIKA THALER im Lebensmittelbereich hat sich in den letzten Jahren sieben bis zehn Jahren viel getan, um die Qualität zu steigern. Hohe Qualitätsund Hygienestandards wie die International Food Standard-Zertifizierung sind bei vielen Betrieben schon erreicht. Auch Herkunftsund Qualitätssiegel wie das AMA-Gütesiegel setzen sich – wenn auch teilweise schleppend – langfristig gesehen durch. Ausschlaggebend dafür sind die immer größer werdenden Anforderungen der Konsumenten, die zu Recht hohe Qualitätsstandards erwarten. Vor allem 16 LOGISTIK express 2|2008 www.logistik-express.at

IM FOKUS in der Lebensmittelbranche ist das sehr wichtig, da Skandale wie z.B. der Schweineskandal insgesamt einen riesigen Schaden anrichten. Hier ist jedoch noch sehr viel zu tun, vor allem was die Herkunft der Rohstoffe betrifft. Wo Österreich drauf steht, sollte auch überall Österreich drinnen sein. Grundsätzlich trete ich für sehr strenge Qualitäts- und Herkunftskontrollen ein. Deshalb haben wir auch in einem über sechs Jahre andauernden und sehr aufwendigen Prozess ein Qualitätsmanagementsystem für Lebensmittel aufgebaut, das in Europa einzigartig ist. In diesem QMS-System sind sogar unsere einzelnen Vertragslandwirte mit allen Beteiligten und Prozessen der Produktionskette online vernetzt. Externe Kontrollfirmen prüfen dieses QMS-System. Es wäre sinnvoll, dieses System österreichweit einzusetzen, da es eine größtmögliche Qualität und Sicherheit für unsere Partner, den Lebensmittelhandel und vor allem für die Konsumenten garantiert. Viele Branchen klagen über Arbeitskräftemangel. Auch Sie expandieren – haben Sie Probleme, geeignetes Personal zu finden? Was tun Sie dafür, die richtigen Leute zu finden und sie dann auch zu halten? Wir haben keine großen Probleme, gute Arbeitskräfte vor allem aus der Region rund um unsere Produktionsstätten zu bekommen, weil wir ein sozial sehr engagierter Arbeitgeber sind und die MitarbeiterInnen im Mittelpunkt stehen. Dies bestätigen uns Preise wie der zweite Platz beim Constantinus Award 2004, der steirische Gesundheitspreis in Gold 2006 oder der TRIGOS 2008. Die MitarbeiterInnen sind das größte Kapital eines Unternehmens, und dementsprechend handeln wir auch. Oft sind es nicht nur die Verdienstmöglichkeiten, die „Anreiz“ für den Job geben, sondern immer stärker der Umgang und die Betreuung der MitarbeiterInnen. Auch die Persönlichkeitsentwicklung jedes Einzelnen wird bei uns gefördert, wir wenden über 400 Seminartage jährlich dafür auf. Zusätzliche Angebote wie kostenlose Verpflegung oder ein Sozialfonds fördern die Attraktivität des Unternehmens derart, dass wir sogar weibliche Fleischerlehrlinge haben. Dank all dieser Faktoren sind wir in der Lage, die richtigen Leute zu finden und auch zu halten. Unsere Fluktuationsrate im Produktionsbereich liegt unter fünf Prozent. Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit und wie leben Sie sie? Was raten Sie anderen? Was muss die Politik tun/ändern? „Im Lebensmittelbereich hat sich in den letzten Jahren viel getan. Hohe Qualitäts- und Hygienestandards sind in vielen Betrieben erreicht.