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LE-1-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

BVL LOGISTIK-DIALOG

BVL LOGISTIK-DIALOG WU-Professor für Transportwirtschaft Sebastian Kummer stellte seine „CO2-Kummertabelle“ zur Berechnung von CO2-Emissionen vor. Sie soll helfen, den Emissionshandel kalkulierbarer zu machen. Den Umweltschutz als Chance sehen Der akute Handlungsbedarf im Bezug auf CO2 und Umweltschutz ist wohl bereits zu jedem Unternehmen vorgedrungen. Oftmals scheitert jedoch der gute Gedanke an der Finanzierung und der Berechenbarkeit. Univ. Prof. Dr. Sebastian Kummer versuchte in seinem Vortrag „’Die CO2-Kummertabelle’“ – Ansatz zur Berechnung von CO2-Emissionen bei Teilladungen und Stückgutsendungen“, Abhilfe zu schaffen. Er vertrat die Ansicht, dass CO2 Zertifikate im Gegensatz zur Mineralölsteuer den wesentlichen Vorteil böten, handelbar zu sein und sich damit langfristig durch das direkte Einsparungspotenzial als Steuerelement besser eignen würden. Das Problem: „Wenn die Unternehmen die Ausweise selbst ausstellen dürfen, besteht Mogelgefahr“, mahnt Kummer zu Vorsicht. Sein Logistics Information Service (LIS) ermöglicht unter anderem die CO2 Kalkulation im Straßengüterverkehr, der tatsächliche Verbrauch wird so transparent. Kummer: „Man muss den Umweltschutz als Chance sehen, als Innovationstreiber, sich aber gleichzeitig der Risiken bewusst sein.“ Kein Ende des Verkehrsaufkommens in Sicht Dr. Ferdinand Koch, cargo-partner AG, verdeutlicht den Zuwachs des Verkehrsaufkommens: „In den letzten 14 Jahren hat sich der Luftfrachtverkehr verdoppelt, die Seefracht sogar in nur sieben Jahren, Tendenz weiter steigend.“ Bei den Kunden zählen vorrangig der Preis und die zuverlässige Laufzeit, das Klima ist seiner Meinung nach derzeit aus Verladersicht kein Entscheidungskriterium. Im vierten Bewertungsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) im November 2007 wurde festgehalten, dass sofortige Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels erforderlich sind. Koch: „Die gesamte Unternehmensgruppe cargo-partner identifiziert sich mit dieser Herausforderung.“ Der vielgenannten Alternative Schiene statt Straße sieht Koch eindeutig Grenzen gesetzt und warnt auch vor unreflektierten Verlagerungsaktivitäten. Viel mehr müsse jeder Modus für sich genommen optimiert werden. 2007 wurde der Verein „Environmental cargo-partners e. V.“ gegründet, Zielsetzung ist neben der Systembetrachtung die Verminderung klimarelevanter Emissionen. CO2-Zertifikatehandel als Chance für die Umwelt? Seit 2005 gibt es handelbare CO2-Zertifikate, die aktuelle Periode gilt vom 1.1.2008 bis 31.12.2012. Abhängig von der Nachfrage entwickelt sich der Preis. DI Dr. Christian Plas, denkstatt GmbH, sieht darin eine echte Chance: „In dem Moment, wo die Vermeidungskosten niedriger sind als der Zertifikatspreis, könnte es einen regelrechten Technologieschub geben.“ Im Vergleich zur ersten Periode wurden etwa 20 Prozent weniger Zertifikate an die Unternehmen ausgegeben, eine Auswirkung auf die Preisentwicklung ist absehbar. Geplant ist, dass ab 2012 auch im Flugverkehr Zertifikate verpflichtend eingeführt werden. „Zwingen Klimaveränderungen und Ressourcenverknappung zum Umdenken in der Logistik?