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LE-1-2009

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

SPEZIAL

SPEZIAL Podiumsdiskussion „Mut in der Logistik“ KommR Prof. Friedrich Macher, Vorstand der Rail Cargo Austria, Ehrenvorsitzender der BVL: „Marketing und Logistik sind siamesische Zwillinge. Man muss genau Friedrich Macher überlegen, mit welchem Servicegrad man welche Kundensegmente anspricht. Mut ist gefragt, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Es stellt sich ständig die Frage, welcher Strategie man sich bedient, um seine Aufgaben zu lösen. Die innerbetriebliche Seite der Logistik ist stufenweise aufgebaut, sie beginnt beim reinen Transport und Lagerumschlag, geht über die innere Flussorientierung und die Realisierung dieser Flüsse im Unternehmen bis hin zur Fähigkeit, in globalen Supply Chains zu agieren und auch zu steuern. Der Logistiker muss heute ein Change-Manager sein! Muss in der Lage sein, mit richtigem Augenmaß den Kunden zu folgen. Aus der Perspektive der Logistikdienstleister ist unternehmerische Tatkraft gefordert, man muss die Krise als Chance sehen. Wir versuchen, den Mengen-Rückgängen durch neue Lösungsansätze zu begegnen und in die Offensive zu gehen und das Geschäft – wo es Sinn ergibt – von der Straße auf die Schiene zu holen. Wir müssen jetzt die Hebel richtig stellen, damit wir, wenn es wieder bergauf geht, schneller wachsen als der Markt. Podiumsdiskussion „Mut in der Logistik“ Prof. Dr. Peer Witten, Aufsichtsratsmitglied der OTTO Group, Aufsichtsratsvorsitzender der HHLA, Ehrenvorsitzender der BVL Deutschland: „Die Wirtschaft befindet sich insgesamt in einer sehr schwierigen, ungewissen Lage. Niemand weiß, ob sie eine V-Form oder eine L-Form annehmen wird und niemand weiß, wie lange die Krise dauern wird. Die Logistik ist in die Supply Chain eingebettet und kann sich natürlich von der Situation nicht loskoppeln, die Auswirkungen sind heute schon zu spüren. Die Unternehmen müssen sich anpassen, „Fahren auf Sicht“ lautet die Devise – also bezüglich der Kosten und des Personals vorsichtig agieren, irgendwann geht es sicher wieder bergauf. Die Kurzarbeit ist eine gute Lösung, um die Unternehmen zu unterstützen. Es wäre durchaus sinnvoll, die aktuelle Wachstumsdelle volkswirtschaftlich für den Ausbau der Infrastruktur zu nutzen, etwa indem bereits genehmigte Ausbauten und Bauvorhaben schneller durchgeführt oder vorgezogen werden. Der Kern des Problems liegt allerdings im Bankensystem, hier muss vorrangig eine Lösung gefunden werden. Die Banken wollen natürlich derzeit ihre eigenen Bilanzen retten, aufgrund der Konjunkturkrise kommt es zu überzogenen Risikobewertungen und Kreditverhaltenheit. Diese Misere zu knacken ist Mut erforderlich, notfalls muss man auch Prinzipien brechen, beispielsweise durch Neuverschuldung.“ „Praxisbeispiel HSSEQ Castrol“ DI Dr. Susanne Wertheimer-Wiegel, HSSEQ Shared Manager, Castrol Austria GmbH Nfg OHG: „Castrol ist eine Tochter der BP, und BP verfügt über ein sehr umfangreiches Sicherheitskonzept, das auch ständig weiterentwickelt wird. Wir arbeiten an der globalen Umstellung auf ein Managementsystem, das quasi als Regenschirm über sämtliche Prozesse gespannt wird. Österreich dient als Versuchswerk, die Erkenntnisse werden dann für andere Werke genutzt. Ich möchte die Sicherheitsarbeit anhand von Beispielen veranschaulichen, beispielsweise gibt es ein sehr umfangreiches Programm für LKW, PKW und Staplerfahrer zur Roadsafety mit „Test & Training“. Dazu gehört auch ein eigenes Schleudertraining für Staplerfahrer mit