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GLOBALE

GLOBALE MÄRKTE Griechenland: Sturm über Hellas Der hellenischen Republik stehen weiterhin stürmische Zeiten bevor. In vielen Sektoren muss der Gürtel enger bis eng geschnallt werden. Um Größenvorteile zu erhalten und Ressourcen besser auszunutzen, sollen Häfen fusioniert werden. Weiterhin soll durch mehrere Hafenausbauprojekte der Tourismus im Land angekurbelt werden. Die Regierung plant 50 Milliarden Euro bis 2015 durch den Verkauf von staatlichen Liegenschaften (ebenso Häfen) und Immobilienentwicklung aufzubringen, um den Schuldenberg abzubauen. Redaktion: DIRK RUPPIK In Griechenland stehen die Zeichen auf Sturm. Das griechische Parlament rechnet mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,5 Prozent und einer abnehmenden Konsumhaltung in 2012. In 2011 verringerte sich das BIP um 5,5 Prozent. Zudem werden in diesem Jahr eine extrem hohe Arbeitslosenquote von 16,4 Prozent und eine Inflationsrate von zwei Prozent erwartet. Das 11,3 Millionen- Einwohner-Land hat bereits 65.000 Millionen Euro aus dem ersten Hilfsprogramm in Höhe von 110.000 Millionen Euro beantragt. Der International Monetary Fund (IMF) erwartet eine Verschuldung Griechenlands von 189,1 Prozent des BIP in 2012. Seit 2009 fallen die Importe laut Germany Trade & Invest (Gtai) massiv (2009 -18,6 %, 2010 -4,8 %, 2011 -5,7 %) aufgrund der sinkenden Kaufkraft und schrumpfenden Investitionen. Allerdings stiegen die Exporte (2010 +13,2 %, 2011 rund 10 %) und sollen in 2012 laut Regierung um 6,4 Prozent steigen. Dadurch sinkt das griechische Außenhandelsdefizit. Die Hauptexportprodukte der Hellenischen Republik sind Früchte, Gemüse, Olivenöl, Textilien und Kleidung, Stahl, Aluminium, Zement sowie Petroleum und Petroleumprodukte. Die Hauptabnehmerländer sind Deutschland, Italien, die Vereinigten Königreiche und die USA. Deutschland ist ebenso das wichtigste Lieferland der Griechen. Danach kommen Italien, Russland, China und die Niederlande. Importprodukte sind Maschinen und Fahrzeuge, chemische Produkte, Nahrungsmittel und Fertigerzeugnisse. Fusionierungen und Große sollen Kleine stützen Seit 2006 wird in die Hafenmodernisierung investiert und bis 2015 sollen sechs Milliarden Euro geflossen sein. Für die Entwicklung der Seeverkehrsverbindungen Griechenlands hat die Europäische Investitionsbank (EIB) 2005 mit der griechischen Republik ein Rahmendarlehen von drei Milliarden Euro zur Modernisierung der Hafeninfrastrukturen im gesamten Land unterzeichnet. Die ersten Darlehen im Rahmen dieser Vereinbarung, die 2005 und 2006 unterzeichnet wurden, betrafen Arbeiten an den Containerterminals der Häfen Piräus und Thessaloniki. Generell gilt das Hafensystem Griechenlands als gut strukturiert und effizient. Doch laut Hatzakos Stavros, Generalmanager der Hafenverwaltung des bedeutendsten griechischen Hafens Piräus, gibt es Potenzial für Verbesserung, insbesondere beim Hafenbetrieb. „Die kleineren Häfen haben nicht die Fähigkeit oder das Know-how, um größere Projekte zu implementieren. Deswegen gibt es den Vorschlag, Häfen in der gleichen Region zu fusionieren. Zum Beispiel in Attika kann Piräus mit drei kleineren Häfen (Elefsis, Lavrio, Rafina) in ein gemeinsames System verschmolzen werden, um Größenvorteile zu erhalten und Ressourcen besser auszunutzen. Der Großhafen Piräus mit langjähriger Erfahrung leistet Unterstützung bei der Erstellung von