“ Dies war das Schlüsselthema des 24. Logistik-Dialogs der BVL und gleichzeitig Titel der Podiumsdiskussion zu Beginn der Veranstaltung, die Tarek Leitner, ORF, moderierte. Das Neue wird uns aufgezwungen Mehr intermodale Terminals Am Anfang der Diskussion stand ein Impulsreferat von Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, die auf die Gütertransportsituation in Wien aufmerksam machte: „Wir haben in Wien zu viel Verkehr. Täglich werden in Wien 126.000 Tonnen an Gütern zu- und abtransportiert – die Feinverteilung noch gar nicht mit gerechnet“, so ihr Eingangsstatement. Sie forderte daher, den Anteil des Bahntransports in Wien zu erhöhen und bedauerte, dass es derzeit nur einen einzigen intermodalen Güterstandort am Wiener Hafen gebe. „Es fehlen zwei intermodale Standorte in Wien, die bereits geplant sind, aber die Finanzierung ist nicht vorhanden“, so Jank. Konkret geht es um mindestens einen neuen Umschlagplatz in Wien-Inzersdorf, der den Süden der Stadt abdeckt. Ins gleiche Horn stieß Fritz Macher, neuer Vorstand der Rail Cargo Austria, der ebenfalls den modalen Split in Wien bemängelte. Er sah aber auch die europäische Verkehrspolitik gefordert, einen Abgleich zwischen den Ländern herzustellen: „Es nutzt nichts, wenn wir den modalen Split haben, und in Italien endet der Zug im Nichts, weil es dort kein Terminal gibt.“ Schonendes Fahren und bessere Technik Peter Müller der Firma Müller Transporte verwies auf Schulungen des Fahrpersonals zum Treibstoff schonenden Fahren, womit drei Prozent an Treibstoff gespart werden können. Und er hob die Schadstoffklasse V der LKW-Motoren hervor: „Vor 15 Jahren emittierte ein LKW der Schadstoffklasse 0 genau so viele Schadstoffe wie 35 LKWs heute.“ Er forderte, dass emissionsarme LKWs vom Staat finanziell unterstützt und die Straßenabgaben an den Schadstoffausstoß gekoppelt werden müssten. Verhaltensänderungen Universitätsprofessorin Helga Kromp-Kolb sah die Lösung vor allem in den Verhaltensänderungen jedes Einzelnen: „Nachhaltiges Wirtschaften und Verhalten muss belohnt werden. Wenn wir nicht handeln, wird uns das Neue in einer Weise aufgezwungen, die keinem recht sein kann“, warnte sie eindringlich vor den Klimaveränderungen. 034LOGISTIK express SPEZIAL 1|2008 www.logistik-express.at

BVL LOGISTIK-DIALOG Kurzinterview DI Walter Hitziger, Österreichische Post AG, Brief & Logistik, Präsident der BVL Österreich Im Dialogblock 2 standen Innovationen im Güterverkehr zur Diskussion: Das European Train Control System (ETCS), der Euro-Kombi und die schwimmende Landstraße auf der Donau. Zu Wasser, zu Lande und auf der Schiene Im Grunde gibt es für alles eine Lösung, nur muss sie jemand finden und umsetzen. Im Dialogblock 2 ging es um „CO2-Einsparungen durch Innovationen auf Straße und Schiene“, und die Ausführungen der Referenten zeigten, dass es viele Ansätze gibt, den Gütertransport umweltschonender zu gestalten. Schnellere Züge Kapazitätssteigerungen im Bahnbetrieb mittels ETCS stellte Roland Stadlbauer von der Firma Thales vor. Die Abkürzung steht für „European Train Control System“ und ist ein Vorhaben, nationale Signal- und Zugsicherungssysteme unter einen Hut zu bekommen. Konkret bedeuten diese unterschiedlichen Systeme einen enormen Zeitverlust an den Grenzübergängen: Die Loks müssen gewechselt werden, ebenso der Lokführer. Mit elektronischen Geräten zwischen den Schienen – sog. Eurobalisen – sowie dem Einbau eines Computers im Triebfahrzeug unter Verwendung von GMS zur Datenübertragung ist es möglich, genormte Streckendaten