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LOGISTIK express Fachzeitschrift

IM GESPRÄCH Im November

IM GESPRÄCH Im November 2009 wurden erst zwei neue Märkte eröffnet, in den ersten drei Quartalen 2009 wurde der Umsatz in Österreich um drei Prozent gesteigert. Geht die Konjunkturdelle spurlos an bauMax vorüber? In Österreich blieben wir tatsächlich von den Auswirkungen der Krise verschont, dafür gab es in den CEE-Ländern leider teilweise sehr massive Einbrüche. Speziell in Ungarn mussten wir starke Rückgänge hinnehmen, und es wird voraussichtlich noch länger dauern, bis hier eine Erholung eintritt. Daher ist es umso wichtiger, genau auf die Leute zu hören, ihnen sozusagen „aufs Maul zu schauen“. Wir wollen den Menschen helfen, ihr Nesterl zu bauen, das ist unser Selbstzweck. Durch die Änderung der Rahmenbedingungen haben sich aber auch die Träume der Menschen bezüglich Eigenheim geändert. Unsere Aufgabe ist es nun, Angebote für diese „neue Realität“ zu schaffen und den Leuten auch zu vermitteln. Aufgrund der Wirtschaftslage sind Viele gezwungen, in ihren bestehenden vier Wänden zu bleiben, statt ein neues Heim zu schaffen, darum ist unsere primäre Aufgabe im Moment, ihnen beim Verschönern der bestehenden Struktur zu helfen. In Ungarn ist beispielsweise die Wohneinheit um 40 Prozent kleiner als in Österreich, das stellt natürlich besondere Ansprüche an Organisationssysteme (Regale, Anm.). Bauhaus setzt in Österreich erfolgreich auf drive-in-Märkte. Was halten Sie von diesem Ansatz? Auch wir haben beispielsweise in Amstetten einen sehr großen Drive-in-Markt, das ist alles eine Frage der Organisation und des Modells. Unser Hauptschwerpunkt in Österreich ist allerdings ein anderer. Zudem haben sich insbesondere aus Platzgründen in Österreich große Hallen mit getrennter Ein- und Ausfahrt bewährt. Nicht in jedem Land passt das drive-in-Konzept, in Rumänien, Kroatien und Bulgarien etwa kommt es sehr gut an. Welche Neuerungen erwarten uns bei bau- Max in nächster Zeit? Expandieren Sie in weitere Länder? Schon seit Längerem sind wir weit mehr als nur ein Händler, wir bilden unsere Kunden gratis aus, man denke etwa an den „Selfman“. Das bauMaxsystem erfährt eine ständige Weiterentwicklung, so haben wir neben den Heimwerkern vor etwa eineinhalb Jahren eine neue Zielgruppe ins Auge gefasst, die „Nicht-Heimwerker“. Dies hat natürlich große Auswirkungen, sowohl auf unser Sor- „Unsere Aufgabe ist es, Angebote für die „neue Realität“ zu schaffen.“ MARTIN ESSL Großer Wert und kleiner Preis Das österreichische Familienunternehmen bauMax ist für viele untrennbar mit dem „Do-it-yourself-Boom“ verbunden. In der Tat waren der 1976 von KR Karlheinz Essl eröffnete „Hobbymax“ und der 1977 folgende „bauMax“ Vorreiter auf dem Gebiet der Heimwerkermärkte. Seit 1999 leitet Kommerzialrat Martin Essl in zweiter Generation die Geschicke des Unternehmens als Vorstandsvorsitzender der bauMax-Gruppe – und das äußerst erfolgreich. Redaktion: aNGELIKA THALER timent, als auch auf die angebotenen Dienstleistungen. Wir beschäftigen ein Team von mehr als 50 mobilen Projektberatern, die den Kunden vor Ort helfen, sie beraten, organisieren und dann die nötigen Teile bestellen. Das ist ein völlig neuer Weg, den wir beschreiten, international sind wir der erste Baumarkt, der das anbietet, und das Feedback ist durchaus positiv. Für diese Käuferschicht bieten wir ein besonders hochwertiges Fachhandelssortiment, das erst in Kombination mit der Montageleistung interessant wird. Schon vor der Krise haben wir uns die Frage gestellt, ob und wie man in Österreich noch Marktanteile gewinnen kann. Diese neue Linie ist das Ergebnis einer Kundenanalyse mit Tiefeninter- 8 LOGISTIK express 1|2010 www.logistik-express.com