“ KARL SCHIRNHOFER Nachhaltigkeit bedeutet für mich, unsere Lebensbedingungen langfristig zu erhalten. Erfolgreich Wirtschaften und verantwortungsvoll Handeln sind kein Widerspruch. Durch die Klimaveränderungen und deren Auswirkungen ist es höchste Zeit, dass wir alle ernsthaft handeln, um unsere Lebensgrundlagen zu sichern. Wir haben uns aus diesem Grunde einer ethischen Lebensmittelerzeugung verschrieben. Meine Vertragsbauern und ich arbeiten intensiv an artgerechter Haltung, gentechnikfreier Fütterung, biologischer Wirtschaftsweise etc., die wir in vielen Bereichen bereits umgesetzt haben. Als wesentlicher Partner der Ökoregion Kaindorf und des Naturparks Almenland helfen wir mit zu beweisen, dass Ökologie und Ökonomie in ländlichen Regionen vereinbar sind. Kürzlich ist das Importverbot für Genmais gefallen – wie sehen Sie das? Welche Argumente würden Sie der EU geben, damit sie nicht vor den USA in die Knie gehen muss? Zur Person Karl Schirnhofer Seit 1926 gibt es in der Oststeiermark den Fleischereibetrieb Schirnhofer. 1981, mit 31 Jahren, übernahm Karl Schirnhofer jun. die Agenden des Unternehmens. Um den Inlandsmarkt zu festigen, hat Karl Schirnhofer wohl die weitreichendste Entscheidung für die Firma getroffen: Seit Juli 1997 wurden die Feinkostabteilungen der Zielpunkt Warenhandel GesmbH & Co KG übernommen. Derzeit werden ca. 245 Feinkostabteilungen in Zielpunkt- und Plus-Märkten als "shop in shop" geführt. Der in den Jahren 1990/91 neu errichtete Betrieb außerhalb von Kaindorf Ich beschäftige mich bereits seit mehreren Jahren mit dem Thema Gentechnik. Wir haben unser exklusives ALMO-Almochsenprogramm bereits seit knapp zwei Jahren auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt, und auch unser groß angelegtes Bio-Schweineprogramm ist gentechnikfrei. Aus den vielen Informationen, die mir heute vorliegen, kann ich speziell für die „grüne Gentechnik“ keine Argumente finden, die gentechnisch veränderte Organismen rechtfertigen. Gentechnik ist wider die Natur, da artfremde Gene in Pflanzen oder Tieren eingesetzt werden. Deshalb bin ich strikt gegen die „grüne Gentechnik“, denn sie ist laut vielen unabhängigen Experten irreparabel. Werden GVO´s einmal in Gebieten angepflanzt, gibt es kein Zurück mehr. Das ist höchst alarmierend, denn die Artenvielfalt, die für das Weiterbestehen der Natur wesentlich ist, wird so zerstört. Jetzt ist das Importverbot für Genmais gefallen und es ist hoffentlich nicht eine Frage der Zeit, dass GVO-Pflanzen angebaut werden. Es gibt in Amerika ernsthafte Bestrebungen großer Konzerne, die Gene der Schweine zu patentieren bzw. gentechnisch zu verändern. Was das für die landwirtschaftliche Urproduktion bedeutet, brauchen wir nicht näher zu diskutieren. Sie gelten allgemein als Führungspersönlichkeit mit Elan. Wie wird man dazu? Welche Tipps würden Sie einem ambitionierten Berufseinsteiger geben? Ich würde mich nicht als Führungspersönlichkeit mit Elan bezeichnen, sondern eher als einen Unternehmer, der alles daran setzt, seine Vision umzusetzen und dabei eine Vorreiterrolle einzunehmen. Eine Führungspersönlichkeit wird man meiner Meinung nach dann, wenn man einerseits klare Vorstellungen hat, von dem was man machen und bewegen will, sowie ehrlich, fair aber auch sehr geradlinig mit MitarbeiterInnen umgeht und so eine Vorbildwirkung erreicht. Die Gesellschaft orientiert sich an Vorbildern. Ich möchte meinen MitarbeiterInnen ein positives Vorbild sein, in dem ich ihnen zeige, dass eine ethische Lebensmittelerzeugung zum Vorteil aller ist, auch für sie als MitarbeiterInnen selbst. Denn nur, was man selbst vorlebt, ist auch glaubwürdig. Meine Tipps an ambitionierte Berufseinsteiger: Ständig danach trachten, besser zu werden und ja nicht ins Mittelmaß verfallen. Mut haben, etwas Neues zu beginnen und sich nach vorn orientieren. Sich nicht ausschließlich von Zahlen leiten lassen, sondern auch auf das „Bauchgefühl“ achten. www.logistik-express.at LOGISTIK express 2|2008 17

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