Rutschmatten. Einer der Schwerpunkte des Konzeptes ist das sogenannte „Standard- Timeout“, monatlich findet 45 Minuten vor Arbeitsende ein Gespräch mit allen Mitarbeitern über relevante Themen, Kennzahlen usw. statt. Der Werksleiter präsentiert die Informationen, durch die Kontinuität möchten wir den Mitarbeitern das Gesagte verinnerlichen. Natürlich kommen hier auch Sicherheitsaspekte zur Sprache. Aber Sicherheitsarbeit funktioniert nur, wenn sie vom Management getragen und von den Führungskräften gelebt wird. In unserem Aufenthaltsraum läuft eine Endlos-DVD mit Unfallbeispielen und Tipps zur Vermeidung. Sicherheit sollte für jeden Priorität haben, und in der aktuellen Situation sollte man extrem gut aufpassen, nicht an den falschen Stellen einzusparen.“ „On the way“ Andrew Thorndike, Leiter Total Supply Chain Management, Primondo GmbH: “Mut und Courage sind Grundtugenden eines erfolgreichen Unternehmers, sie sind nötig, um sich von eingefahrenen Situationen zu lösen und den nächsten Schritt zu tun. Quelle war früher führend im Distanzhandel und Kataloggeschäft, durch das Aufkommen des Internet und des e-commerce war es nötig, den Versandhandel neu zu erfinden. Sehr viele scheitern, weil sie nicht konsequent genug sind, einen beherzten Schritt nach vorne zu gehen. Viele Innovationen erfordern Mut, ein gutes Beispiel hierfür ist das äußerst erfolgreiche I- Phone: um für einen gesättigten Markt etwas Neues zu produzieren, braucht man Mut – und es hat sich ausgezahlt. Die Veranstaltung fällt genau in eine Zeit, in der Veränderungen gefragt sind, daher freue ich mich schon sehr darauf.“ „KTM X-Bow – Ready to Race“ Franco Lanzoni, Leiter Logistik, KTM Sportcar Produktions GmbH: „Wir haben es geschafft, binnen kürzester Zeit in unserer neuen Halle eine Produktionskette aufzuziehen, inklusive Materialwirtschaft und Disposition. Der Knackpunkt war unser Wunsch nach Flexibilität und Durchgängigkeit von den Ladungsträgern bis aufs Band. Innerhalb von nur 5 Monaten haben wir das gesamte System frisch aufgezogen, parallel zum Aufbau wurde bereits produziert. In meinem Beitrag möchte ich vermitteln, wie man es schafft, das Unmögliche möglich zu machen. Die Grundvoraussetzung für den Erfolg des Neubauprojektes war neben der flachen Hierarchie der erfahrene Geschäftsführer. Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, die Ärmel hochzukrempeln und Wertschöpfung zu generieren, man muss präsent sein und auch den anderen zeigen, was man alles zu leisten im Stande ist.“ „Erfahrungen eines privaten Eisenbahnverkehrsunternehmens auf den europäischen Schienennetzen“ Gerald Retscher, Geschäftsführer Wiener Lokalbahnen Cargo GmbH: „Die große Herausforderung bei dem Versuch der „Doorto-door“-Logistik ist die Überwindung der ersten und letzten Meile, denn oftmals gehören Schienenstrecken einem Betreiber exklusiv, oder man benötigt andere Triebfahrzeuge. Wir hören genau in unsere Kunden hinein, um herauszufinden, was sie wirklich wollen und versuchen dann als Traktionär, jene Zugverbindungen zu finden, die seine Bedürfnisse am besten befriedigen. Durch die Wirtschaftskrise hat sich die Situation stark gewandelt, bei sinkendem Rohölpreis ist der Preis für elektrische Energie gestiegen, wodurch der LKW Transport wieder an Attraktivität gewann. Sobald man sich nicht mehr in einem Wachstumsmarkt befindet, starten ein beinharter Verdrängungswettbewerb und ein Preiskampf. Der Umweltgedanke hinter der Verlagerung von der Straße auf die Schiene ist zum Stillstand gekommen. In diesem wirtschaftlichen Umfeld ist es sehr schwer, die geeignete Strategie zu finden, man braucht ein kalkuliertes Risiko – und dafür auch kalkulierten Mut.“ 16 LOGISTIK express 1|2009 www.logistik-express.at

