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LE-1-2014

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

BLICKPUNKT Klimaziele

BLICKPUNKT Klimaziele ohne Atomkraft erreichen? Ja, das geht! Egal ob Fukushima oder Tschernobyl, der Gedanke an Atomunfälle jagt vielen einen kalten Schauer über den Rücken. Österreich hat zwar kein AKW, aber radioaktive Wolken kennen keine Grenzen. 100%ige Sicherheit vor solch einem Unfall gibt es nur ohne AKW – doch geht das überhaupt? Mehr Menschen, mehr Technik, da braucht man doch mehr Energie, und die soll sauber sein, denn der Klimawandel ist jetzt schon kaum aufzuhalten. AKW müssen also sein? NEIN! Denn eine brandneue Studie zeigt: es geht auch ohne! REDAKTION: ANGELIKA GABOR Atomkraft ist ein heißes Thema – nicht nur wegen der benutzten Brennstäbe (für die es immer noch keine akzeptable Endlösung gibt). Die Positionen innerhalb Europas sind diesbezüglich tief gespalten, auf der einen Seite stehen Länder wie Deutschland, die den Ausstieg aus der Atomkraft und die Schließung bestehender Meiler planen. Auf der anderen Seite stehen Länder wie Ungarn, die auf den Ausbau der bestehenden Kraftwerke abzielen, weil sie sich unter anderem durch den Ausstieg anderer einen Gewinn durch den Stromexport erhoffen. Dazwischen liegt der erklärte Atomkraftgegner Österreich, das sich in einer Volksabstimmung bereits 1978 gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf aussprach und 1999 die Atomfreiheit in den Verfassungsrang hob. „Anlagen, die dem Zweck der Energiegewinnung durch Kernspaltung dienen, dürfen in Österreich nicht errichtet werden. Sofern derartige bereits bestehen, dürfen sie nicht in Betrieb genommen werden“ (§ 2, Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich). Laut deutschem Statistikportal statista waren mit Jänner 2014 verteilt über ganz Europa 144 Kernreaktoren in Betrieb, davon alleine 58 in Frankreich. Hinzu kommen 33 russische Atomkraftwerke. Angst vor „Licht aus“ Die Debatte wird selten neutral geführt, beliebt ist bei den Befürwortern die Aufzeichnung des Horrorszenarios von weitflächiger Stromunterversorgung. Und wer will schon, dass das Licht ausgeht? Im Gegenteil, es bleibt zu hoffen, dass auch diesen Menschen bald das Licht „aufgeht“, beispielsweise wenn sie die Ergebnisse der absolut seriösen Studie „Phase out of Nuclear Power in Europe – from Vision to Reality“ (Europa 2030 ohne Atomkraftwerke) zu Gesicht bekommen, die in Kooperation zwischen der TU Wien, Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe, Energy Economics Group (TU WIEN, EEG) mit der Stiftung Umweltenergierecht (SUER) erstellt wurde. Denn diese besagen eindeutig, dass ein Ausstieg aus der Atomenergie bereits bis 2030 unter Berücksichtigung der Erreichung der langfristigen Klimaziele bis 2050 durchaus realisierbar ist – wenn alle Länder an einem Strang ziehen und gemeinsam die dafür nötigen Schritte setzen. Keine Utopie Vorhergehende Studien, die von einem möglichen Atomenergieausstieg bis 2035 ausgegangen waren, sprechen von einer Stromproduktion von 78 TWh europaweit im Jahr 2030 – das entspräche 2,2 Prozent des europäischen Gesamtstrombedarfs (vgl. „energy [r]evolution“). Diese mögliche „Lücke“ kann auf zwei Arten geschlossen werden: den vermehrten Ausbau erneuerbarer Energien oder die Steigerung der Energieeffizienz. Klar ist, dass manche Staaten wie etwa Frankreich kurzfristig auf den Import von Strom angewiesen sein werden, dafür produzieren andere Länder wie etwa Spanien bis dahin Überschüsse. Hier muss rechtzeitig in den Infrastrukturausbau auf europäischer Ebene investiert werden, um einen reibungslosen Stromfluss zu ermöglichen. Nötige Maßnahmen Die Studie listet eine Reihe von Maßnahmen auf, die seitens der EU und der Mitgliedsstaaten besser heute als morgen beschlossen und umgesetzt werden müssen, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen und nachfolgenden Generationen ei- 6 LOGISTIK express Ausgabe 1/2014 www.logistik-express.com

