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LE-1-2009

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

AKTUELL Langsam nähert

AKTUELL Langsam nähert sich der Frühling, doch viele denken noch mit Schrekken an den Gaslieferstreit von Anfang Jänner 2009 zurück. Zwar war die Versorgung österreichischer Haushalte wohl nie ernsthaft gefährdet, dennoch half diese Ausnahmesituation, die Bevölkerung wieder ein wenig aufzurütteln und den Ruf nach Alternativen lauter werden zu lassen. Doch könnten wir uns tatsächlich von Ölund Gaslieferungen unabhängig machen? Erneuerbare Energie „Bei den erneuerbaren Energiequellen muss man klar nach Verwendungszweck unterscheiden. Wind und Wasser dienen rein der Stromerzeugung, ebenso die Photovoltaik. Sonne kann man mittels Kollektoren für Warmwasser nutzen (Solarthermie, Anm.), und dann gibt es noch den großen Bereich der Biomasse,“ zählt Dipl.-Ing. Dr. Gerfried Jungmeier vom Institut für Energieforschung der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, auf. Zur für die Energiegewinnung geeigneten Biomasse zählen Produkte aus der Forst- und Landwirtschaft (Holz, Gülle, Ernteabfälle usw.), Algen und biogene Abfallstoffe (Klärschlamm, Biomüll, Altspeiseöl, Tierfette usw.). Die aktuelle Lage „Derzeit deckt Wasserkraft etwa 10 bis 12 Prozent des Gesamtenergiebedarfs, Biomasse ebenfalls 10 bis 12 Prozent. Windkraft reicht für 3 bis 4 Prozent des Strombedarfs aus. Das EU Ziel für Österreich sieht vor, bis 2020 insgesamt 34 Prozent des Verbrauches aus erneuerbaren Quellen abzudecken. Dieses Ziel ist definitiv nur durch eine Kombination aus dem Ausbau alternativer Energiequellen und Investitionen in Energieeffizienz, also Energiesparen, möglich“, schildert Jungmeier die Situation. Im Jahr 2007 wurden in Österreich insgesamt 1.082.621 Terajoule an Energie verbraucht (energetischer Endverbrauch), das ist beinahe doppelt so viel wie noch 1970. Spitzenreiter im Verbrauch sind der Transport mit 378.690 Terajoule und die Sachgüterproduktion mit 314.121 Terajoule (Quelle: Energiebilanz, Statistik Austria). Alternative Treibstoffe Für den Transportsektor kommen drei alternative Treibstoffquellen in Frage: Wasserstoff, Elektromobilität und Biotreibstoffe. Bei Wasserstoff besteht das Problem, dass dieser zuvor erzeugt werden muss, da er in der Natur in reiner Form nicht vorkommt. Wunschtraum Öl- & Gasunabhängigkeit Nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes wäre ein Loskoppeln von fossilen Brennstoffen vorteilhaft, auch um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten sollte man verstärkt nach Alternativen suchen, denn Erdöl und Erdgas sind begrenzte Ressourcen. Je nachdem, woher also die Energie für die Produktion des Wasserstoffs kommt, ist seine Verwendung mehr oder weniger nachhaltig bzw. ökologisch. Ebenso verhält es sich mit den Elektrofahrzeugen, entscheidend ist, wie der Strom dafür gewonnen wird. Den vielfältigsten Bereich stellen die Biotreibstoffe dar. „Hier gibt es wiederum die Unterscheidung zwischen Biodiesel und Bioethanol (Alkohol, Anm.)“, erklärt Jungmeier. „Die Forschung beschäftigt sich mit allen drei Technologien, und vermutlich liegt die zukünftige Lösung in einer Kombination. Während Elektrofahrzeuge eher für kurze Strecken geeignet sind, bietet sich Biodiesel für LKW und Langstrecken an – Wasserstoff liegt irgendwo dazwischen“, meint Jungmeier. Biotreibstoffe – die ultimative Lösung? „Die EU-Treibstoffrichtlinie sieht einen Mindestanteil der Biotreibstoffe am Gesamtkraftstoffmarkt von 5,75 Prozent vor“, nennt Jungmeier ernüchternde Zahlen, denn im Jahr 2007 betrug der Anteil weltweit gerade einmal ein Prozent. Insgesamt werden derzeit gut 300.000 Tonnen Biotreibstoffe durch die Veresterung von Ölen – beispielsweise Raps-, Soja- oder Palmöl – und etwa 200.000 Tonnen Bioethanol durch die Fermentation von Zucker und Stärke – wie in Zuckerrüben, Getreide oder Mais – gewonnen. Genau hier sehen viele Kritiker ein großes Problem, denn hierbei handelt es sich durchwegs um Lebensmittel. In etlichen südlichen Entwicklungsländern haben bereits Brandrodungen FOTO: ISTOCKPHOTO.COM (2) 6 LOGISTIK express 1|2009 www.logistik-express.at

