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LE-1-2014

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

transport Statistik

transport Statistik Binnenschifffahrt – Donauschotter als „Joker“ Die Binnenschifffahrt ist europäisch, grün, groß und kostengünstig. Trotzdem bleibt die Logistik lieber an Land, bleibt sie wirklich lieber an Land? REDAKTION: PETER BAUMGARTNER Das internationale „Jahr der Statistik 2013“ sollte ursprünglich die Gelegenheit bieten, um die Statistik einmal zu feiern und zu fördern. Weltweit wollte man ihre Bedeutung für die breite Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu rufen. Allein, 2013 wurde für die Statistik ein Jahr wie jedes andere. Dabei spielt die amtliche Statistik tatsächlich eine – oft existenzielle - Schlüsselrolle. Neutrale und objektive statistische Informationen sind für alle Entscheidungsträger unerlässlich. Vielmehr noch, statistische Informationen bilden sogar das Fundament für transparente und offene politische Entscheidungen auch in der Logistik. Deshalb sind amtliche Statistiken für das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft nicht nur ein grundlegendes Gut. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Informationsflut sind amtliche Statistiken oft die einzige seriöse Datenquelle. Jeder Versuch ihre Bonität in Frage zu stellen, schwächt die freie Meinungsbildung und vermittelt – wie im Fall der Binnenschifffahrt – einen falschen Eindruck (Schiff nur für Massengut) oder gar falsche Entscheidungsgrundlagen. Was aber ist Statistik überhaupt? Die meistzitierte Antwort auf diese Frage wird oft dem alten Mississippi Lotsen Mark Twain zugeschrieben und lautet: „Es gibt drei Arten von Lügen – Lügen, verdammte Lügen und Statistiken“. Vielleicht hat sich Mark Twain schon damals über die statistischen Daten seiner Wasserstraße geärgert. Der statistische Durchschnittskonsument gibt sich aber mit der Philosophie zufrieden, dass eine Statistik nichts anderes ist als eine Hypothese, die jedenfalls solange Gültigkeit hat, bis das Gegenteil bewiesen ist. Tatsächlich gibt es in der Binnenschifffahrt einige solcher Hypothesen, die gerne als „amtliche Statistik“ verkauft werden. Kaum jemand macht sich aber die Mühe, diese Hypothesen zu überprüfen und schon gar nicht, sie Volumen statt Gewicht. GroSSe Änderungen in der Peter Baumgartner zu widerlegen. Wie wichtig die amtliche Statistik aber gerade in der Binnenschifffahrt ist, hat zuletzt die grundsätzliche Feststellung der Bundesregierung in Bezug auf die Kategorisierung der Wasserstraßen in Deutschland gezeigt1. Die (teilweise falsche) Datenlage über die auf den jeweiligen Wasserstraßen transportierte Ladungsmenge hat quasi über „Leben und Tod“ entschieden. Aber nur weil Daten verfügbar sind, müssen sie noch lange nicht richtig und schon gar nicht nützlich sein. Mehr Daten müssen auch nicht qualitativ besser sein, zumal statistische Daten (leider) ohnehin nur quantitative Beschreibungen eines Transportvorganges liefern können. Das Europäische Statistikgesetz nennt als wichtige Ziele die Erreichung eines hohen Maßes an Kohärenz und Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Statistiken als vorrangige Aufgabe. Damit die Kommission die gemeinsame Verkehrspolitik und die verkehrsrelevanten Elemente der Regionalpolitik und der Politik der transeuropäischen Netze verfolgen und weiterentwickeln kann, benötigt sie Statistiken über die Beförderung von Gütern auf Binnenwasserstraßen. Die Nutzer der Datenlage sollten also im Idealfall aus der Statistik den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt der Gemeinschaft ablesen können. Welchen messbaren Wert die Statistik über Tonnen und Tonnenkilometer hat, konnte bisher jedoch noch niemand darstellen – zumal immer mehr Güter auf der Wasserstraße nur geringe Gewichte, aber erhebliche Volumen aufweisen. Es ist durchaus möglich, das ein Partikulier mit dem Transport eines 300 Tonnen Trafo mehr verdient als sein Kollege, der die gleiche Strecke mit dem gleichen Binnenschiffslogistik 24 LOGISTIK express Ausgabe 1/2014 www.logistik-express.com Quelle: Felbermayr

