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LOGISTIK express Fachzeitschrift

KARRIERE Der Boom an

KARRIERE Der Boom an neuen MBA- Programmen hat auch Schattenseiten, kritische Stimmen nehmen zu. Ein berühmtberüchtigter Kritiker schlechter MBA-Ausbildung ist Prof. Birger P. Priddat Dr. Birger P. Priddat von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Universität Witten. Priddat weiß genau, was ihn stört: „Die meisten MBA-Programme sind sehr verschult, in kürzester Zeit soll den Teilnehmern Businessmanagement und Ökonomie eingetrichtert werden, wobei Anwendungsfragen zu wenig oder nur schematisch behandelt werden – das kann gar nicht gut gehen.“ Denn den Absolventen würde in Folge die Fähigkeit zur Urteilsbildung bei komplexen Zusammenhängen fehlen. „Das Problem liegt aber an einer ganz anderen Stelle! Nämlich an der Vermarktung: die Absolventen sind eigentlich unterausgebildet, werden aber als hochwertige und komplette Manager verkauft, hier liegt die Diskrepanz!“, ärgert sich Priddat. Das sei vergleichbar mit einem „Sprachkurs Ökonomie“, ohne das Interpretieren zu lernen. „Management ist nicht nur Wissen, sondern vor allem das „How to do“, weiß er aus Erfahrung. In der Ausbildung würden die Fallbeispiele auf Lösungen getrimmt, die so in der Realität nicht vorkämen. Auch mangele es den Absolventen an der Kompetenz, auf Mitarbeiter einzuwirken. Dennoch sieht er auch positive Aspekte: „Wenn ältere Personen mit Managementerfahrung an einer solchen Ausbildung teilnehmen, gehen sie in die Tiefe, behalten aber auch eine gewisse Skepsis gegenüber konzeptionellen Schwächen, das führt zu einem umfassenderen Verständnis.“ Im Umkehrschluss würde die Qualität umso schlechter, je jünger und unerfahrener die Studenten seien, denn diesen fehle das verantwortungsvolle Umgehen des Managers mit seinem Umfeld. „Die Hauptaufgabe einer guten Ausbildung ist es, die Angst vor der Unsicherheit zu nehmen und gleichzeitig Lust auf Problemlösungen zu machen“, meint er. Nur der ständige Austausch mit der Praxis sei ein Merkmal für Qualität: „Ein Manager muss mit Zahlen und Menschen unter Leistungsbedingungen jonglieren, und das erlernt er nur in der Praxis“, schließt Priddat. Ausbildung zwischen Genie und Wahnsinn Betrachtet man die derzeitige Bildungslandschaft, könnte man – in Anlehnung an den Sport – sagen, die „Titelkämpfe“ sind eröffnet. Doch auch im Sport kann nur der Beste gewinnen, und Qualität setzt sich durch. Kaum ein akademischer Titel ist so umstritten wie der MBA, doch warum ist das so? Und gibt es gute MBAs in Österreich? Redaktion: aNGELIKA THALER Die klare Antwort lautet: JA; es gibt tolle MBA-Programme, die auch halten, was sie versprechen. Doch als Personalchef sollte man genau darauf achten, von welcher Einrichtung der Bewerber den MBA-Titel verliehen bekommen hat, denn es ist nicht alles Gold, was glänzt. Kriterium Zugangsbedingung Wenn die Übergangsfrist für die Studienreform mit Ende 2010 in Kraft tritt, dürfte sich das Hauptproblem auf absehbare Zeit von selbst erledigen, aber derzeit werben manche MBA-Anbieter noch damit, Bewerber ohne abgeschlossenes Studium zur Ausbildung zuzulassen. Und hier liegt die Crux: „Ein MBA soll eine weiterführende Ausbildung nach abgeschlossenem Studium im Sinne des lebenslangen Lernens sein, ein MBA an Stelle eines Studiums ist eine klare Verwässerung und nicht im Sinne des Erfinders“, weiß auch Univ. Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Wilfried Sihn, seines Zeichens unter anderem Lehrgangsleiter des „Professional MBA Automotive Industry“ an der TU Wien. Doch kann langjährige, einschlägige Praxis ein abgeschlossenes Studium ersetzen? Diese Meinung vertritt man unter FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 40 LOGISTIK express 1|2010 www.logistik-express.com