AKTUELL (etwa im Amazonasgebiet) eingesetzt, um Flächen für den Anbau von Pflanzen für die Treibstoffproduktion zu schaffen, was doppelt schädlich ist: durch das Verbrennen wird CO2 freigesetzt und das bereits fragile Ökosystem Regenwald weiter geschädigt. „Die zweite Generation von Biodiesel versucht, ohne Futtermittel auszukommen, indem nur die Blätter und Stängel, nicht aber die Frucht verwertet werden“, macht Jungmeier Hoffnung. Es würden diesbezüglich auch bereits Pilotanlagen betrieben, allerdings werde es bis zum kommerziellen Einsatz wohl noch 10 bis 15 Jahre dauern. Biodiesel der zweiten Generation sieht die Vergasung aller Pflanzen vor. Werk in Bruck an der Leitha geschieht. Die andere Möglichkeit ist die Vergasung von Holz zur Gewinnung von reinem Methan, hier existiert in Güssing eine Vorzeigeanlage. „Der Vorteil von Biogas ist das Vorhandensein eines geschlossenen Kohlenstoffkreislaufs, man spricht daher von CO2-neutralen Treibstoffen. Während des Wachsens nimmt die Pflanze CO2 auf, das bei der späteren Verbrennung wieder freigesetzt wird“, erläutert Jungmeier. Doch obwohl Abfallprodukte weiterverwendet werden, ist die erneuerbare Energie im Endeffekt zumeist teurer als die Verwendung von Erdöl oder Erdgas. Daher plädiert Jungmeier für ein Überdenken der momentanen Förderpolitik: „Im Moment werden die „guten“, also die nachhaltigen Energieformen gefördert. Meiner Meinung nach sollte man den Ansatz umkehren, und die „bösen“ Quellen, also etwa Erdölprodukte, noch teurer machen. Denn die Sprache des Geldes verstehen selbst jene, denen die Umwelt egal ist.“ Doch besser als die „richtige“ Energie zu nutzen, ist gar keine zu verbrauchen: „Die Forschung kann sehr viel erreichen, aber das Grundproblem, nämlich den rasant steigenden Bedarf, kann auch sie nicht lösen“, resümiert Jungmeier. Daher sei die Politik besonders gefordert, die nötigen Rahmenbedingungen vorzugeben. Als eine Maßnahme von vielen käme für Jungmeier die Produktkennzeichnung ähnlich der Energieeffizienzklassen bei Elektrogeräten in Frage: „Wenn auf jedem Produkt die bei der Herstellung entstandenen Emissionen stünden, wäre das ein Anreiz für die Produzenten, möglichst emissionsarme Waren herzustellen“, ist er überzeugt. von Biogas zu möglichen Problemen: „Je nachdem, wo das Biogas dem Netz zugeführt würde, käme es bei Qualitätsunterschieden zu Unregelmäßigkeiten in der Verteilung und dem Mischungsverhältnis.“ Er sieht aber auch viel Potenzial: „Derzeit wird Biogas dezentral verstromt, die entstehende Wärme bleibt oft noch ungenutzt.“ Automobil der Zukunft Die Produktion „umweltfreundlicher“ Treibstoffe ist die eine Seite, natürlich darf aber auch die andere Seite nicht außer Acht gelassen werden. Besonders in den letzten Jahren wurde das Straßenbild mehr und mehr von SUVs und anderen großen, spritfressenden Fahrzeugen geprägt. Auch wenn der Individualverkehr in Zeiten gestiegener Benzinpreise ein wenig eingedämmt wird und derzeit Kleinwagen auf dem Vormarsch sind, ist der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge noch immer relativ hoch. Eine erfreuliche Ausnahme stellt hier der voraussichtlich ab 2010 erhältliche „Loremo“ (Low resistance mobile) dar. Dieses Fahrzeug deutscher Entwickler erreicht durch die Reduktion von Gewicht und Luftwiderstand einen Spritverbrauch von lediglich 2,0 Litern auf 100 km – und sieht dabei noch schick aus. Auch VW hatte im Jahre 2002 mit der Konzeptstudie CC0 aufhorchen lassen, das Fahrzeug erreichte in einer Testfahrt bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 72 km/h einen Verbrauch von 0,89 Litern Diesel. Im Gegensatz zum Loremo sitzen die maximal zwei Passagiere allerdings hintereinander. Die Entwicklung wurde im Jahr 2005 gestoppt, im Jahr 2008 war dann von einer Neuauflage in Form eines Mild-Hybrids mit Dieselmotor die Rede. Inwieweit diese Pläne vor dem Hintergrund der schwer angeschlagenen Automobilindustrie verfolgt werden, ist allerdings unklar. Abfallprodukte sinnvoll verwerten Biogas entsteht, wenn organische oder nachwachsende Rest- und Rohstoffe (beispielsweise Maissilage) unter Luftabschluss abgebaut, also fermentiert werden. In der Natur geschieht dies beispielsweise in Mooren oder auch in Güllegruben. Das entstandene Gas kann nach der Reinigung in das Erdgasnetz eingespeist werden, wie es derzeit in einem „In Österreich ist die Erdgasqualität sehr genau geregelt, sie hängt stark vom Lieferland ab. Russisches Gas beispielsweise ist äußerst hochwertig“, erklärt Dipl.-Ing. Andreas Veigl, Umweltreferent der Grünen. Dies führe auch bei der Einspeisung Quelle: „LOREMO“ www.logistik-express.at LOGISTIK express 1|2009 7

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