BLICKPUNKT ne strahlungsfreie Zukunft ohne unzählige neue Atommülldeponien zu bieten (Vgl. Europa 2030 ohne Atomkraftwerke, Executive Summary in Deutsch): • Das Setzen von verbindlichen Zielen für die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau Erneuerbarer Energie bis 2030 auf EU Ebene und nationaler Ebene. • Best-Practice-Fördermodellefür erneuerbare Energie, die das Investitionsrisiko gering halten, aber die Marktintegration gewährleisten, sollen europaweit angewendet werden. Es geht um technologiespezifische Unterstützung, d.h. für die einzelnen erneuerbaren Energieträger sollen nötige und spezifisch abgestimmte Förderungen zur Verfügung stehen. • Gleichzeitig sind neue Marktregeln notwendig, sodass dem europäischen Energiesystem hinreichend „Back-Up“ Kapazitäten zur Verfügung stehen. • Die Verringerung von nicht-ökonomischen Barrieren zum Ausbau erneuerbarer Energie (wie z.B. lange Genehmigungswege oder die Verhinderung von Netzzugängen). • Damit gleichzeitig die Klimaziele erreicht werden können, ist ein etablierter CO2 Preis notwendig, um vorgestrige Kohleverstromung durch neue CO2 ärmere Erzeugungstechnologien zu ersetzen. • Eine klare Koordination von Klima-, Erneuerbaren- und Energieeffizienzzielen ist notwendig. Österreich ist auf einem guten Weg, aber wir leben nicht auf einer Insel, die von Außeneinflüssen isoliert ist. Erfreulich ist, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2012 schon bei über 32 Prozent lag. Das bedeutet im EU-Vergleich den 4. Rang und ein überaus positiv stimmendes Signal hinsichtlich der Erreichung des an die EU gemeldeten freiwilligen 2020-Ziels von 34 Prozent (der EU-Schnitt liegt übrigens bei einem Ziel von 20 Prozent). Trotzdem darf sich Österreich nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen, gerade bei der Energieeffizienz gibt es noch viel Potenzial. Glücklicherweise wurde die Förderaktion für die thermische Sanierung auch angesichts der dringend notwendigen Budgetkonsolidierung verlängert, 2014 stehen wieder 100 Millionen Euro dafür zur Verfügung. In unseren Nachbarländern sieht es teilweise leider ganz anders aus: bei unserem größten Nachbarn Deutschland lag der Anteil an Atomstrom im Jahr 2012 bei 6,1 Prozent – Tendenz allerdings fallend. Bis 2022 sollen nach einem Beschluss der Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel schrittweise sämtliche AKW in Deutschland abgeschaltet werden. Dass sie dem Land – entgegen böser Unkenrufe der Atombefürworter – einen großen Gefallen tut, beweisen Recherchen des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR), denen zufolge sich Deutschland und die Energiekonzerne aufgrund des Atomausstiegs 82 Mrd. Euro Kosten für Neu- oder Ersatzbau alternder Atomkraftwerke sparen werden. Bau und Betrieb von Kernkraftwerken sind extrem teuer, sie stellen in manchen Gegenden ein möglicherweise verlockendes, da kaum zu schützendes Anschlagsziel dar, der Abbau von Uran äußerst umweltschädlich – abgesehen davon, dass Uran ebenso wie Erdöl nur begrenzt verfügbar ist. Eigentlich spricht nichts für AKW! Daher bleibt die Hoffnung, dass auch andere Länder, die derzeit noch keinen Ausstieg planen, ihre Position noch ändern. „Investition in Kernenergie behindert bzw. verzögert Investitionen in Effizienzmaßnahmen und behindert daher nachhaltige, ressourcenschonende Lösungen“ und „Nach den Grundsätzen der Kostenwahrheit und des Verursacherprinzips sind die Lasten der Energiegewinnung ausschließlich von jenen Generationen zu tragen, die sich ihrer bedienen. Dies schließt den Einsatz der Kernenergie in der Form der verfügbaren und heute absehbaren Konzepte aus“, steht im Argumentarium „Kernenergie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ des Lebensministerium. Vielleicht sollte man dieses den zuständigen EU-Politikern vorlegen. Relevanz? LKW fahren nicht mit Atomkraft, Wasserstoff aus Atomkraft zu gewinnen ist viel zu aufwändig. Trotzdem ist das Thema auch für die Transportbranche relevant, da es für die Industrie und die Gesamtwirtschaft von Bedeutung ist. Produzenten sind – wie eigentlich heutzutage alle – auf Strom angewiesen, und bei internationalen Standorten heimischer Betriebe ist es daher nicht auszuschließen, dass mit Atomstrom gearbeitet wird. Investitionen in neue, energiesparende Technologien bedeuten immer einen Aufwand, der sich in der Bilanz vielleicht nicht so schön liest – gerade bei börsennotierten Unternehmen. Trotzdem sollte allen bewusst sein: die Energiewende schaffen wir nur gemeinsam. Und das ist jede Anstrengung wert. (AG) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 1/2014 7

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