transport Schiff 2.000 Tonnen Kohle transportiert. Gleichzeitig ist die Gewichtsstatistik beim Transport von Leercontainern 2 im Sinne der statistischen Tonnage-Darstellung völlig sinnlos, weil praktisch Luft als Transportleistung verbucht wird. Anderseits hat sich der Transport von Schwergut auf der Wasserstraße in den letzten zehn Jahren vervierfacht, was in der Statistik so gar nicht zum Ausdruck kommt. Aktuelle Veränderungen bei der Umschlagmenge haben bereits für die Neujustierungen bei den Reedereien gesorgt. „Statt auf Menge zu setzen, stand ab der zweiten Jahreshälfte die Profitabilität im Vordergrund“, sagte Emanuel Schiffer 2013 (Vorsitzender/ Eurogate), und Hubert Mierka vom Donauhafen Krems fügt hinzu: Ein „wertschöpfungsträchtiges Geschäft“ zählt mehr als Tonnen. Die allgemein gültige Verkehrsinfrastrukturpolitik richtet sich aber noch immer nach der amtlichen Statistik: Tonnen statt Wertschöpfung. Ein anderes Beispiel ist die wenig aussagekräftige amtliche Darstellung des Modal Split. Da erfährt der unbefangene Konsument amtlich besiegelt, dass der Anteil der Beförderungsleistung in der Binnenschifffahrt an der gesamten Transportleistung aller Landverkehrsträger traditionell mit der Lupe zu suchen ist. Schon auf europäischer Ebene wird diese Darstellung allerdings durch die ungleiche Verfügbarkeit der Wasserstraßen in einzelnen Mitgliedsländern verfälscht. Weniger als die Hälfte der Mitgliedstaaten können überhaupt Daten liefern 3 und nur fünf Länder liegen mit ihrem Binnenschiffs Anteil im Modal Split über der Wahrnehmungsgrenze. In Österreich versucht man gelegentlich über die Wahrnehmungsgrenze zu turnen, indem die Angabe zum Modal Split zum Beispiel nur auf den „Donaukorridor“ 4 bezogen wird. Der Unterschied in der Binnenschifffahrt macht hier satte zehn Prozentpunkte aus (12 statt 2 Prozent). Der Wert dieser Statistik im Sinne einer Vergleichbarkeit ist aber gleich Null. Ein anderes Beispiel sinnloser Datensammlung ist die unterschiedliche Auswertung der einzelnen Güterklassen nach NST/R beziehungsweise NST 2007 5 . In Deutschland wird beispielweise auf die Erhebung der Daten bei bestimmten Baggergütern (Schotter) 6 verzichtet. In Österreich wird dieses Transportgut gerne als individueller „Joker“ der Statistik verwendet. „Das starke Wachstum ist fast ausschließlich auf die zusätzliche Transportmenge an Sand und Kies Wir ver Güterumschlag • Lager/Logistik • Autoterminal WienCont/Containerterminal • Immobilien Marina Wien/Personenschifffahrt Logistik im FLuss www.hafenwien.com …zur Teilverlandung der Hafenbecken zurückzuführen“ merkt die Wasserstraßenverwaltung freimütig an. Baggergut, welches an einer Stelle des Flusses entnommen und wenige Kilometer weiter wieder in den Fluss geworfen wird, als Verkehrsleistung eines Verkehrsträgers darzustellen, ist im Sinne einer Vergleichbarkeit völlig sinnlos und höchstens für eine regionale Hafenleistung von Interesse. Außerdem ist nicht klar, warum bei einigen Umschlagstellen keine Detaildarstellung erfolgt, obwohl diese deutlich mehr umschlagen, als Häfen die sehr wohl extra dargestellt werden. Anderseits haben es Länder mit einem ausgeprägten Fluss- See-Verkehr schwer, ihre Leistung auf der Wasserstraße darzustellen. Großbritannien, Schweden, Finnland, Deutschland, Frankreich, aber auch Rumänien zählen in der EU dazu. So kommt der Transport auf britischen Wasserstraßen in der europäischen Statistik zum Beispiel gar nicht vor, obwohl die transportierte Tonnage dort zehn Mal größer ist als die der gesamten Binnenschifffahrt in Österreich. Letztlich ist für eine ausreichende Datenlage auch eine lückenlose Meldung der Daten an die Behörde ausschlaggebend, um überhaupt Aussagen treffen zu können. Der Gesetzgeber verpflichtet die Statistikbehörde zwar zur Erhebung des Transportaufkommen und der Transportleistung auf der Wasserstraße, bietet aber keine ausreichenden gesetzlichen Grundlagen, damit die Behörde diesem Auftrag auch lückenlos nachkommen kann. Früher war das unter Mithilfe der Zollbehörde und des Kapitäns noch möglich. Heute muss sich das Statistikamt auf die Mithilfe der Bewilligungsinhaber verlassen. binden sie mit europa www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 1/2014 25

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