technischen Studien, Ausschreibungen und der Arbeitsüberwachung bei der Sanierung von kleineren Häfen“, sagt Stavros. Zudem sollen laut des britischen Portals Portstrategy Thessaloniki, Kavala, Volos, Alexandroupolis, Heraklion, Patrasso, Korfu und Igoumenitsa unter einer Hafenverwaltung zusammengefasst werden. Privatisierung ist in vollem Gange Die griechischen Häfen sollen zunehmend privatisiert werden. Dies führte immer wieder zur Bestreikung der Häfen seitens der Hafenarbeiter. Die Regierung hat bereits 23,1 und 23,3 Prozent der Häfen Piräus und Thessaloniki sowie 100 Prozent von zehn bedeutenden Häfen an den Hellenic Republic Asset Development Fund mit der Aufgabe, diese Liegenschaften so schnell wie technisch möglich zu privatisieren (geplant für die zweite Jahreshälfte ), übertragen. Dies soll in einer offenen und transparenten Weise stattfinden. Alternativ können Konzessionen für Teilbereiche vergeben werden. Die Hafenverwaltung von Piräus hat dieses Modell eingeführt, als sie den Lizenzvertrag über 35 Jahre für den Containerterminal (Pier II) mit der chinesischen Cosco Pacific Ltd. im Oktober 2009 unterzeichnet hat. Cosco muss im Gegenzug Lizenzgebühren bezahlen, das Terminal ausbauen und nach Ablauf der Konzession wieder zurückgeben. FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 40 LOGISTIK express Ausgabe 1/2012 www.logistik-express.com

GLOBALE MÄRKTE Die philippinische ICTSI hat im September 2011 Interesse an den zwei bedeutendsten Häfen der hellenischen Republik, Piräus und Thessaloniki, angemeldet. Der Vorsitzende und Präsident von ICTSI Enrique Razon sagte: „Das Unternehmen hat zirka 500 Millionen US-Dollar (zirka 382 Millionen Euro) für Akquisitionen von griechischen Häfen mit Priorität auf Piräus und Thessaloniki bereitgestellt. Falls das Land zahlungsunfähig wird, dann schlittert es in eine Depression. Doch wenn es dort wieder rauskommt, dann auf einem sehr niedrigem Niveau. Danach wird es sehr gute Wachstumsraten aufweisen – fast nicht-europäische Wachstumsraten.“ Piräus und Thessaloniki setzen auf Containerschiffe und Touristen Derweil investiert der Hafen Piräus laut Stavros in neue Infrastruktur und verbesserte Anlagen, um den modernen Mega-Containerschiffen und großen Kreuzfahrtschiffen gerecht zu werden. „Einige Projekte, die schon fertiggestellt worden sind oder in absehbarer Zeit vollendet werden, sind u.a.: Die Entwicklung des Containerterminals (Super- Post-Panamax-Terminal an Pier I, vollendet in 2009) und die Erweiterung des Kreuzfahrtund des Kfz-Terminals.“ Pier II soll in 2012 vollendet werden und dann eine Kapazität von einer Million TEU besitzen. Es wird durch die Cosco-Tochter Piräus Container Terminal (PCT) betrieben. PCT will ebenso ein drittes Terminal (Pier III) mit einer Million TEU Kapazität bis 2015 fertigstellen. Weiterhin plant Piräus gemäß Stavros künftig den Bau eines Monorailsystems um den Hafen, ein Casino und einen Vergnügungspark. Die Regierung will laut Entwicklungsminister Michalis Chrysochoidis u.a. durch den Ausbau des Kreuzfahrtterminals die Touristenzahlen auf fünf Millionen bis 2016 verdoppeln und dem Land dadurch aus der Rezession helfen. Der zweitgrößte Hafen des Landes, Thessaloniki. erhielt im November 2011 drei Angebote von den griechischen Bauunternehmen Aktor SA und Mochlos SA sowie dem griechischen Immobilienentwickler Lamda Development SA (Lamda), um den neuen Yachthafen im Wert von neun Millionen