SPEZIAL „Die Palette am Schilift – Einsatz von Seilbahntechnologie für Stück- und Schüttguttransport“ Ing. Hermann Frühstück, Geschäftsführer Doppelmayr Transport Technology GmbH: „Die Idee ist, alternative Transportlösungen im Material-, Paletten- und Containertransport unter Zuhilfenahme von Seiltechnologie anzubieten. Man kennt die Doppelmayr Seilbahnen eher aus dem Personentransport, wir bauen auch urbane Monorails wie in Doha. Zusätzlich haben wir das Ropecon-System entwickelt, mit dem man Schüttguttransporte – etwa im Bergbau – durchführen kann. Dieses System möchten wir für Palettentransporte übernehmen, besonders für Projekte, die mit herkömmlichen Mitteln vielleicht nicht möglich sind. Ein Einsatzgebiet können beispielsweise Häfen sein, Containerterminals, die ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Mit einer Seilbahn könnte man abseits gelegene Lagerflächen lautlos und ohne LKW anbinden, was auch die Umwelt schont. Aktuell sind bereits einige Testanlagen durch unsere Tochterfirma LTW Lagertechnik GmbH in Betrieb, die Resonanz ist durchaus positiv.“ Der mutige Schritt, Dienstleistungs-Marken zur neuen Top-Brand zu konsolidieren“ Hermann Költringer, Director Business Development, Logwin Solutions Austria GmbH: „Ich möchte einen Einblick in das Projekt geben, wie es zur Markenfindung kam und welche Hintergründe ausschlaggebend waren. Ein wichtiger Aspekt Hermann Költringer ist natürlich auch, welche Auswirkungen die Umstellung für alle Beteiligten, etwa die Kunden oder Mitarbeiter, hat. Der Dialog bietet die perfekte Gelegenheit, sich effizient und effektiv mit Informationen zu versorgen, da alle wesentlichen Logistikspezialisten an einem Ort versammelt sind – egal ob nun Dienstleister, Technologie oder der Handel. Eventuelle Probleme können so gleich vor Ort diskutiert werden.“ „Effiziente Warenströme im Dienste der Marke in Mitteleuropa“ Mag. Martin Engelmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der dm drogerie markt GmbH: „Die Logistik beginnt für uns in der Filiale, nicht im zentralen Logistikbereich. Wir verfolgen sieben Thesen mit Leitcharakter, an die sich alle halten und die ich vorstellen werde. Mut ist eine der vier Kardinalstugenden, die schon die alten Griechen hochhielten – diese waren Weisheit, Stärke, Mäßigung und Mut. Es handelt sich hierbei um unternehmerische Grundtugenden. Mut sucht die Balance zwischen Feigheit und Übermut, in den letzten Jahren ist es uns mit unserer vorsichtigen Expansionspolitik ganz gut gelungen, diese Balance zu finden; wir waren mutig, haben es aber nicht bereut. „BauMax goes east – einfache aber robuste Logistikstrukturen und das Schiff als Lager“ Dr. Alexander Wiegele, Geschäftsführer bau- Max Import und Logistik GmbH: „Wir haben es geschafft, einfache aber funktionelle Logistikstrukturen aufzubauen, mit denen wir auch die Anforderungen in den verschiedenen Expansionsländern erfüllen können. Die zentralisierte Distribution erfolgt über Wien beziehungsweise werden Waren per Direktbelieferung durch die Lieferanten verteilt. Um bei den Fernosttransporten flexibler zu sein, sind wir dazu übergegangen, das Schiff als Lager zu nutzen. So bietet sich uns die Möglichkeit, kurzfristig zu entscheiden, wohin genau der Container gehen soll, lediglich der Zielhafen wird anfangs festgelegt. Mut bedeutet für mich, einen Weg zu beschreiten, den nicht alle gehen. Manchmal muss man sich als Querdenker