IM GESPRÄCH views und eröffnet uns eine große Bandbreite neuer Kunden, beispielsweise ältere Generationen, oder barrierefreies Wohnen. Bislang gab es diesbezüglich österreichweit keinen flächendeckenden Anbieter. Als Unternehmer muss man stets hinterfragen, in welche Situation die Gesellschaft in Zukunft kommen wird, und welche Dienstleistungen man dann dafür anbieten will. Zur Frage der Expansion ist zu sagen, dass wir gerade erst in der Türkei eröffnet haben, und die ist so groß wie alle anderen Länder, in denen wir Märkte betreiben, zusammen. In den nächsten Jahren werden wir in jenen Ländern ausbauen, in denen wir nun schon sind. Keinesfalls werden wir in naher Zukunft Märkte in der Ukraine oder Ex-jugoslawischen Ländern eröffnen. Was macht in Ihren Augen einen erfolgreichen Unternehmer aus? Das wichtigste ist, Vertrauen zu schaffen – gegenüber den Kunden ebenso wie gegenüber den Mitarbeitern und Partnern. Man muss gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, langfristig agieren und eine ehrliche Leistung zu einem ehrlichen Preis bieten sowie den ökonomischen Erfolg mit ökologischer und sozialer Verantwortung kombinieren. „Als Unternehmer muss man stets hinterfragen, in welche Situation die Gesellschaft in Zukunft kommen wird.“ MARTIN ESSL Haben Sie noch Freizeit? Falls ja, was tun Sie zu Ihrer Entspannung? Ein Mensch ist durchschnittlich 800.000 Stunden auf der Welt. Ein Drittel davon verbringt er mit Schlafen, fünf Prozent mit Ausbildung, 15 Prozent mit Arbeit und der Rest ist Freizeit, es ist alles eine Frage der Prioritätensetzung. In meinem Leben ist der kulturelle Aspekt sehr stark ausgeprägt, und Sozialaktivitäten machen das Leben nachhaltig. Es schadet nicht, ein bisschen unter Druck zu stehen, aber die anschließende Erholung ist wichtig. Ich versuche, jeden Tag zwischen 5 und 6 Uhr Nordic Walking zu gehen. Ich möchte auch morgen noch einen guten Job machen, und daher muss ich auf Körper, Geist und Seele hören. Nachhaltigkeit ist ein fixer Bestandteil des Unternehmensleitbildes. Wie wirkt sich das aus? Interview ANGELIKA THALER Redaktion Logistik express Fachmedium Auf vielfältige Weise. Ein wichtiger Punkt ist die Schonung der Ressourcen, etwa durch Energiesparen. Wir haben intern viele Maßnahmen gesetzt, um Energie – und damit natürlich auch Kosten – zu sparen, etwa durch bessere Isolierungen oder die Erneuerung von Heizanlagen. Der MegabauMax in Gmunden verfügt über eine Pelletanlage, die Werbeleuchten wurden auf LED umgestellt, unser Beleuchtungssystem überarbeitet. Alleine durch diese Umstellung sind wir um ein Drittel effizienter und haben das Kyoto- Ziel erreicht! Unsere Einkäufer sind weltweit konditioniert, auf ökologisch vertretbare Produkte zu achten, wir arbeiten nach einem ökologischen Footprint: wie effizient ist der Hersteller, wie sieht seine Logistik aus, usw. Vom Vertrieb bis hin zur Entsorgung werden alle Punkte genau betrachtet. Das hat auch eine Signalwirkung für unsere Partnerunternehmen! BauMax ist