an den Zug zu funken und so den internationalen Betrieb zu vereinfachen. Die erste kommerzielle Anwendung bei Hochgeschwindigkeitszügen befindet sich auf der Strecke Lleida – Barcelona. Giganten der Landstraße Eine heftige Diskussion wird in Deutschland gerade über die Einführung der sog. Euro-Kombis geführt – LKWs mit knapp über 25 Metern Länge und 60 Tonnen Gesamtgewicht. Die Befürworter – darunter auch die skandinavischen Länder, wo es solche LKW schon gibt – sehen darin Einsparungsmöglichkeiten: Pauschal gesagt werden aus drei Fahrzeugen nur zwei. Das spart Platz auf den Straßen und verbraucht weniger Treibstoff – damit sinkt auch die CO2-Belastung. Was die Verkehrssicherheit und die Abnutzung der Straßen betrifft, seien hier keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Gegner dieses Konzepts befürchten jedoch eine Zunahme des Straßenverkehrs, weil es zu einer Verlagerung von der Schiene auf die Straße kommen werde. Zudem sei der Umschlag zwischen den verschiedenen LKW-Größen nicht so einfach möglich. Schwimmende Landstraße Die Firma DLO – Danube Line Operator – bereitet einen Linienbetrieb auf der Donau für den unbegleiteten Kombiverkehr vor. Er erfolgt mit Katamaranen und Bargen, die wenig Tiefgang aufweisen und mit einem Schnitt von zwanzig km/h doppelt so schnell fahren wie herkömmliche Schiffe. Endpunkte der Schiffspassage sind Passau und Orschowa in Rumänien. „Wir erkennen das Kombiverkehrspotenzial in Osteuropa“, erklärte Anton Moser von DLO, „mit neun Prozent Logistikwachstum pro Jahr.“ Die Donau sei ohnehin nur zu zehn Prozent ausgelastet und ein Markt für 3.000 Sattelzüge pro Tag am Donaukorridor sei zu erwarten. Potenzial sieht man auch für Frächter aus der Ukraine und der Türkei. „Wir arbeiten daran, nicht zurückzufallen" Der 24. Logistik-Dialog ist soeben zu Ende gegangen. Welches Resümee können Sie ziehen? In diesem Jahr konnten wir uns über 547 Teilnehmer freuen, so viele wie nie zuvor, auch im Abschlussvortrag saßen noch mindestens 300 Zuhörer. Das zeigt uns, dass wir mit unserer Themenwahl richtig liegen. Die Umweltrelevanz des Tuns nimmt zu, wir haben genau den richtigen Zeitpunkt getroffen. Die Aufgabe der BVL ist es, Nutzen zu stiften. Wir bewegen uns in einem ständigen Fluss, wenn man stehen bleibt, fällt man automatisch zurück. Und wir arbeiten stets daran, nicht zurückzufallen. Welchen Beitrag leistet die Post zum Thema Umweltschutz? Natürlich überlegen wir, was die Post tun kann, um der Verantwortung gerecht zu werden. Elektroautos sind sicher nicht die Lösung. Wir haben uns eine CO2 Reduktion um 10 Prozent bis 2012 zum Ziel gesetzt, dies beinhaltet neben dem Verkehr auch das Heizen, den Strom und andere Faktoren. Jedes Unternehmen muss selbst anfangen zu organisieren und sich die Situation bewusst zu machen. Fragen wie „Muss ich am Wochenende heizen, wenn niemand da ist?“ können hierbei helfen. Nächstes Jahr erwartet uns ein Jubiläum, der 25. Logistik-Dialog – ist schon etwas geplant? Die BVL spürt, was sich tut und kann es umsetzen, daher ist der Logistik-Dialog auch so erfolgreich. Für das Jubiläumsjahr haben wir schon einige Ideen, wir könnten ihn als Leistungsschau nutzen, für einen Rückblick nach dem Motto „Was haben wir bewegt?“ Aber der genaue Inhalt steht noch nicht fest. www.logistik-express.at LOGISTIK express SPEZIAL 1|2008 03

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