Euro zu bauen und für 35 Jahre zu betreiben. Durch das Bauvorhaben soll ebenfalls der Tourismussektor des Landes gefördert werden. Der Yachthafen mit 190 Liegeplätzen wird innerhalb der nächsten drei Jahre fertiggestellt werden. In 2012 will die Regierung wenn möglich ihren gesamten Anteil am Hafen Thessaloniki (jetzt noch DIRK RUPPIK Journalist Logistik express 50,97 Prozent) verkaufen, um ihren Plan, 50 Milliarden Euro bis 2015 durch den Verkauf von staatlichen Liegenschaften und Immobilienentwicklung aufzubringen, zu verwirklichen. Thessaloniki besitzt schon jetzt einen der bedeutendsten Kreuzfahrtterminals im Ägäischen Meer. In 2011 erreichten laut Dr. George K. Vangelas, Berater des Vorstands und geschäftsführender Direktor der Hafenverwaltung von Thessaloniki, rund 12.000 Kreuzfahrtpassagiere den nordgriechischen Hafen. Thessaloniki soll in 2013 zum ersten Mal auch Ausgangspunkt von Kreuzfahrten sein. Der größte Nutzer in 2011 mit vier Hafeneinläufen war die AIDA. Die Erweiterung des Containerterminals durch Mochlos S.A. umfasst den westlichen Teil des sechsten Piers. Er wird um 500 m in der Länge und 350 m in der Breite vergrößert. Mit einer Wassertiefe von 16 m können dann auch große Containerschiffe abgefertigt werden. Die Kapazität wird von 450.000 TEU auf 1,25 Millionen TEU fast verdreifacht. Das Projekt im Wert von 75 Millionen Euro wird zur Hälfte von der Europäischen Investitionsbank finanziert. Es wird ebenfalls über den Ausbau des östlichen Teils des sechsten Piers in ein Frachtterminal (Trockenschüttgut) nachgedacht. Das Projekt wird auf 30 Millionen Euro eingeschätzt und würde 85.000 Tonnen- Frachtern (bisher 60.000 Tonnen) erlauben, am Pier anzulegen. Das Frachtterminal dient als bedeutendes Transhipment Center für die Ägäis und das Schwarze Meer und wird ebenso durch Serbien, Makedonien, Albanien und Montenegro genutzt. Laut Hafenverwaltung hat sich der Gewinn von Januar bis September 2011 um 41,28 Prozent verglichen mit der Vorjahresperiode gesteigert. Thessaloniki hat als einziger griechischer Hafen einen direkten Zugang zum nationalen Eisenbahnsystem (Schienen an jedem Dock). Zukunft Stavros hält es für äußerst schwierig, künftige Entwicklungen in diesen turbulenten Zeiten vorauszusagen. Er hält die Fusionierung von griechischen Häfen für eines der wichtigsten Projekte im Schifffahrtsbereich des Landes. Ein effektives Management soll mittels schnellerer Entscheidungsfindung, Investitionen und Kooperation der Häfen erreicht werden. „In ökonomischen Krisenzeiten versuchen wir, durch günstige Hafengebühren wettbewerbsfähig zu bleiben. Z.B. hat der Hafen Piräus die Tarife im Kreuzfahrtbereich für 2013 bis 2016 auf dem jetzigen Niveau mit nur einem geringen Anpassungsfaktor eingefroren. Zudem wurden eine Tarifskala für Großkunden und spezielle Rabatte (5 bis 30 % Abschlag) eingeführt. Großkunden wird ebenso ein eigener Liegeplatz zugewiesen. Liegeplätze werden garantiert, wenn mindestens zwölf Monate zuvor die Bekanntgabe der Buchung erfolgt. Piräus ist der größte Kreuzfahrthafen im Mittelmeerraum und die Tarife sollen weiterhin 30 Prozent unter denen anderer Häfen im Mittelmeer liegen.“ Ob die beschriebenen Projekte Früchte tragen, wird stark davon abhängen, ob es Griechenland gelingt, aus der Schuldenfalle zu entkommen. (DR) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 1/2012 41

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