KARRIERE anderem (noch) beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ), wo für die Teilnahme am „MBA - Purchasing - Supply Chain“ neben der verpflichtenden mehrjährigen Tätigkeit in einer verantwortlichen Aufgabe in Unternehmen oder Institutionen entweder ein akademischer Abschluss oder eine gleichzuhaltende Praxis-Qualifikation Voraussetzung ist. Interview wilfried sihn Lehrgangsleiter Technische Universität Wien Berechtigte Kritik? Vielerorts wurden Stimmen laut, dass überforderte MBAs an den Hebeln der Macht die Krise mit verschuldet hätten, da diese keine echten Manager seien. Dieser Kritik kann sich Dkfm. Heinz Pechek, Geschäftsführender Vorstand des BMÖ bei einem von Competence SITE veranstalteten Round Table nicht anschließen: „Ich bin überzeugt, dass nicht und in keinem Fall irgendeine seriöse MBA-Ausbildung in irgendeinem Teil der Welt für die Krise verantwortlich gemacht werden kann, weder für die Finanzkrise noch für die Krise in der Real-Wirtschaft. Keine MBA-Ausbildung vermittelt das Handwerkszeug „wie stürze ich die Weltwirtschaft in eine Krise“. Er geht auch noch einen Schritt weiter, und meint: „Eine MBA-Ausbildung verdirbt noch keinen, der die Fähigkeit und den Mut zum Manager und Unternehmer hat. Sie stattet ihn bloß mit kritischem Denkvermögen, breitem Hintergrund- und Expertenwissen, der Fähigkeit zu analysieren und zu bewerten sowie fundiertem Know-how aus.“ Ob dies dann in der Praxis angewandt werde und helfe, sei eine andere Frage. Das grundlegende Problem ortet Sihn auf politischer Seite: „Bei MBA-Programmen gibt es bislang kaum Standardisierungen (etwa bei Eingangsvoraussetzungen), sie sind bei Weitem nicht so streng definiert wie vergleichsweise ein Hochschulstudium, daher findet ein regelrechter Wildwuchs statt.“ Was aus ungleichen Voraussetzungen resultieren kann, schildert er an einem Beispiel: „Wenn in einem Kurs zehn Teilnehmer sitzen, von denen neun Berufserfahrung haben und einer nicht, man aber alle zum Erfolg führen möchte, muss man zwangsläufig das Niveau des Kurses absenken. Das Ergebnis ist dann in meinen Augen allerdings mehr als fragwürdig.“ Richtige Selbstwahrnehmung Ein Punkt, in dem Priddat, Sihn und auch Pechek sich einig sind, ist das teilweise überzogene Selbstbild, das Absolventen eines MBA-Programms an den Tag legen. Pechek: „Was MBA-Programme nicht tun sollten und dürfen, ist ein falsch verstandenes Elitebewusstsein nach dem Motto „Wir können und dürfen alles und uns gehört alles“ fördern. Ganz im Gegenteil, Akademiker sein heißt vor allem Verantwortung übernehmen, und zwar nachhaltig: für sich, seine direkte Umwelt, das Unternehmen und auch die Gesellschaft.“ Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen, das weiß auch Sihn: „Für unseren – übrigens seit Kurzem auch von der FIBAA (The Foundation for International Business Administration Accreditation, Anm.) akkreditierten – Professional MBA Automotive Industry braucht man nicht nur ein abgeschlossenes Studium, sondern auch mindestens drei Jahre einschlägige Berufserfahrung. Diese Studenten kommen aus der Praxis und arbeiten während des berufsbegleitenden Lehrgangs weiter, da besteht nicht die Gefahr, dass sie abheben.“ Interview heinz pechek Geschäftsführer BMÖ Theorie und Praxis Wer also den Wert eines MBAs beurteilen möchte, sollte sich die Zugangsvoraussetzungen, die Veranstalter und Vortragenden sowie den Umfang und die Inhalte des Programms genau ansehen. Weitere Punkte, die eine Rolle spielen, fasst Pechek zusammen: „Qualitätskriterien sind Lehre und Lehrmethodik, Fakultät, Studierenden- und Alumni- Community, Netzwerke und Verbindungen – sowohl zu Unternehmen als auch zur Politik, ausgewogene und sinnvolle Verbindung zwischen Wissenschafts- und Praxisorientierung, ethische Grundwerte etc.“ „Auch bei uns liegt ein starker Fokus auf dem Bezug zur Praxis, sei es durch Themenabende mit Praktikern oder auch Betriebsbesichtigungen, das unterscheidet uns auch von den meisten anderen MBAs“, streicht Sihn hervor. Nur die ausgewogene Mischung aus theoretischem Wissen und praktischer Anwendung verbunden mit sozialer Kompetenz ermöglicht es, aus einem MBA langfristig auch einen guten Manager zu machen – und davon gibt es noch viel zu wenige. • http://automotive.tuwien.ac.at/ • http://www.bmoe.at/einkauf/MBA/ LOGISTICS IS PEOPLE‘S BUSINESS AND WE DELIVER THE RIGHT PEOPLE JUST IN TIME TO OUR CUSTOMER‘S DOOR TO EXPAND YOUR BUSINESS REINECKE & ASSOCIATES CEE GMBH Contact: Mr. Martin Eckerstorfer | Telephone: 0043 (0)664 2607797 | e-Mail: eckerstorfer@reinecke.com www.reinecke.com www.logistik-express.com LOGISTIK express 1|2010 41

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