immerhin der drittgrößte Einkäufer von Do-it-yourself-Artikeln in Europa. Die neue Realität führte dazu, dass man hinterfragt, ob man sich langfristig tatsächlich den Naturgesetzen widersetzen darf. Der Mensch als Krönung der Schöpfung soll die Welt bewahren und mit ihr so umgehen, dass die nächsten Generationen auch noch Freude daran haben. Daher haben wir alle die Verantwortung, gegen den Klimawandel anzukämpfen! Im Gegensatz zu manch börsennotiertem Unternehmen sieht bauMax den Erfolg langfristig, wir können uns anderer Strategien bedienen und Erfolg anders definieren. Alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – ökonomischer Erfolg, ökologische Verantwortung und gesellschaftliche Verantwortung – müssen in Einklang gebracht werden. Für mich persönlich besonders beglückend ist es dabei zu sehen, wie engagiert und liebevoll unsere Mitarbeiter untereinander umgehen, das wirkt sich positiv auf die Arbeit und auf unsere Kunden aus. Wann wird Österreich sich Ihrer Meinung nach von der Krise erholt haben, und wie sieht die Zukunft Europas aus? Es ist die Rolle der Medien, die Auslöser der Krise anzuklagen. Die Entwicklung des Handels in Europa hängt davon ab, wie sich der Wohlstand entwickelt. Ich hoffe, dass die Bevölkerung wieder den Mut findet, zu investieren, dann erwarte ich einen Anstieg Mitte 2010 und eine Stabilisierung 2011. Schlecht wäre eine „W“-Entwicklung. Aber ich bin optimistisch, dass es bald einen leichten Anstieg geben wird. Am raschesten werden sich Slowenien, Tschechien, die Slowakei und Polen erholen, in der Türkei geht es jetzt schon bergauf. Große Länder mit starker nationaler Nachfrage sind von Krisen eindeutig weniger betroffen. Was halten Sie von Online-Communities wie Xing oder Facebook? Ich finde sie hoch interessant, meine Kinder führen mich schon ein (lacht, Anm.). Es ist interessant, mit Menschen zu kommunizieren. Besonders fasziniert hat mich der Wahlkampf Obamas, wo neue Technologien und Netzwerke ausschlaggebend für das Wahlergebnis waren. Auch die wissenschaftliche Ebene ist äußerst spannend: wie rasch kann sich eine Gesellschaft ändern? Gibt es einen Wunsch, den Sie sich erfüllen möchten? Es macht mich glücklich, Menschen zu helfen. Daher suchen wir jedes Jahr eine Person, die sich sozial verdient gemacht hat, um dieser zu helfen. Mich dabei persönlich einzubringen, ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Das ist wie ein Tropfen in den Ozean, der dann Kreise zieht. So haben wir beispielsweise das erste Altenheim für geistig Behinderte in Ungarn unterstützt, oder einen Amerikaner, der ein Netz von Sozialunternehmen aufgebaut hat. Das Unternehmen bauMax ist ein international tätiges Familienunternehmen, das seine Geschäftstätigkeit vor über 30 Jahren in Österreich startete. bauMax ist in neun zentral- und südosteuropäischen Ländern als Marktführer tätig. Es gibt 144 bauMax-Märkte in Österreich (67), Tschechien (24), der Slowakei (14), Ungarn (15), Slowenien (3), Kroatien (6), Rumänien (10), Bulgarien (4) und der Türkei (1). Der Jahresumsatz 2009 betrug 1,4 Milliarden Euro. Insgesamt sind bei bauMax 10.000 Mitarbeiter beschäftigt. bauMax hat in Zentral- und Südosteuropa einen Bekanntheitsgrad von 90%. In Österreich hat bauMax einen Marktanteil von über 26%. www.logistik-express.com LOGISTIK express 1|2010 9

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