abseits des Mainstreams bewegen. Wenn man Versorgungsströme aufbaut, darf man durchaus innovativ sein, man muss aber gleichzeitig konservativ vorausplanen und im Kleinen ausprobieren, ob es funktioniert. „Unternehmer in der Logistik mit Löwenherz“ Ing. Alfred Altmann, Geschäftsführender Gesellschafter der SIBA GmbH: „Wenn es darum geht, Dinge umzusetzen, die andere sich nicht trauen oder glauben, sie nicht zu können, braucht es ein Löwenherz. Wir haben eine Anlage gebaut, bei der alle sagten, es würde nicht gehen – und es hat funktioniert! Aber dafür braucht man Durchhaltevermögen und einen guten Schlaf. Unser Unternehmen hat mit Ende Jänner bereits die Hälfte des geplanten Jahresumsatzes für 2009 erreicht, man muss jetzt einfach mehr arbeiten und innovativ sein, um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu kompensieren. Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, auch positive Ergebnisse publik zu machen. Man hat als Unternehmer auch eine Verantwortung, nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch auf das Wohl der anderen zu sehen – und wenn ich zu Hause sitze und Gold verschenke, dann wird niemand davon erfahren, darum gilt es, eine Breitenwirkung zu erzielen. „Innovative, erfolgreiche Logistik im Bosch Production System“ Georg Huber, Robert Bosch AG, Leiter des BVL-Regionalbüros Mitte, Vorstand der BVL Österreich: „Es ist gerade jetzt absolut notwendig, Prozesse auf Verschwendungen hin zu untersuchen. Die Logistik fungiert als Treiber für die Wertstromaufnahme und das Wertstromdesign und im Produktionssystem. Bei Bosch ist die Logistik ein Erfolgsfaktor, beginnend beim Kunden bis hinunter zum Sublieferanten, mit ihr kann man den Mehrwert deutlich heben! Allerdings braucht es oft Mut, große Instrumente wie das Produktionssystem anzugehen. Man muss alles hinterfragen, lang Manifestiertes umkrempeln und sich vom vertrauten System wegbewegen, bis hin zur absoluten Mitarbeitertransparenz. Das System selbst ist flexibel, aber man muss sich am Puls der Zeit bewegen und auch bei Rückgängen Anpassungen vornehmen.“ Podiumsdiskussion „Mut in der Logistik“ VDir. DI Walter Hitziger, Österreichische Post AG, Vorstand Brief & Logistik: „Im Wesentlichen geht es um fünf Elemente. Erstens: Mutig sein heißt nicht, dumm sein – man muss sich mit Risiken aktiv auseinandersetzen und Walter Hitziger sorgfältig kontrollieren. Zweitens: Fortschritt braucht Wegbereiter. Bereits im Jahr 1912 erschien ein Artikel, dass Autos bald verschwunden sein werden! Wenn man sich in einem Wettbewerbsmarkt absetzen möchte, muss man auch große Schritte wagen. Drittens: Der heutige Zeitgeist bestraft Mutige, alle sind davon besessen, einen Schuldigen an der Krise zu finden, die Stars von gestern sind die Scharlatane von heute, niemand macht sich die Mühe zu hinterfragen, ob die getroffenen Entscheidungen auch zum damaligen Zeitpunkt falsch waren. Viertens: Mutige werden die Krise besser überleben. Mutige Logistiker lernen, Changeprojekte zu managen und mit Überraschungen umzugehen, sowie mit Abweichungen zu leben. Natürlich ist die Planungsgenauigkeit beschränkt, aber wenn ich einen Zeitraum von einem Jahr schlecht planen kann, dann muss ich mir gewisse Zahlen eben öfter ansehen. Beim Autofahren passt man sich auch dem aktuellen Umfeld und Wetter an. Fünftens: Die Conclusio sagt uns, wer sein Berufsleben damit verbringt, sich anzupassen, wird überleben. Keine Entscheidung zu treffen ist nämlich auch eine.“ www.logistik-express.at LOGISTIK express 1|2009 17

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